Archiv für die Kategorie „Ausstellungen“

Ausstellung / Videokunst / Stuttgart: TERESA HUBBARD, ALEXANDER BIRCHLER No Room to Answer – Projections

Montag, 23. März 2009

Die Ausstellung in des württembergischen Kunstvereins Stuttgart läuft noch bis zum  10. Mai 2009.

Vom 28. Februar bis 10. Mai 2009 zeigt der Württembergische Kunstverein die Ausstellung No Room to Answer – Projections des in Austin lebenden schweizerisch-US-amerikanischen Künstlerduos Teresa Hubbard und Alexander Birchler. Die Ausstellung zeigt mit sieben Videoinstallationen zentrale Aspekte des Werks von Hubbard und Birchler auf, das auf unvergleichliche Weise die Erzählformen der Bühne und des Kinos erweitert. Begleitend dazu ist eine Auswahl an Materialien aus den Entstehungsprozessen der verschiedenen Werke zu sehen.

In ihren filmisch wie architektonisch aufwendig produzierten Videoarbeiten bringen Hubbard und Birchler die Übergänge zwischen Bewusstem und Unbewusstem, An- und Abwesenheit, Innerlichkeiten und Äußerlichkeiten ins Spiel. Sie loten Konflikte um Begehren und Verdrängen, Geschlechterpositionen, Erinnern und Vergessen aus. Das Haus beziehungsweise die Behausung als ein instabiler Raum zwischen Heim und Heimsuchung spielt dabei oftmals eine zentrale Rolle.

Mit ihren offenen Erzählungen, die auf komplexe Weise Handlungen und Handlungsräume miteinander verklammern, heben Hubbard und Birchler die raumzeitliche Ordnung aus den Angeln. Schauplätze sind dabei sowohl reale Orte als auch Kulissen, die sich die KünstlerInnen auf der Basis persönlicher Erlebnisse, historischer Recherchen, literarischer oder filmischer Vorlagen aneignen.

Als europäische Premiere zeigt der Württembergische Kunstverein die Videoinstallation Grand Paris Texas, die 2008 entstand. Protagonist der Arbeit ist »The Grand«, ein seit Jahren leer stehendes Kino in Paris, Texas – jener Ortschaft, die Wim Wenders mit seinem gleichnamigen Film von 1984 berühmt machte, obwohl sie darin gar nicht auftaucht. Grand Paris Texas verschränkt verschiedene Erzählungen und Metaerzählungen miteinander: über einen ausgedienten Ort filmischer Illusionen, über eine Kleinstadt und deren Verschränkungen sowohl mit Wim Wenders Film als auch mit der französischen Hauptstadt und über die Techniken und Produktionsweisen des Filmemachens selbst. Hubbard und Birchler greifen in Grand Paris Texas erstmals Formate des Dokumentarischen auf, um sich gleichermaßen realen wie imaginären Räumen und Situationen anzunähern.

Teresa Hubbard, geboren 1965 in Dublin, Irland, und Alexander Birchler, geboren 1962 in Baden, Schweiz, arbeiten seit 1990 zusammen. Ihre Werke wurden auf zahlreichen Biennalen, darunter die Biennale von Venedig (1999), die Busan Biennale (2008) oder Liverpool Biennale (2008) und in Ausstellungshäusern wie dem Hirshhorn Museum and Sculpture Garden in Washington D.C., dem Museum für Gegenwartskunst, Kunstmuseum Basel, dem Hamburger Bahnhof, Museum für Gegenwart, Berlin, der Pinakothek der Moderne in München, dem Whitney Museum in New York, dem Mori Museum in Tokyo oder der Reina Sofia in Madrid gezeigt.

2008 widmete das Modern Art Museum Fort Worth dem Künstlerduo mit der Ausstellung No Room to Answer eine umfassende Einzelausstellung. Der Württembergische Kunstverein fokussiert mit No Room to Answer – Projections eine umfangreiche Auswahl von Videoinstallationen der KünstlerInnen. Eine weitere Station und Variation der Ausstellung zeigt das Aargauer Kunstmuseum im Herbst 2009.

Katalog
Hubbard/Birchler. No Room To Answer
Hrsg.: Andrea Karnes für das Modern Art Museum of Fort Worth und den Württembergischen Kunstverein Stuttgart
Deutsch-Englisch, mit Texten von: Sara Arrhenius, Iris Dressler, Andrea Karnes
Hatje Cantz, 2008, ISBN 978-3-7757-2267-4
Preis: 29,80 Euro / Mitglieder des WKV 25 Euro

Adresse:
Württembergischer Kunstverein Stuttgart
Schlossplatz
70173 Stuttgar
Kontakt:
Fon: +49 (0)711-22 33 70
Fax: +49 (0)711-29 36 17

Ausstellung / Modedesign / Münschen: Maison Martin Margiela 20

Freitag, 20. März 2009

Die Ausstellung im Haus der Kunst läuft noch bis zum 1. Juni 2009.

Nach seinem Studium an der Antwerp Academy und seiner Tätigkeit als Assistent bei Jean-Paul Gaultier gründete Martin Margiela 1988 gemeinsam mit Jenny Meirens die Maison Martin Margiela. Ihr 20-jähriges Bestehen ist Anlass für diese Ausstellung. Die Maison Martin Margiela entwirft Mode, die gegen die Zwänge der Branche rebelliert und sie gleichzeitig kommentiert.

Seit Coco Chanel und Yves Saint Laurent hat kaum ein Modeschöpfer ähnlich starken Einfluss ausgeübt. “Jeder ist beeinflusst von Comme des Garçons und Martin Margiela. Jeder der sich bewusst ist, was es bedeutet, in der heutigen Welt zu leben, ist von ihm beeinflusst”, erklärte Marc Jacobs in “Women’s Wear Daily”.

Inkognito

Das Vorgehen von Maison Martin Margiela (MMM) weicht in vielem stark von dem ab, was in der Modebranche üblich ist. Statt wie andere Modehäuser Personenkult um den Modeschöpfer zu treiben, handelt MMM nach dem Grundsatz des Inkognito: Um die Aufmerksamkeit einzig auf die Produkte zu richten, tritt Martin Margiela bei Defilés nicht öffentlich in Erscheinung und bringt sein Porträt nicht in Umlauf. Interviews gibt MMM per E-Mail oder Fax in der ersten Person Plural. Inkognito zu bleiben ist in einer Branche, wo manche Modeschöpfer auftreten wie Stars, deren persönlicher Auftritt einen fast so starken Kaufanreiz bildet wie ihre Kreationen, ungewöhnlich und kompromisslos. Bei MMM steht nicht der Modeschöpfer im Rampenlicht, sondern sein Produkt.

