Archiv für April 2009

Ausstellung / Möbeldesign / München: DEMOCRATIC DESIGN – IKEA

Dienstag, 21. April 2009

Die Ausstellung in der Pinakothek der Moderne läuft noch bis zum 12.07.2009.

»Die schöne Form ist für alle da. Und nicht nur fürs Museum!«
Dieses Zitat aus dem IKEA-Katalog von 1979 steht programmatisch für die Designpolitik jenes Unternehmens aus Südschweden, das seit 1948 vom Einmannbetrieb zum größten Einrichtungskonzern der Welt wurde und die Vorstellung eines »demokratischen Designs« prägte wie kaum ein anderes. Die Neue Sammlung widmet diesem Thema die erste Museumsausstellung.

Design gehört für IKEA zu den zentralen Faktoren bei der Realisierung der Idee, funktionale, gut gestaltete Möbel für möglichst viele Menschen preislich erreichbar zu machen. Dahinter stehen unter anderem Konzepte wie »Schönheit für alle« (Ellen Key 1899), die ihre Wurzeln in Reformbewegungen des 19. Jahrhunderts besitzen, oder das »Schwedische Modell« einer modernen, offenen, familien- und sozialorientierten Gesellschaft.

Ein entscheidender Aspekt dabei ist die Entwicklung einer spezifischen Formensprache und Produktpalette, die verschiedene gestalterische Richtungen verbindet: zum einen die skandinavische Moderne mit ihrer Vorliebe für das Material Holz, naturbelassene Oberflächen und organische Formen, zum anderen internationale Strömungen wie etwa der von Flower Power und »Demokratie von unten« geprägte Stil der Sixites oder die Postmoderne. Dazu kommt das Bekenntnis zur »Swedishness«, das sich gestalterisch in einem Landhausstil manifestiert, der von heimischen Traditionen – man denke an die Aquarelle von Carl Larsson im 19. Jahrhundert – inspiriert ist, aber auch experimentelle Entwürfe junger schwedischer Entwerfer umfasst.

Die Ausstellung zeigt Themenbereiche wie Die Anfänge, IKEA-Prinzip Do-it-yourself, System Billy, Design-Prozess, Material Change, Nachhaltigkeit und Ökologie, Kinder- Land, PS Kollektion u. a.

Eine Ausstellung der Neuen Sammlung – The International Design Museum Munich – in Kooperation mit IKEA.

Adresse:
Pinakothek der Moderne
Kunstareal München
Barer Straße 40
80333 München
Kontakt:
Telefon: ++49(0)89.23805-360
info@pinakothek.de

Ausstellung / Malerei / Köln: Christopher Wool - Porto–Köln

Dienstag, 21. April 2009

Die Ausstellung im Museum Ludwig läuft noch bis zum  12. Juli 2009.

Das Museum Ludwig präsentiert in seiner großen Wechselausstellungshalle rund 30 großformatige Arbeiten – Gemälde wie Siebdrucke – von Christopher Wool. Zusätzlich wird die 160-teilige Fotoserie „East Broadway Breakdown“ (1995) gezeigt. Christopher Wool ist der Träger des Hahn-Preises 2009, der zu den höchstdotierten Preisen für internationale Gegenwartskunst in Deutschland zählt.

Die Ausstellung vollzieht die künstlerische Entwicklung von Wool in den letzten Jahren nach. Deutlich zeigt sich sein wachsendes Interesse an Komposition und ihrem Ausdruck in verschiedenen Medien wie Malerei, Zeichnung, Fotografie und Druck. Der Schwerpunkt liegt auf den abstrakten Gemälden und Siebdrucken seit 2006.