Normalerweise garantiert das Etikett eines Modehauses die Echtheit des Produkts. Das Etikett von MMM verzichtet jedoch auf ein Label mit Schriftzug oder Logo; es besteht aus einem schlichten weißen Rechteck, mit weißem Faden und vier Stichen an die Innenseite des Kleidungsstücks genäht. Diese Stiche sind von außen sichtbar. In übertragenem Sinn könnte man sagen, dass MMM seine Produkte nicht ’signiert’.

Auch bei Defilés lenkt MMM die Aufmerksamkeit des Betrachters ausschließlich auf das Produkt. Die Präsentationen neuer Kollektionen finden nicht an glamourösen Orten statt, sondern auf der Rasenfläche eines Fußballstadions, in Zugwaggons oder in einer Bar, in der gleichzeitig auch das sonstige Publikum verkehrt.

Das Gesicht berühmter Models wie Kate Moss ist heute eine Art öffentliches Gut, dem kaum noch eine Privatsphäre zugestanden wird. MMM dagegen wahrt und beschützt die dentität der Models - durch künstlich lange Ponys, Strumpfhosenmasken, und in den Katalogen durch schwarze Balken, hinter denen die Augen unsichtbar bleiben. Die Sonnenbrille der Frühjahr/Sommerkollektion 2008 hat die Form eines solchen schwarzen Balkens und heißt bezeichnenderweise “Incognito”. Heute arbeitet MMM mit professionellen Models zusammen. Anfangs jedoch wurden Models durch Street castings gewählt, bei denen statt der allgemeinen Schönheitsnorm Charisma und Persönlichkeit entscheidende Kriterien waren. Überhaupt hat bei MMM nicht das Model den Status einer kone, sondern das Werkzeug des Schneiders: Scheren, Kleiderbügel, Schneiderbüsten, Schuhleisten und -spanner.

Vergänglichkeit und Zerbrechlichkeit

Alter und Verfall werden in der Modebranche in der Regel tabuisiert. MMM dagegen verleugnet die Gebrauchsspuren, die ein Kleidungsstück mit der Zeit bekommt, nicht, sondern lenkt sogar den Blick auf sie. Eine zentrale Rolle spielt hierbei die Farbe Weiß, mit der MMM viele Produkte überzieht. Durch den Gebrauch bricht die weiße Farbschicht allmählich auf und bekommt Risse; die eigentliche Webart, eventuell auch eine andere darunter liegende Farbe kommen zum Vorschein. Erst diese individuellen Spuren machen das Kleidungsstück einzigartig.

Beim Einzug in neue Räume hat MMM das Mobiliar früherer Nutzer übernommen und weiß übermalt. Die Farbe wurde oft mit grobem Pinselstrich aufgetragen und vermittelte den Eindruck, ein bestimmter Moment der Vergangenheit sei eingefroren worden. Weiß ist für MMM ein Mittel, sich Vergänglichkeit zu vergegenwärtigen: “White means the strength of fragility and the fragility of the passage of time.” (MMM 2008)

Auch durch die Verwendung bestimmter Materialien wird das Vergehen von Zeit zum Thema. Gebrauchte Materialien als stumme Zeugen von Vergangenem ermöglichen die Entstehung neuer Produkte: aus wollenen Militärsocken wird ein Pullover, aus Porzellanscherben eine Weste, aus Plastiktüten werden T-Shirts. Als Martin Margiela Ende der 80er-Jahre mit derartigen Kreationen an die Öffentlichkeit ging, war so etwas bei den Catwalks in Paris vollkommen unerhört.

Seit Herbst/Winter 2005-2006 bringt MMM eine Artisanal-Kollektion heraus: Einzelstücke von derselben aufwändigen Herstellung wie in der haute couture. Allerdings erfährt der Begriff Luxus bei der Kollektion von MMM einen Bedeutungswandel. Er meint nämlich nicht den hohen Wert des Materials, sondern die Anzahl der Stunden, die in ein solches Einzelstück investiert wurden. Der niedrige Wert der hierbei verwendeten Second-hand- Materialien steht im Kontrast zu den vielen Stunden Arbeitszeit: Für eine Fuchsstola aus Papierkugeln, die bei Partys wie Konfetti verwendet werden, waren 55 Stunden notwendig, für ein rückenfreies Top aus den Spiegelquadraten einer Discokugel 45 Stunden. Nach Karl Marx ist der Verbraucher dem von ihm hergestellten Produkt entfremdet, wenn der eigentliche Wert, die benötigte Herstellungsdauer, nicht mehr sichtbar ist. Dass MMM die Arbeitszeit ausdrücklich sichtbar macht, stellt mit einem Augenzwinkern in Aussicht, die Marxsche Entfremdung des Verbrauchers vom Produkt könne dadurch aufgehoben werden.

Ebenso sichtbar sind bei MMM die Tricks des Schneiders. Statt die Spuren der Planung und Anfertigung zu verbergen, werden sie sogar betont. Was sich normalerweise an der Innenseite befindet, wird nach außen gekehrt und bildet die Schauseite: Schulterkissen und Futter, Stiche mit weißem Heftfaden, Abnäher, Säume und Steppnähte.

Widerstand gegen den standardisierten Körper

Margiela liebt das Spiel mit der menschlichen Proportion. Die Artikel der Herbst/Winterkollektion 1994-1995 basierten auf Puppenkleidung, wie sie ursprünglich für Ken und Barbie oder GI Joe gefertigt wurde, und die von MMM maßstabgetreu auf menschliche Dimensionen vergrößert worden war. Ausgangspunkt war der standardisierte Körper - denn Spielzeugpuppen gelten als Miniaturversionen des erwachsenen Idealkörpers. Doch durch die maßstabgetreue Vergrößerung wurden etliche Unstimmigkeiten und Fehlproportionen sichtbar. Druckknöpfe und Reißverschlüsse tatsächlich in der für Puppen angemessenen Winzigkeit herzustellen, ist nämlich bei industrieller Fertigung zu aufwändig. Sie sind also bereits für Puppen eigentlich zu groß. Von MMM im Maßstab auf menschliche Dimensionen vergrößert, wirken sie geradezu monströs. Auch auf die letzte handwerkliche Präzision wird bei Puppenkleidung verzichtet, um die Herstellungskosten möglichst niedrig zu halten: Reste von Fäden werden nicht abgeschnitten, Nähte am Kragen oder Rücken bleiben teilweise offen. All dies wirkt, in der Kollektion von MMM zum gewollten Stilmittel geworden, gleichzeitig komisch und beunruhigend.

Es war umgekehrt nur konsequent, wenn MMM 2001 eine Frühjahrskollektion für Damen herausbrachte, die mit Übergrößen arbeitete. Die Kollektion ging auf Herrenbekleidung der italienischen Größen 78 und 80 zurück. Solche extremen Übergrößen verlangen wegen ihres Stoffvolumens vom Träger eine besondere Körperhaltung und langsamere Bewegungen; auf diese Weise erzwingen sie sich zusätzliche Aufmerksamkeit.

Zwischen Müll und Märchen

Weil die Kombination von klassischem Schneiderhandwerk und konzeptuellem Denken so ungewöhnlich ist, werden die Produkte von MMM gelegentlich als Anti-Mode missverstanden - dabei sind sie viel eher ein Kommentar zum Modesystem. Die Gepflogenheiten der haute couture setzt MMM ein, um den Zwängen der Branche humorvoll Widerstand zu leisten. Mit ihrer Einbeziehung von Vergänglichkeit und Zerstörbarkeit bewegen sich die Kreationen von MMM “zwischen Müll und Märchen” (Barbara Vinken) und verweigern sich der Fetischisierung eines idealschönen Körpers. Dass sich die Maison Martin Margiela dabei an die Grenze zum äußerlich Hässlichen wagt, macht ihre Unverwechselbarkeit und ihren Esprit aus.

Die Retrospektive ist in Sektionen gegliedert wie Tabis (Stiefeletten, bei denen der große Zeh eine eigene Sohle hat); Replica (Reproduktionen archetypischer Second-hand- Kleidung aus unterschiedlichen Epochen); Daunenmäntel; “flache”, zweidimensionale Entwürfe; Herrenkollektionen; trompe  l’oeil; Puppenkleidung; Übergrößen; Artisanal; Büros und Läden.

Die Ausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit dem MoMu - Fashion Museum in Antwerpen, wo sie vom 12. September 2008 bis 8. Februar 2009 zu sehen ist. Die Szenografie stammt von Bob Verhelst, einem ehemaligen Mitglied von MMM.

Zur Ausstellung erscheint ein englischsprachiger Katalog, “Maison Martin Margiela 20. The exhibition”, herausgegeben von MoMu - Fashion Museum, Antwerpen 2008; ISBN 9 789 079 269 006, 120 Seiten, mit Beiträgen von Kaat Debo und Barbara Vinken.

Adresse:
haus der kunst
prinzregentenstrasse 1
d 80538 münchen

Kontakt:
t +49 (0)89 21127-113
f +49 (0)89 21127-157
mail@hausderkunst.de

Ausstellung / Filmkunst / Wien: Fahrstuhl zum Schafott - Violette & Miles Davis, Dashiell Hammett, John Huston, Weegee

Dienstag, 17. März 2009

Die Ausstellung i ist vom 20.03.2009 - 03.05.2009 in der Kunsthalle Wien zu sehen.

In den Romanen und Filmen, die dem „Noir“-Genre zugerechnet werden, treibe die Handlung oft auf Schauplätze hinaus, die hinter einer besonderen Grenze in der symbolischen Ordnung liegen, schreibt der Kulturtheoretiker Frederic Jameson. Er spricht von Orten, die das städtische Zeichensystem nicht mehr erfasst und die gewissermaßen einer Gegenwelt angehören, außerhalb von Zeit und Raum, in einer anderen Dimension. In dieser existentiellen „Twilight Zone“, wo Lüge und Wahrheit, Verbrechen und Gerechtigkeit, sexueller Exzess und bürgerliche Moral ausfransen und sich zu neuen gesellschaftlichen Paralleluniversen organisieren, siedelt sich die Ausstellung Fahrstuhl zum Schafott an. Die Kuratoren Banks Violette und Gerald Matt präsentieren die Künstler Banks Violette, Miles Davis, John Huston und Weegee. Es ist der Versuch, den Komplex Noir in seinen Ambivalenzen, Widersprüchen, moralischen Ambiguitäten, aber auch in seinem fatalen Verführungszauber durch die Genres Kunst, Literatur, Film und Musik durchzudeklinieren und in seiner existentiellen Abgründigkeit zwischen Alptraum und Weltverlust auszuloten.
Die Verfilmung des Dashiell Hammett Romans Der Malteser Falke (1930) begründet die amerikanische Schwarze Serie, die das Bild einer Gesellschaft zeichnet, in der desillusionierte Anti-Helden das Gute negieren und den Glauben an das Glück verloren haben. In der Figur des hartgesottenen Privatdetektivs werden sie selbst zu Akteuren des illegalen Milieus und auch wenn Kamera und Belichtung auf ästhetischer Ebene klar umrissene Schwarz-weiß- Szenarien schaffen, so lösen sich die Zuschreibungen von Gut und Böse, Schuld und Unschuld auf und Rollen von Opfer, Täter oder Zeuge changieren. John Hustons filmische Adaption von 1941 machte Humphrey Bogart berühmt und gilt als einer der herausragenden Detektivfilme der klassischen Noir-Periode Hollywoods, der ein ganzes Genre maßgeblich geprägt hat.
Die Musik des Jazzstars Miles Davis zum Neo-Noir-Klassiker Fahrstuhl zum Schafott (1958) von Louis Malle verknüpft die rauen Synkopen der hartgesottenen amerikanischen Detektivfilme aus den dreißiger Jahren mit einem zutiefst europäischen „Cool“, das sich vom Existentialismus und dem Gefühl der Geworfenheit nährt. Wenn die Trompete Jeanne Moreaus verzweifelte nächtliche Suche nach ihrem verschwundenen Geliebten epigrammatisch kommentiert, dann entsteht eine Reibungshitze zwischen Bild und Ton, die, weit über die Handlung des Films hinaus, vom Gemütszustand einer desorientierten Nachkriegsgeneration zwischen Indochina- und Algerien-Krieg spricht. Grauzonen herkömmlicher Moral fand der Fotograf Weegee in New York City. Als Paparazzo und freier Polizeifotograf, der sich selbst den Beinamen „the famous“ gab, war er auf der Jagd nach der sensationellsten Aufnahme meist als erster zur Stelle, wenn irgendwo in Manhattan ein Mord geschehen war. Er hinterließ tausende, zwischen den frühen 1930er und 1950er Jahren entstandene Fotografien von Mördern und Ermordeten, Gangstern und Schaulustigen. „Naked City“ nannte er seinen Schauplatz, in dem eine Typologie des Bösen, eine Ikonografie des Verbrechens angelegt schien. Weegee war dabei nicht nur ein herausragender Dokumentarist seiner Zeit und ihrer Gesellschaft, sondern auch Schöpfer der eigenen Settings. Er manipulierte Motive und Aufnahmen, arrangierte Leichen und übermalte Fotografien.
Der junge New Yorker Künstler Banks Violette greift in seinen skulpturalen und installativen Arbeiten Aspekte der Noir-Tradition auf – das namenlose Grauen, den Amoralismus, den Hang zur Gewalt als Antithese zur bürgerlichen Ausgewogenheit – aber er verschiebt sie ins Milieu schwarzromantischer Jugendkulturen der letzten zwanzig Jahre wie Black Metal oder Neo Goth. Dabei interessiert sich der Künstler für die Ästhetisierung des „Bösen“ als Teil eines zutiefst amerikanischen und bis heute wirksamen kulturellen Phänomens. Mit ihren glänzenden Materialien erscheinen die Arbeiten von Banks Violette wie luxuriöse Objekte der Verführung. „It’s a devils advocate position. … look if you’re finding arson beautiful, if you’re finding death beautiful, then there is some trigger in there”, sagt Banks Violette. Den kontroversiellen Charakter seiner zeitgenössischen künstlerischen Mahnmale charakterisiert er mit der Frage „How do you make a crime beautiful?“ – fast eine Paraphrase auf Weegees Demonstration 1948 am Institute of Design in Chicago „How to photograph a corpse“. Banks Violette kollaboriert mit Metal-Bands wie Darkthrone oder Celtic Frost. Zu seinen Vernissagen performt die Band Sunn O))), deren Leader Stephen O’Malley für einige seiner Arbeiten Soundtracks komponiert hat. Feuer, Metall, Spiegel, Lack und Kunststoffe werden als Spuren vergangener Events ästhetisch produktiv gemacht und wenden konventionelle Kategorien von Schönheit und Moral in ihr Gegenteil.