Aus Anlass der Verleihung des Wolfgang-Hahn-Preis Köln 2009 an Wool erwirbt die Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig zwei Siebdrucke auf Papier für das Museum. Die Ausstellung, die in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler entstanden ist, feiert auch die Preisverleihung an Christopher Wool. Gemäß den Statuten des Wolfgang-Hahn-Preises Köln wählt die Jury einen Künstler von internationalem Renommee aus, dessen Œuvre sich durch eine konsequente Weiterentwicklung auszeichnet und dessen Werk noch nicht adäquat im Museum Ludwig vertreten, jedoch für die Fortführung der Sammlung essenziell ist.

„Wool“, so Dr. Wolfgang Bornheim, Vorstandsvorsitzender der Gesellschaft für Moderne Kunst und Jury-Mitglied des Wolfgang-Hahn-Preis Köln, „reflektiert in seinen jüngeren Arbeiten zunehmend über den Prozess der Bildfindung und die Wahl des Mediums. Mit dem Wolfgang-Hahn-Preis sein Schaffen zu würdigen und Arbeiten von ihm für das Museum zu erwerben, freut uns außerordentlich.“

Wool führt in seinen Gemälden Figur und Defiguriertes gegeneinander, Zeichnung und Malerei, Durchdachtes und Spontanes. Mit der Sprühpistole zeichnet er Linien auf die Leinwand, die er kurz darauf mit einem in Lösungsmittel getränkten Tuch wieder auswischt. Dadurch entsteht ein neues Bild, in dem sich klare Linien gegen gewischte Flächen behaupten müssen. Auch in seinen Siebdrucken auf Papier begegnen wir dem Interesse des Künstlers an Abstraktion, am Verhältnis von Linie und Fläche wieder. Besonders interessante Stellen der Gemälde setzt Wool hier zu idealen Kompositionen zusammen und stellt sie gleichwertig neben seine Gemälde.

Der 1955 geborene, in New York lebende Christopher Wool wurde vor allem durch seine „Word Paintings“ aus den 1980er/90er Jahren bekannt. Er war auf der documenta IX vertreten sowie bei der Whitney Biennial 1989 und der 51. Carnegie International 1991. Außerdem hatte er zahlreiche Einzelausstellungen in den USA und Europa.

Am 28. April wird die Punkrock-Legende Richard Hell über Christopher Wools Fotografien und Künstlerbücher sprechen. Wool und Hell sind seit langer Zeit befreundet und Hell, der auch als Schriftsteller und Kunstkritiker arbeitet, hat bereits zahlreiche Texte über Wools Werk veröffentlicht.

Die Ausstellung wurde von der Fundacio de Serralves, Museu de Arte Contemporânea, Porto organisiert, koproduziert vom Museum Ludwig, Köln. Kuratoren: Julia Friedrich, Ulrich Loock.

Die Ausstellung wird gefördert von der kunststiftung nrw und der Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig.

Ausstellung / Malerei / Wien: RAUM IM BILD - Interieurmalerei 1500 bis 1900

Samstag, 4. April 2009

Die Ausstellung im Kunsthistorischen Museum (Saal VIII) in Wien läuft noch bis zum 12. Juli 2009.

Unter Interieur verstehen wir die Darstellung von Innenräumen. Es ist damit die vielseitigste Bildgattung der Malerei überhaupt. Die so bezeichneten Bilder erzählen vom Lebensraum des Menschen, seinem privaten Milieu, seiner Arbeitswelt und seiner häuslichen Intimität. Sie schildern den Alltag in all seiner Poesie und Fülle seiner oft gewöhnlichen, zuweilen komischen oder auch tragischen Momente. Neben der künstlerischen Herausforderung, mit Hilfe von Perspektive und Lichtführung die Illusion eines Innenraums entstehen zu lassen, wird die Lebenswirklichkeit in ihrer realen Drastik, in ironischer Brechung und als moralische Ermahnung dargestellt. Das Bild des Innenraums kann das Portrait mit dem Stilleben, die Heiligenlegende mit einer profanen Werkstatt, das sichtlich Erfundene mit der peniblen Dokumentation verbinden. Es kann mit ausgeklügelter Symbolik aus der Vielfalt der im Haus zur Verfügung stehenden Gegenstände ganze Geschichten erzählen oder die Dinge einfach nur zur Freude an ihrem Dasein als Farbe und Form ins Bild setzen.