Kuratoren: Banks Violette und Gerald Matt

Filmprogramm: Die Ausstellung wird von einem Filmprogramm in Kooperation mit dem Topkino begleitet. Gezeigt werden die Filme Fahrstuhl zum Schafott von Louis Malle (1958), The Naked City von Jules Dassin (1948) und The Maltese Falcon von John Huston (1941)

Katalog: Begleitend zur Ausstellung erscheint im Verlag für moderne Kunst Nürnberg ein Katalog mit Texten von Harold Schechter, Gaby Hartel, Norbert Schmitz, Luc Sante, Thomas Mießgang und einem Interview mit Banks Violette von Gerald Matt. Ca. 140 Seiten, ca. 100 s/w und farbige Abbildungen. Hg. Kunsthalle Wien, Gerald Matt.

Pressekonferenz: Donnerstag, 19. März, 10 Uhr
Eröffnung: Donnerstag, 19. März 2009, 19 Uhr

Adresse:
Kunsthalle Wien
Museumsplatz 1
1070 Wien
Kontakt:
Infoline +43-1-52189-33
www.kunsthallewien.at
Täglich 10 - 19 Uhr, Do 10 - 22 Uhr

Ausstellung / Fotokunst / Bonn: Tschechische Fotografie des 20. Jahrhunderts

Dienstag, 17. März 2009

Die Ausstellung in den Kunst- und Ausstellungshallen der Bundesrepublik Deutschland in Bonn läuft noch bis zum 26. Juli 2009.

Ob Surrealismus oder andere Richtungen der Avantgarde-Fotografie, Realismus oder klassische Bildreportage – in allen Richtungen waren und sind tschechische Fotografen führend vertreten. Erstmals in Deutschland präsentiert die Ausstellung die Geschichte der tschechischen Fotografie und visuellen Kunstwerke, die sich auf Fotografie beziehen, in einem historischen Mosaik vom Jahre 1900 bis zur Jahrtausendwende: Vom Piktorialismus über die Avantgarde-Fotografie und die Fotomontagen der 1920er bis1940er Jahre bis zu dem weiten Spektrum zeitgenössischer Trends. Anhand von rund 450 Fotografien, 4 Alben und 2 Videos stellt sie alle wichtigen Tendenzen, Künstler und Werke der tschechischen Fotografie vor.

Natürlich legt die Ausstellung Schwerpunkte auf Schlüsselfiguren der tschechischen Fotografiegeschichte wie František Drtikol, Josef Sudek, Jaroslav Rössler, Jaromír Funke, Jindřich Štyrský, Vilém Reichmann, Emila Medkova, Jindřich Štreit, Viktor Kolář, Antonín Kratochvíl, Josef Koudelka und andere, die den internationalen Rang der tschechischen Fotografie begründeten. Doch darüber hinaus werden auch weniger bekannte Werke hoher Qualität von mehr als 180 anderen Fotografen gezeigt. Aufmerksamkeit wird daneben auf Fotografien gelenkt, die durch den ideologischen Druck während des Zweiten Weltkriegs, der stalinistischen Ära der 1950er Jahre und der kommunistischen „Normalisierungs“-Periode nach der Besetzung der Tschechoslowakei 1968 beeinflusst sind. Somit liefert die Ausstellung ein geschlossenes Bild von der Entwicklung der tschechischen Fotografie im Laufe des 20. Jahrhunderts. In Erinnerung gerufen werden auch die Foto- und Fotomontagearbeiten deutscher Fotografen, die in der Tschechoslowakei zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg lebten oder Asyl fanden.

Das umfangreiche Material, das aus zahlreichen tschechischen und internationalen öffentlichen oder privaten Sammlungen stammt, ist chronologisch in folgenden Kapiteln arrangiert:

1900-1918
1 Piktorialismus (Kat.-Nr.n 1-25)
2 Dokumentar- und Reportagefotografie (Kat.-Nr.n 26-34)
1918-1939
3 Vom Piktorialismus zur modernen Fotografie (Kat.-Nr.n 35-56)
4 Der Poetismus und die Anfänge der abstrakten Fotografie (Kat.-Nr.n 57-77)
5 Die Neue Fotografie: Konstruktivismus, Funktionalismus und Neue Sachlichkeit (Kat.-Nr.n 78-114)
6 Fotojournalismus, Dokumentar- und soziale Fotografie (Kat.-Nr.n 115-137)
7 Imaginative und surrealistische Fotografie und Collage (Kat.-Nr.n 138-166)
8 Deutsche und österreichische Fotografen in den böhmischen Ländern (Kat.-Nr.n 167-174)
1939-1948
9 Dokumentar- und Reportagefotografie (Kat.-Nr.n 175-196)
10 Surrealismus und Kunstfotografie (Kat.-Nr.n 197-217)
1948-1968
11 Dokumentar- und Reportagefotografie (Kat.-Nr.n 218-250)
12 Bildkünstlerische und inszenierte Fotografie (Kat.-Nr.n 251-284)
1969-1989
13 Dokumentar- und Reportagefotografie (Kat.-Nr.n 285-339)
14 Happening, Land Art, Konzeptkunst und Body Art (Kat.-Nr.n 340-349)
15 Bildkünstlerische und inszenierte Fotografie (Kat.-Nr.n 350-386)
1989-2000
16 Dokumentar- und Reportagefotografie (Kat.-Nr.n 387-408)
17 Fotografie und bildende Kunst (Kat.-Nr.n 409-438)

Die Ausstellung wurde in Kooperation mit dem Museum für Angewandte Kunst in Prag vorbereitet.