Die Ausstellungsobjekte stammen aus der Gemäldegalerie des KHM, sowie aus anderen Wiener Museen: Belvedere, Albertina, Liechtenstein-Museum und Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste.

Kuratiert von Direktor Dr. Karl Schütz

Adresse:
Kunsthistorisches Museum
Maria Theresien-Platz
A-1010 Wien
Kontakt:
+43 1 525 24- 4025
info@khm.at

Ausstellung / Malerei / Frankfurt: Fokus auf Andrea Mantegna - Der Evangelist Markus, um 1450 (Inv. Nr. 1046)

Samstag, 4. April 2009

Die Ausstellung im Ständel-Museum in Frankfurt geht vom 09.04.2009 bis zum 06.09.2009.

Die mittlerweile siebte Ausstellung der Reihe „Fokus auf“ rückt mit dem um 1450 entstandenen Gemälde „Der Evangelist Markus“ von Andrea Mantegna (1431–1506) eines der frühesten bekannten Werke dieses für die Kunst der Frührenaissance in Oberitalien zentralen Künstlers in das Zentrum der Betrachtung und wirft dabei Schlaglichter auf die vielfältigen Fragestellungen, die mit dem Werk verbunden sind. Neben Aspekten wie der Ikonographie, der Zuschreibung, der Maltechnik und der Datierung zählt hierzu insbesondere die Frage nach den möglichen Vorbildern, deren sich der junge Mantegna für seinen „Evangelisten Markus“ bediente. Zudem geht das heutige Erscheinungsbild auf eine nachträgliche und tiefgreifende konzeptuelle Veränderung zurück, die anhand der gemäldetechnologischen Befunde von Röntgenbild und Infrarotreflektographie nachvollziehbar gemacht werden soll. Mit der Frage nach der ursprünglichen Komposition ergibt sich zugleich diejenige nach dem möglichen Kontext, für den die Leinwand in der ersten Konzeption gedacht gewesen sein könnte.

Die Ausstellung wird großzügig von der Schering Stiftung, Berlin, unterstützt, die es sich zum Ziel gesetzt hat, herausragende Leistungen in Wissenschaft und Kunst zu fördern und für die Öffentlichkeit sichtbar zu machen.

Das Werk
Vor neutralem, fast schwarzem Fond erscheint in einer steinernen Fensteröffnung die bemerkenswert plastische Halbfigur des bärtigen Evangelisten Markus, der seinen leicht ins Dreiviertelprofil gewendeten Kopf mit dem rechten Arm auf dem Fenstersims abstützt und mit leicht geöffnetem Mund am Betrachter vorbei in die Ferne blickt. Auf dem lebhaft gemaserten Fenstersims vor dem Evangelisten sind eine Zitrusfrucht sowie ein prachtvoller Kodex erkennbar. Die nach den Regeln der Zentralperspektive konstruierte Fensterarchitektur zitiert mit Perlstab, bunten Marmoreinlagen und Akanthuslaub antike Motive. Vor dem Rundbogen des Fensters ist zudem eine ebenfalls antikisierende Girlande aus Blättern und Früchten angebracht, während unterhalb des Fenstersimses ein beschrifteter Pergamentstreifen, ein „cartellino“, fixiert ist. Erst auf den zweiten Blick erschließt sich das ausgefeilte räumliche Konzept der Darstellung, die den Eindruck einer Verschmelzung von Bild und Realität entstehen lässt.

Zuschreibungsfragen
Der Frankfurter „Evangelist Markus“, der 1867 für das Städel Museum erworben werden konnte, war trotz Signatur hinsichtlich seiner Zuschreibung lange Zeit umstritten. Hierfür war nicht zuletzt der schlechte Erhaltungszustand des Bildes verantwortlich: Durch mechanische Beanspruchung und frühere Reinigungsmaßnahmen hatte es Verluste an originaler Malsubstanz erleiden müssen; außerdem war es durch einen nachträglich aufgebrachten und stark verfärbten Firnisüberzug in seinem Erscheinungsbild schwer beeinträchtigt. Dementsprechend wurde das Gemälde mehrheitlich als Werk eines Malers aus Mantegnas Umfeld eingestuft, wobei die Signatur zur nachträglichen Zutat erklärt wurde. Erst eine zu Beginn der 1990er-Jahre anlässlich der großen Mantegna-Ausstellung in London und New York in Angriff genommene sorgfältige Konservierung und Restaurierung, bei der sowohl der verfärbte Firnis als auch spätere Übermalungen und Retuschen entfernt wurden, führte zu einer grundlegenden Neubewertung: Nachdem die hohe Qualität der Malerei wieder erkennbar wurde und zudem die Echtheit der Signatur nachgewiesen werden konnte, gilt es seither übereinstimmend als eigenhändiges Werk aus der Frühzeit des Künstlers und damit zugleich als eines der frühesten erhaltenen Tafelgemälde Mantegnas überhaupt.

Die Maltechnik: Leimfarben auf Leinwand
Leinwand als Bildträger ist bei den erhaltenen italienischen Tafelbildern des 15. Jahrhunderts nur vergleichsweise selten anzutreffen; wie nördlich der Alpen war Holz der übliche Bildträger. In Venedig, unter dessen Herrschaft Padua seit 1405 stand, scheint aber schon relativ frühzeitig mit Leinwand experimentiert worden zu sein – unter anderem von Mantegnas Schwiegervater Jacopo Bellini. Aber nicht nur der Bildträger selbst ist ungewöhnlich, sondern auch die Ausführung: Mantegna benutzt nicht die sonst üblichen Temperafarben, sondern Leimfarben. Diese Technik, bei der das fertige Gemälde keinen Firnisüberzug erhält, erzeugt eine pastellartig-matte, opake Farbigkeit, die im Fall des „Evangelisten Markus“ einen weit über die Möglichkeiten der herkömmlichen Temperamalerei hinausgehenden Grad an Realismus in der Wiedergabe unterschiedlicher Stofflichkeiten ermöglichte. Mantegna verwendete diese innovative Technik bis an sein Lebensende immer wieder, auch für bedeutende Aufträge.

Lehrjahre und erste Schritte als Künstler
Andrea Mantegna erhielt seit den frühen 1440er-Jahren seine künstlerische Ausbildung in Padua, das durch seine Universität im 15. Jahrhundert zu den wichtigsten Zentren humanistischer Studien in Italien zählte. Francesco Squarcione, Mantegnas Lehrmeister und Adoptivvater, unterhielt die wohl bedeutendste Ausbildungsstätte für angehende Künstler in Padua. Squarcione legte besonderen Wert auf das Studium nach antiken und zeitgenössischen Vorbildern, welches bei ihm anhand einer umfangreichen Sammlung von Zeichnungen, Druckgraphiken und Skulpturen ausgiebig betrieben werden konnte. Als eigenständige Künstlerpersönlichkeit ist er dagegen kaum fassbar.