Adresse:
Kunst- und Ausstellungshalle
der Bundesrepublik Deutschland GmbH
Museumsmeile Bonn
Friedrich-Ebert-Allee 4
53113 Bonn
Postfach 12 05 40
53047 Bonn

Kontakt:
Tel.: +49-(0)228-9171-0
FAX: +49-(0)228-234154

Ausstellung / Grafik / Mannheim: Josef Albers - „Interaction of Color“

Freitag, 13. März 2009

Die Ausstellung in der Kunstahalle Mannheim läuft noch bis zum 31. Mai 2009.

„Nur der Schein trügt“, sagte einmal Josef Albers. Denn es sind vor allem die trügerischen Wahrnehmungen, die den einstigen Bauhaus-Künstler und -Lehrer lebenslang interessierten. Viele seiner Werke basieren auf den Grundlagen optischer Täuschung oder spielen mit der subjektiven Wahrnehmung. Albers gilt als Analytiker der Farbe und Begründer der modernen Farbtheorie.

Kurator Thomas Köllhofer hat für die Kunsthalle 80 Arbeiten der Serigrafie „Interaction of Color“ (Wechselbeziehungen der Farbe) ausgewählt, die 1963 entstanden ist und in Deutschland 1973 veröffentlicht wurde. In dem Mappen-Werk exerziert Josef Albers spielerisch die Wirkungskraft von Farbformen und ihre visuelle Wahrnehmung bis hin zur Täuschung durch. Seine innovative Experimentierfreude wird dabei ebenso anschaulich wie die Relativität der eigenen Wahrnehmung.

Mit Josef Albers präsentiert die Kunsthalle Mannheim im „Bauhaus-Jahr“ einen bedeutenden Künstler dieser berühmten Lehrstätte der Moderne, die 2009 ihr 90-jähriges Jubiläum feiert. Als Lehrer hat Albers wichtige Künstler der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts geprägt, unter ihnen Eva Hesse, Robert Rauschenberg, John Cage, Donald Judd und Richard Serra.

Mit „Interaction of Color“ setzt die Kunsthalle nach „Picassos Welt“ die Folge „Schätze der Graphischen Sammlung“ fort.

Adresse:
Kunsthalle Mannheim
Friedrichsplatz 4
D-68165 Mannheim
Kontakt:
T +49 (0)621 293 64-52/30
kunsthalle@mannheim.de

Ausstellung / Fotokunst / Stuttgart: FRISCHZELLE_10: STEFAN BURGER

Donnerstag, 12. März 2009

7. März – 10. Mai 2009, Kunstmuseum Stuttgart

›Was gehört ins Museum und was muss draußen bleiben?‹ Nicht immer lässt sich diese Frage eindeutig beantworten. Vor allem dann nicht, wenn Stefan Burger seine Finger im Spiel hat. Lustvoll führt der 31-Jährige das Publikum mit seinen um das Verhältnis von Bild, Wirklichkeit, Künstler und Betrachter kreisenden fotografischen Arbeiten aufs Glatteis. Etwa, wenn Schilder mit dem Aufdruck ›Ausstellung‹, bereitgestellt zum Abtransport, das Ende einer Ausstellung andeuten, obwohl sie doch ein zentraler Teil von ihr sind. »Es ist die Bühnensituation, in der ich Tag für Tag agiere«, sagt Burger. Als zehnter Künstler gestaltet er im Untergeschoss des Museums einen Ausstellungsraum. Damit präsentiert das Kunstmuseum Stuttgart in der Reihe »Frischzelle« vom 7. März bis 10. Mai erstmals eine rein fotografische Position.

Eine Gerümpelecke in der Garage, Reste von Teppichrollen oder eine Betonsäule, deren demolierte Schmalseite an eine angebissene Tafel Schokolade erinnert: Stefan Burgers kuriose Anti-Sehnsuchtsmotive entfalten mit slapstickhafter Komik ihre rebellische Kraft, wenn er dem Medium Fotografie und den Bedingungen des Ausstellungsbetriebs auf ganz eigene Art auf den Zahn fühlt. 1977 in Müllheim / Baden geboren, stößt Burger während seines Studiums der Fotografie in Zürich zur »forschungsgruppe_f«, die sich in Aktionen mit der Rolle des Kunstwerks im Spannungsfeld zwischen Künstler und Publikum auseinandersetzt. Daher verwundert es nicht, dass er seine Fotoarbeiten nicht nur als Tafelbilder an die Wand hängt, sondern sie häufig in Objekte, Versuchsanordnungen und Handlungen einbaut.

In seinen neuesten Arbeiten leistet Stefan Burger dem Illusionismus der Fotografie Vorschub, indem er die Fotos in der Art von Fototapeten auf ganze Raumwände ausdehnt. Mit einer solchen ›Bildtapete‹ wird Burger den Ausstellungsraum der »Frischzelle« im Untergeschoss des Museums einkleiden und sein Spiel mit der Illusion von Wirklichkeit und fotografischem Abbild auf dunklem Fond treiben. Statt der Verheißung von romantischer Natur oder urbaner Skyline findet sich der Betrachter einer surrealen Alltagswelt gegenüber, bei der die ›Wirklichkeit‹ der abgebildeten Objekte fragwürdig bleibt. Artefakt und ›objet trouvé‹ sind gleichwertig und verwechselbar und besetzen als instabile, absurde Gesellschaft den musealen Raum. In Originalgröße treten seine ›Protagonisten einer Situation zwischen Transit und Stillstand‹ (Burger) dem Betrachter auf dem abfotografierten und in die Wand verlängerten Museumsparkett gegenüber. Eine wie verblasst wirkende Farbigkeit weckt Gedanken an Tristesse und Verlust. Ein Eindruck, der nicht nur von einer einsam ins diffuse Dunkel hängenden Glühbirne unterstrichen wird. Auch das Konterfei von Dieter Roths in Auflösung begriffenem Gartenzwerg in Schokohülle aus dem benachbarten Ausstellungsraum weckt Assoziationen an Vergänglichkeit. Oft bezeichnen Burgers atmosphärische ›Situationen‹ Umbruch, Wandel und Aufbruch. Einer seiner aktuellen Kommentare fasst gar die ›Totalliquidation‹ des Kunstbetriebs ins Auge. So wird der neue Bildraum bei Stefan Burger zur ›Spiegelung des musealen White Cube‹, bei der sich in einer ›inszenatorischen Ballung der Museumsabstellkammer‹ gerade keine typisch musealen Exponate, sondern vielmehr Requisiten ›aus der entlegenen Ecke‹ (Burger) auf anarchistische Weise den Eintritt ins Museum gleichsam erschlichen haben.