Florenz in Padua: Donatello, Uccello, Fra Filippo Lippi
Wichtiger als Squarcione war für den jungen Mantegna und seine künstlerische Entwicklung die direkte Berührung mit der aktuellsten florentinischen Kunst: Von 1443 an lebte und arbeitete der Bildhauer Donatello, eine der wichtigsten Künstlerpersönlichkeiten der Frührenaissance, in Padua und führte dort bedeutende Aufträge aus. Auch die Maler Paolo Uccello und Fra Filippo Lippi arbeiteten zeitweise in Padua, sodass hier die Prinzipien der „modernen“ Kunst der Frührenaissance anhand herausragender Beispiele vor Ort studiert werden konnten. Bei dem Frankfurter „Evangelisten Markus“ ist dieser Einfluss deutlich erkennbar: Die skulpturale Wirkung des Heiligen, das ausgeklügelte Spiel mit verschiedenen räumlichen Ebenen und deren Durchbrechung sowie die Beherrschung der Zentralperspektive für die Konstruktion des Fensterbogens lassen das Vorbild Donatellos und seiner Florentiner Künstlerkollegen erkennen. Auch Motive wie die prachtvolle, vor den Rundbogen gehängte Blatt- und Fruchtgirlande oder die antikisierende Formensprache konnte Mantegna hier kennenlernen. Vermutlich hatte Mantegna darüber hinaus auch früh Zugang zu Werken zeitgenössischer niederländischer Maler, die von italienischen Kunstliebhabern aufgrund ihres völlig neuartigen Detailrealismus, der sich etwa in der überzeugenden Wiedergabe unterschiedlicher Stofflichkeiten zeigt, schon um die Jahrhundertmitte geschätzt und gesammelt wurden.

Gemäldetechnologische Untersuchung und Konzeption
Das heutige Erscheinungsbild des Gemäldes ist nicht auf einen einheitlichen Entwurf zurückzuführen, sondern das Ergebnis einer nachträglichen und tiefgreifenden Überarbeitung durch den Künstler. Dies ist zum Teil bereits mit bloßem Auge erkennbar und wird durch gemäldetechnologische Befunde bestätigt. Die Infrarotreflektographie, mit deren Hilfe die Unterzeichnung des Gemäldes sichtbar gemacht werden kann, zeigt deutlich, dass der Rundbogen der Fensteröffnung sich eigentlich nach rechts hin perspektivisch verjüngen sollte und sowohl die rechte Fensterlaibung als auch die Fensterbank deutlich schmaler angelegt waren. Im Röntgenbild wird sichtbar, dass die Farbschichten der verbreiterten rechten Bogenhälfte und der hinteren Partie der Fensterbrettes über der bereits ausgeführten Hintergrundmalerei und dem Mantel des Evangelisten liegen – die Veränderungen wurden also erst sekundär an dem weitgehend fertiggestellten Bild vorgenommen. Auch der große Kodex und die Frucht, die ebenfalls über bereits vorhandene Farbschichten gemalt sind, wurden erst zu einem späteren Zeitpunkt hinzugefügt. Offenbar war zunächst geplant, den Evangelisten in einer auf starke Schrägansicht hin konzipierten Rahmenarchitektur darzustellen, was dann zugunsten einer mehr oder weniger frontalansichtigen Neukonzeption aufgegeben wurde. Die Rekonstruktion des ersten Zustandes zeigt, dass „Der Evangelist Markus“ ursprünglich kaum als selbständiges Einzelbild gedacht gewesen sein kann. Es ist anzunehmen, dass er zunächst als Bestandteil eines größeren Auftrages begonnen wurde, der dann aus unbekannten Gründen aufgegeben wurde. Wie aber sah dieser Auftrag aus? Eine Möglichkeit, die von Prof. Dr. Jochen Sander, Sammlungsleiter für altniederländische und altdeutsche Malerei im Städel Museum, vorgeschlagen wurde, wäre etwa die Zugehörigkeit zu einer ganzen Serie von Heiligendarstellungen, beispielsweise der vier Evangelisten, die für die bildliche Ausstattung einer Kapelle bestimmt waren. Die räumliche Verteilung der Einzelbilder in der Kapelle könnte dabei plausibel die auf Seitenansicht ausgelegte Konstruktion des Gemäldes erklären. Denkbar wäre aber auch eine andere Lösung. Betrachtet man die ursprüngliche Konstruktion des Fensterbogens und versucht, diese sinnvoll zu einem Bildprogramm zu ergänzen, erscheint die Annahme eines dreiachsigen Bezugsystems als plausibelste Lösung: Markus könnte hier den linken Platz einnehmen. Ob es sich bei diesem dreiteiligen Bildprogramm um ein Triptychon, ein drei Achsen und zwei Register umfassendes Polyptychon oder eine hiervon völlig verschiedene Lösung gehandelt haben mag, muss allerdings offen bleiben.

Kurator: Gabriel Dette, Wissenschaftlicher Mitarbeiter (Städel Museum)
Gestaltungskonzept: Bluetango-Kreativ-Team um Lo Breier, Wien
Katalogbroschüre: „Fokus auf Andrea Mantegna: Der Evangelist Markus, um 1450 (Inv. Nr. 1046)”, Text von Gabriel Dette, 20 S., 15 Abb., Städel Museum, Frankfurt am Main 2009, kostenlos
Ort: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt
Pressevorbesichtigung: Mittwoch, 8. April 2009, 11.00 Uhr, Mauritz-Foyer
Vortrag: Fokus auf Mantegna: Der Evangelist Markus, Gabriel Dette, Mittwoch, 8. April 2009, 19.00 Uhr

Adresse:
Städel Museum
Schaumainkai 63
60596 Frankfurt am Main
Kontakt:
069-605098-0

Ausstellung / Malerei / Köln: Der Mond

Donnerstag, 2. April 2009

Die Ausstellung im Wallraf-Richartz-Museum in Köln läuft noch bis zum 16. August 2009.

Vierhundert Jahre nachdem Galileo zum ersten Mal sein Teleskop auf den Mond richtete und vierzig Jahre nach Armstrongs Landung auf dem Erdtrabanten zeigt das Wallraf-Richartz-Museum die erste umfassende Kunstausstellung zum Himmelskörper. „Der Mond“ ist ein kunst- und kulturhistorischer Parcours durch die letzten fünf Jahrhunderte. Die rund 150 Exponate erzählen dabei, wie sich die Menschheit in dieser Zeit optisch und künstlerisch dem Mond genähert hat. Die Erfindung des Teleskops und der Fotografie sowie das Aufkommen der bemannten Raumfahrt läuten dabei die wichtigsten Epochen ein.

Die Auswahl der Exponate reicht von mittelalterlichen Tafelbildern und romantischen Gemälden über astronomische Instrumente bis hin zu originalen Raumfahrtfotografien und zeitgenössischer Kunst. Alle Gemälde, Zeichnungen, Druckgraphiken, Modelle und Fotografien spiegeln die große Faszination wider, die der Mond seit je her auf die Menschheit ausübt. Zu den Höhepunkten der Ausstellung gehören zwei Original-Ausgaben von Galileos „Botschaft von neuen Sternen“ und Manets „Mondschein über dem Hafen von Boulogne“, dem ersten impressionistischen Nachtbild überhaupt.

Zu sehen ist „Der Mond“ im Wallraf vom 26. März bis zum 16. August 2009, dem Internationalen Jahr der Astronomie. Fachkundige Unterstützung erhält Museumsdirektor und Ausstellungsmacher Andreas Blühm von Astronomie 2009 e.V. und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Ein reiches Rahmenprogramm wird die Kunstgeschichte zur Astronomie, Literatur und Musik hin öffnen.

Adresse:
Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud
Obenmarspforten (am Kölner Rathaus)
50667 Köln
Kontakt:
Tel.: +49 (0) 221 221-21119
Fax: +49 (0) 221 221-22629
wallraf(at)museenkoeln.de
www.museenkoeln.de/wallraf

Ausstellung / Druckgrafik / Bonn: WASSILY KANDINSKY - DAS DRUCKGRAFISCHE WERK

Donnerstag, 2. April 2009

Die Ausstellung im Kunstmuseum Bonn läuft noch bis zum 12. Juli 2009.