Möglich wurde die Ausstellungsreihe »Frischzelle« durch die Förderung des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens KPMG.

Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Katalogheft, das in Zusammenarbeit mit dem Künstler entstanden ist. Preis: 5,00 €

Adresse :
Kleiner Schlossplatz 1
70173 Stuttgart
Kontakt:
Telefon: +49 (0) 711 – 216 21 88
Fax: +49 (0) 711 – 216 78 20
info@kunstmuseum-stuttgart.de
Öffnungszeiten:
Di, Do bis So: 10 – 18 Uhr
Mi und Fr: 10 – 21 Uhr
Mo: Geschlossen
Feiertagsregelung:
Karfreitag, Heilig Abend und 1. Weihnachtsfeiertag, Silvester und Neujahr: geschlossen.
An allen übrigen Feiertagen ist das Museum von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Dies gilt auch für Ostermontag und Pfingstmontag.

Ausstellung / Fotokunst / Berlin: Picturing America: Fotorealismus der 70er Jahre

Mittwoch, 11. März 2009

Die Ausstellung im Museum Deutsche Guggenheim Berlin läuft noch bis zum 10. Mai 2009.

Ende der 60er Jahre begannen mehrere junge Künstler in den USA damit, nach Fotografien realistische Bilder zu malen. Sorgfältig bis ins Detail porträtierten sie Dinge, Menschen und Orte, die das städtische wie auch vorstädtische, zeitgenössische amerikanische Leben bestimmten. Es wurden verschiedene Begriffe zur Definition dieser Kunst benutzt, vornehmlich Hyperrealismus und Fotorealismus.

Im Unterschied zu ihren Zeitgenossen, den Popkünstlern, präsentierten die Fotorealisten ihre in vielen Fällen alltäglichen Themen nicht auf ironische Weise. Sie hielten sich stattdessen mehr oder weniger detailgetreu an die mechanischen Reproduktionen, die ihnen als Ausgangspunkt dienten. Mittels vielfältiger Methoden, fotografische Informationen auf die Leinwand zu übertragen, produzierten sie lebendige Bilder von Motiven wie etwa reflektierende Schaufenster, glänzend polierte Autos, Süßigkeiten oder Familienferien, oft in einem weitaus größeren Maßstab als das Ausgangsmaterial.

Picturing America: Fotorealismus der 70er Jahre, die erste große Fotorealismus-Ausstellung in Deutschland seit fast dreißig Jahren, präsentiert 31 Bilder, viele ikonische Werke jener Periode, von 14 Künstlern: Robert Bechtle, Charles Bell, Tom Blackwell, Chuck Close, Robert Cottingham, Don Eddy, Richard Estes, Audrey Flack, Ralph Goings, Ron Kleeman, Richard McLean, Malcolm Morley, John Salt und Ben Schonzeit. Zugleich tief nostalgisch und unglaublich frisch, bieten die Werke der Ausstellung eine Momentaufnahme dieses wichtigen Kapitels in der Geschichte der Kunst und eines besonderen Augenblicks in der Geschichte Amerikas. Die Ausstellung würdigt das hohe Ansehen, das der amerikanische Fotorealismus im Deutschland der 70er Jahre genoss, indem zahlreiche Werke aus der Sammlung von Peter und Irene Ludwig gezeigt werden, sowie ein Portfolio mit zehn Lithografien, die in Zusammenhang mit der documenta V entstanden sind – dort war eine große Präsentation dieser Kunstbewegung gewidmet.

Aus Anlass der Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog mit einer kunsthistorischen Übersicht von Linda Chase, der führenden Expertin des Fotorealismus, einer Untersuchung der soziokulturellen Landschaft im Amerika der 70er Jahre von David Lubin, Charlotte C. Weber Professor of Art an der Wake Forest University, und einem Essay über die Historiographie des Fotorealismus in Deutschland von der Kuratorin der Guggenheim- Ausstellung, Valerie Hillings.

Adresse:
Deutsche Guggenheim
Unter den Linden 13/15
10117 Berlin
Kontakt:
Fon +49 - (0)30 - 20 20 93-0
Fax +49 - (0)30 - 20 20 93-20
email berlin.guggenheim@db.com

Ausstellung / Malerei / Luzern: Giacomo Santiago Rogado. first second patience

Mittwoch, 11. März 2009

Die Ausstellung im Kunstmuseum Luzern läuft noch bis14. Juni 2009.

Das Kunstmuseum Luzern zeigt vom 6. März bis 14. Juni 2009 die Ausstellung first second patience des Manor Kunstpreisträgers Giacomo Santiago Rogado.
Alle zwei Jahre wird der 1982 von Philippe Nordmann in Luzern begründete Kunstförderpreis in elf Schweizer Regionen an junge, aufstrebende, regionale Künstler vergeben. Aufgrund der namhaften Repräsentation der bisherigen Preisträger behauptet sich der Manor Kunstpreis als einer der wichtigsten privaten Kunstförderungsinstrumente der Schweiz, der vielen Künstlern bereits zu internationalem Durchbruch verholfen hat. Nebst einem Geldbetrag von 15′000 Franken ist der Preis mit einer Ausstellung in einem lokalen Kunstmuseum sowie einem begleitenden Katalog verbunden.

Als Austragungsinstitution konnte das Kunstmuseum Luzern die Kandidatensuche des Manor Kunstpreises 2009 erstmals auf die gesamte Zentralschweiz ausdehnen. Die paritätisch zusammengesetzte Jury entschied sich für die Auszeichnung des 1979 in Luzern geborenen, heute in Kriens wohnhaften Giacomo Santiago Rogado. Mit seiner Diplomierung 2005 schloss der Maler seine künstlerische Ausbildung an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Luzern ab. Bereits 2007 wurde sein Werk mit dem Eidgenössischen Kunstpreis ausgezeichnet. Seither ist sein Schaffen von einer schöpferischen Kontinuität bestimmt, die sich in einem umfangreichen Gesamtwerk darbietet. Dieses stösst auf eine wachsende Aufmerksamkeit, die sich in einer sowohl nationalen als auch internationalen Ausstellungstätigkeit äussert.