Die über 200 Holz- und Linolschnitte, Radierungen, Lithografien und Plakate, die Wassily Kandinsky zwischen 1902 und 1942 schuf, dokumentieren die intensive und konsequente Auseinandersetzung des Künstlers mit der Druckgrafik. In seinen frühen Jahren in München und Paris bis zur Zeit des Blauen Reiter 1911 entstand der größte Teil des Œuvres, darunter viele Farbholzschnitte, bei denen der Künstler mit bis zu sechs Farbzuständen pro Blatt experimentierte. Zwei Drittel der Ausstellung zeigen deshalb Blätter dieser Periode, daran schließen sich die Werke aus der Bauhaus-Zeit und den Pariser Jahren an, die die Linien und Flächen von einem freien expressiven Gestus seit 1922 in eine stärker konstruktive Funktion überführen.

Für Kandinsky gab es keinen Wesensunterschied zwischen Malerei und Grafik, beide Gattungen standen in engem Wechselverhältnis. Zwar ging er von den jeweils eigenen technischen und gestalterischen Bedingungen der Grafik aus, befragte aber auch hier die Möglichkeiten von Linie, Fläche und Farbe mit dem Ziel, das „Geistige in der Kunst“ zum Ausdruck zu bringen. So erlaubt auch Kandinskys Druckgrafik einen umfassenden Blick auf die Grundprinzipien seiner Arbeit, seinen Anspruch, eine „seelisch-innerliche“ Erfahrung von Wirklichkeit zu gestalten, die einer Kunst, die nur eine äußere Sicht der Wirklichkeit wiedergibt, verborgen bleiben muss.

Die Ausstellung wurde in Kooperation mit der Städtischen Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München erarbeitet, die das beinahe vollständige druckgrafische Werk Kandinskys besitzt. 230 Arbeiten, darunter auch Zustandsdrucke, führen von den frühen Holzschnitten mit ihren märchenhaften Themen und subtil differenzierten Farben, zu den berühmten Holzschnitten der Blaue-Reiter-Zeit wie dem Bogenschützen oder dem Buch Klänge bis zur Mappe Kleine Welten aus den zwanziger Jahren und vermitteln ein lebendiges Bild eines der wichtigsten Künstler des 20. Jahrhunderts.


Kunstmuseum Bonn
Museumsmeile
Friedrich-Ebert-Allee 2
53113 Bonn
E-Mail: kunstmuseum@bonn.de

Künstler des Monats April / Fotografie: Helfried Stange

Donnerstag, 2. April 2009

Der Künstler Helfried Stange wurde 1946 in Meinersdorf geboren und lebt heute in Lippstadt. Die Wurzeln seiner Konzeption finden sich in der Kunst geometrischer Abstraktion der 50er Jahre (mit Verwandtschaft zu Pop- und Op-Art), welche wiederum in der Tradition von De Stijl, Abstraction Ceation und dem Bauhaus steht. Mit dem Funktionalismus des Bauhaus, welches eine Synthese von geistig-künstlerischer und technisch-handwerklicher Ausbildung anstrebte, identifiziert sich auch Stange. Dabei geht es dem mehrfachen Preisträger nicht um eine Annäherung an einen Stil als Wiedererkennungswert. Für ihn steht das gemeinsame ästhetische Bewusstsein im Vordergrund.

Stange absolvierte ein Studium an der Fachhochschule für Design in Münster (Studien u.a. bei Emil Hartwig, dem einzigen Meisterschüler von Paul Klee, Prof. Heydemann, und Stegmann), das den Künstler in seiner künstlerischen Ausrichtung bestätigte und seine Vorliebe für exaktes Arbeiten und strenge geometrische Formen festigte.

Die Objekte in Helfried Stanges Fotografien setzen sich aus verschieden farbigen geometrischen Formen und Strukturen zusammen. In der Auseinandersetzung mit konstruktiven Elementen hat der Künstler Details aus dem ursprünglichen Funktionszusammenhang herausgelöst. Um solche Details herum wird der Hintergrund weich aufgelöst. An die Formfindung schließt sich die farbige Gestaltung der konstruktiven Elemente an. Die ausgeklügelte und ausgewogene Farbverteilung führt zu einer Balance in einem integrativen Konzept der Gleichgewichtung von einfachen Formen und Farben.