Mit first second patience präsentiert Rogado seine zwei neuesten Werkgruppen, die er eigens für die mit dem Manor Kunstpreis verbundene Ausstellung im Kunstmuseum Luzern geschaffen hat. Die grossformatig angelegten fünfteiligen Werkgruppen Tactile und Patience dominieren mit ihrer streng geometrischen Konstruktion, rhythmischen Präzision und nahezu mathematisch abgestimmten Farbpaletten die zwei Ausstellungssäle und bilden ein geschlossenes Ensemble.

Die mit Patience betitelte Bildfolge präsentiert die programmatische Entfaltung eines metaphorisch ‚schwarzes Lochs’, welches sich progressiv ausweitet und schliesslich im Himmelsmotiv Affinity ausklingt. Ein dynamisches Zusammenspiel von Farbklängen und Geometrien stellt Rogado mit der Bildfolge Tactile her. Lineare Abgrenzungen von differenziert gewählten Farbtönen ergeben bunte Farbmosaike von strenger Regelmässigkeit, die eine Vielfalt von räumlichen Tiefenwirkungen und optischen Täuschungen erzeugen.

Rogado komponiert in dieser Ausstellung nicht nur geometrische Farbvariationen, die mit der Wahrnehmung spielen, sondern vereinigt diese mit dem vermeintlich Gegensätzlichen: Sein abstraktes Werk setzt er spielerisch der figurativen Malerei gegenüber. So lächelt Lucia, eine filigrane retroästhetische Schönheit, von der Wand auf die abstrakten Kompositionen der ‚schwarzen Löcher’ und fordert bei ihrer Betrachtung etwas mehr Geduld – first, second, patience.

Ausstellungskatalog:
Der monografische Katalog zeigt einen umfassenden Einblick in eine magische Welt von strengen Geometrien, grotesker Zeichnung sowie traditioneller und experimenteller Malerei - allesamt faszinierende Möglichkeiten, sich Grenzen anzunähern, um sie dann aufzulösen.
Giacomo Santiago Rogado first, second, patience, mit Texten von Konrad Bitterli, Magdalena Kröner und Ursula Pia Jauch, deutsch/englisch, Bielefeld: Kerber Verlag, 2009, 132 Seiten, mit zahlreichen Farbabbildungen, ISBN 978-3-86678-246-4, CHF 48.-

Edition:
Metapatience 2009, Öl auf Leinwand, 40 x 35 cm, 10 Exemplare + 3 AP. CHF 600.-

Sonntag, 22. März, 11 Uhr
„Mit den Augen der Kuratorin” - Rundgang durch die Ausstellung mit Katja Lenz.

Dienstag, 7. April, 18 Uhr
Rogado, ein Künstler zwischen Neo-Romantik und Op-Art? Peter Fischer im Gespräch mit der Philosophin Prof. Ursula Pia Jauch

Adresse:
Kunstmuseum Luzern
Museum of Art Lucerne
Europaplatz 1 (KKL Level K)
CH-6002 Luzern
Tel. +41 (0) 41 226 78 00
Fax +41 (0) 41 226 78 01
info@kunstmuseumluzern.ch

Ausstellung / Grafik / Linz: Michaela Melián - Speicher

Dienstag, 10. März 2009

Die Ausstellung im Lentos Kunstmuseum Linz läuft noch bis zum 02.06.2009.

Michaela Melián ist bildende Künstlerin und Musikerin. Sie drückt sich in unterschiedlichen Medien aus, in Installationen, Objekten, Zeichnungen und Musik. Meliáns Interesse gilt der Politik von Erinnerung und dem Weiterwirken zeitgeschichtlicher Phänomene. Die installativen Arbeiten inszenieren ein komplexes Verweissystem vielschichtiger Erinnerungsfelder.

Im Zentrum der Ausstellung im Lentos steht die neue Arbeit SPEICHER. Thematischer und formaler Ausgangspunkt für SPEICHER ist VariaVision – Unendliche Fahrt, eine 1965 realisierte, heute verschollene intermediale Arbeit von Alexander Kluge (Texte), Edgar Reitz (Filme) und Josef Anton Riedl (Musik) zum Thema des Reisens. VariaVision bot als Rauminstallation mit gleichzeitigem Vorführen und Wiedergeben von Filmen, mehrkanaliger Musik und Sprache eine neue und andere Wahrnehmung von Musik, Film und Text. Reitz und Kluge unterrichteten an der Hochschule für Gestaltung Ulm (HfG), die in der kurzen Zeit ihres Bestehens zwischen 1953 und 1968 maßgeblich die deutsche und internationale Design-, Kunst- und Mediengeschichte geprägt hat.

In der Hochschule stand ab 1963 eines der ersten elektronischen Studios in Westdeutschland, das 1959 in München gegründete Siemens-Studio für elektronische Musik. Das Studio mit seinen neuen, rein elektronisch erzeugten Klängen wurde sehr erfolgreich von internationalen Komponisten und Musikproduzenten genutzt. Heute ist es im Deutschen Museum München ausgestellt.

Für SPEICHER bringt Michaela Melián das Studio im Deutschen Museum München noch einmal zum Klingen. Diese Klänge, Töne, Geräusche werden aufgezeichnet und bilden die Basis für eine neue Komposition. In sie eingebettet ertönt eine vielstimmige Collage, ein Textkonvolut zum Thema Reisen und Bewegung. In SPEICHER wird nicht linear erzählt, sondern Themen, Geschichten und Zeitebenen verschränken sich in tönenden Schleifen und Spiralen mit dem Heute.

Mit SPEICHER realisiert Melián eine Raumsituation, die die Konzeption von VariaVision mittels Projektionen und Wandzeichnungen, Stimme und Musik aufgreift. Die BesucherInnen erleben sich dynamisch als Teil dieser Installation.

Die Installation SPEICHER wird ergänzt durch die Arbeit RÜCKSPIEGEL, eine fünfteilige Videoinstallation, für die Melián die seinerzeitigen Protagonisten aus dem Produktionsumfeld von VariaVision interviewt hat. In den, von Schauspielern wiedergegebenen, Interviewpassagen wird die historische, mittlerweile obsolete Verbindung zwischen künstlerischer Moderne, Technikeuphorie und gesellschaftsverändernden Motivationen reflektiert.
Ein spezifisch für den Ausstellungsraum angefertigtes großformatiges WANDBILD sowie einige – in Meliáns Werk typische – mit der Nähmaschine hergestellte Zeichnungen und andere Arbeiten auf Papier ergänzen die Präsentation.

In Kooperation mit dem Ulmer Museum und der Cubitt Gallery, London.
Zu den Ausstellungen ist im Koenig Books Verlag, London ein zweisprachiger Katalog mit zahlreichen Farbabbildungen und Textbeiträgen von Jan Verwoert, Brigitte Reinhardt, Stella Rollig und Bart van der Heide erschienen.

Öffnungszeiten tägl. 10-18 Uhr; Do 10-21 Uhr
Eintritt € 6,50, ermäßigt € 4,50

Führungen So, 29. März, 16 Uhr; Do, 23. April, 19 Uhr; Do, 28. Mai, 19 Uhr
Ausstellungsgespräch mit Direktorin Stella Rollig: Do, 12. März, 19 Uhr

Pressekonferenz 4. März 2009, 10 Uhr
GesprächspartnerInnen bei der Pressekonferenz:
Stella Rollig, Direktorin des Lentos Kunstmuseum Linz
Michaela Melián, Künstlerin

Adresse:
Lentos Kunstmuseum Linz
Ernst-Koref-Promenade 1
4020 Linz
Kontakt:
Tel.: +43(0)732/7070/3600 bzw. 3614
Fax: +43(0)732/7070/3604
info@lentos.at

Ausstellung / Malerei / Salzburg: Nancy Spero - Woman as Protagonist

Dienstag, 10. März 2009

Die Ausstellung im Museum der Moderne (Mönchsberg) in Salzburg läuft noch bis zum 14.6.2009.

Der Herbert-Boeckl-Preis für Internationale Malerei wird vom Verein der Freunde und Förderer des Museum der Moderne Salzburg als Anerkennungspreis an eine renommierte Persönlichkeit der internationalen Kunstszene vergeben. Mit einer Dotierung von €20.000 ist er einer der höchsten privat finanzierten Kunstpreise Österreichs. Mit der Nominierung der amerikanischen Künstlerin Nancy Spero (*1926, Cleveland, USA) wird nach Pierre Alechinsky (1988), Emil Schumacher (1990), Matta (1992), Antoni Tàpies (1994), Cy Twombly (1996), Corneille (1999), Per Kirkeby (2003) und Zdenek Sykora (2005) erstmals eine Frau für ihr Lebenswerk geehrt.

«What I am doing is that I am trying to rewrite the imaging of women through historical time.»
Nancy Spero, 1993

Der Ärger über die Unsichtbarkeit ihrer Person und ihres künstlerischen Schaffens, die mangelnde Wahrnehmung und Präsenz von Künstlerinnen im internationalen, insbesondere im US-amerikanischen Kunstbetrieb und ein immenses politisches Engagement waren und sind die Triebfedern im Schaffen Nancy Speros.
Lange Jahre stand die Absolventin der School of the Art Institute of Chicago im Schatten ihres Mannes, des Malers Leon Golub (1922-2004). In den Jahren nach 1952 entstanden die so genannten Black Paintings – Malereien, die eine nach innen gekehrte, existentielle Expression darstellen und vornehmlich in den Nachtstunden entstanden, in denen sie sich frei von den Pflichten als Mutter und Ehefrau fühlte.
Durch die Übersiedlung der Familie nach New York 1964 wurde Nancy Spero mit dem Vietnamkrieg und dem Civil Rights Movement konfrontiert, die in ihrem Werk eine Zäsur hervorriefen und zur Entstehung zahlreicher Arbeiten auf Papier unter dem Titel War Series beitrugen. Sie sind symbolträchtiges Sinnbild für die Zerstörungskraft des Krieges, die Kollision von Macht und Sexualität sowie für die Rolle des Mannes als Aggressor und Zerstörer und der Frau als „Ernährerin“ des Krieges durch ihre Entsendung der Männer, Geliebten und Söhne. Bewusst setzt Spero in diesen Werken schockierende, sexuell-aggressive Bilder ein. Den Grund, warum ihre Arbeiten nur in wenigen Antikriegsausstellungen inkludiert wurden, sieht Spero im vorherrschenden Minimalismus und der Pop Art, die für politische Kunst keinen Raum zuließen.
In den späten 1960er Jahren begann sich Nancy Spero auch künstlerisch mit der Rolle der Frau in der Gesellschaft und in der Kunstwelt im Speziellen auseinander zu setzen und wurde als eine der ersten Aktivistinnen für die eine Generation jüngeren Mitstreiterinnen zu einem Vorbild. Sie war Mitglied wichtiger Vereinigungen wie Art Workers Coalition (1968-69), Women Artists in Revolution (1969) und 1971 ein Gründungsmitglied der ersten genossenschaftlichen Galerie für Frauen A.I.R. (Artists in Revolution) in SoHo. Ihre künstlerische Sprache, die sie bis heute weiterentwickelt hat, entstand im Zuge der Arbeit an den Artaud Paintings , dem Codex Artaud und Torture of Women in dieser Zeit: die Vereinigung von Text und Bild auf langen, codexartigen Papierrollen anhand von überarbeiteten Collagen und Handdrucken.

In den Schriften Artauds fand sie ihren eigenen Verdruss und Zorn über ihre Unsichtbarkeit wieder und vereinigte Artauds Texte mit ihrer eigenen Bildsprache zwischen Intimität und politisch motivierter Unmittelbarkeit, welche die Frau einerseits als Opfer von Krieg und Diktatur (über ihren Körper) aber auch als Akteurin präsentiert. Beginnend mit Darstellungen aus prähistorischer Zeit, der Zeit der Ägypter, Etrusker, über griechische, kelt ische und römische Göttinnen bis zu zeitgenössischen Bildern von Tänzerinnen und Sportlerinnen entwickelte sie eine piktografische Enzyklopädie weiblicher Körpergesten, die zum Sprachrohr für ihre politischen und gesellschaftskritischen Themen wurden. Mit den ersten Wandinstallationen der späten 1980er Jahre sprengt Nancy Spero die Grenzen ihres bis dato verwendeten Materials. Die Frau wird „Auslöserin“ und tritt an die Stelle des Mannes als Hauptakteur. Nancy Spero stellt sie auf eine Bühne – und damit auch ihre Rolle in der Geschichte seit der Vorzeit – und ermöglicht es ihr, sich von ihrem Körper zu befreien und sich frei zu bewegen.
Seit ihrer ersten retrospektiven Ausstellungen in den USA und Großbritannien 1987 zählt Nancy Spero zu den einflussreichsten KünstlerInnen der Gegenwartskunst: präzise und konfrontierend, stark und nonchalant zugleich.

Zu Ehren Nancy Spero’s und der wichtigen Rolle ihrer Arbeit für die Wahrnehmung von Frauen und Künstlerinnen im Speziellen gibt der Verein der Freunde und Förderer des MdM Salzburg eine Festschrift (€20,-) heraus, welche die Ausstellung im MdM Mönchsberg begleitet.

Kuratorin: Tina Teufel

Adresse:
MdM Salzburg,
Mönchsberg 32,
5020 Salzburg
Kontakt:
t +43.(0)662.84 22 20 - 601
f + 43.(0)662.84 22 20 - 701