Archiv für die Kategorie „Internationale Kunstausstellungen“

Ausstellung / Wien: Gerhard Richter. Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen

Sonntag, 15. Februar 2009

Die Ausstellung in den Jean and Donald Kahn Galleries for Contemporary Art läuft noch bis zum 03.05.2009

Gerhard Richter, Abstraktes Bild No 611-1, 1986, Albertina, Wien - Sammlung Batliner

Gerhard Richter zählt zu den bedeutendsten und einflussreichsten Künstlern der Gegenwart. Sein umfangreiches Œuvre reicht von nahezu fotorealistischen Werken bis hin zu abstrakten, farbintensiven Arbeiten.

Die Albertina zeigt vom 30. Januar bis 10. Mai 2009 neben ca. 80 Ölgemälden und ca. 80 Aquarellen auch Zeichnungen des Künstlers und bietet damit dem Besucher sowohl einen Überblick über das malerische Œuvre als auch einen Einblick in das zeichnerische Schaffen Richters. Leihgaben bedeutender Sammlungen sowie Werke, die aus dem Besitz Gerhard Richters selbst stammen, ermöglichen es, die unterschiedlichen Phasen der Entwicklung seines komplexen Schaffens von 1963 bis 2007 anschaulich zu zeigen.

Die Werke stammen unter anderem aus der Sammlung Frieder Burda, der Sammlung Böckmann und der Sammlung Ströher, gezeigt werden aber auch Werke aus einer österreichischen Sammlung, die exklusiv in der Albertina präsentiert werden. Größter Leihgeber der Aquarelle ist das Kunstmuseum Winterthur, weitere Aquarelle und Zeichnungen kommen aus dem Besitz des Künstlers selbst.

Mit der Präsentation der Arbeiten auf Papier widmet sich die Albertina einem Aspekt des Schaffens des Künstlers, der zuletzt vor nahezu einem Jahrzehnt beleuchtet wurde. So ergänzt diese erweiterte Auswahl die Präsentation der vorangegangenen Ausstellungsstationen in Baden-Baden (Museum Frieder Burda) und Edinburgh (National Gallery Edinburgh) sowie die nachfolgende Schau in Duisburg (Museum Küppersmühle).

Ausstellung / Wien: Das Zeitalter Rembrandts

Sonntag, 15. Februar 2009

EIne Ausstellung vom 04.03.2009 – 21.06.2009 in der Albertina (Basteihalle) in Wien.

Rembrandt Harmensz. van Rijn, Selbstbildnis mit Barett, um 1660, Albertina, Wien

Die Ausstellung „Das Zeitalter Rembrandts“ in der Albertina zeigt 150 überragende Werke von rund 60 Künstlern aus dem Albertina-Bestand des niederländischen 17. Jahrhunderts, darunter Hendrick Goltzius, Rembrandt van Rijn, Aert van der Neer, Aelbert Cuyp, Adriaen van Ostade und viele andere. Dabei präsentiert sich Rembrandt in seiner technischen und thematischen Vielseitigkeit sowie in seiner absoluten Sonderstellung als herausragender Kristallisationspunkt. Diese einmalige Auswahl wird von rund 30 kongenialen Ölbildern aus verschiedenen internationalen Sammlungen ergänzt. Thematisch erstreckt sich das Spektrum der Ausstellung von der Landschaft, der Topographie, der Marineszene und der italianisierenden Ansicht bis zum Porträt, zur Genreszene und zum Stillleben.

Pressekonferenz 2. März 2009, 10 Uhr
Eröffnung 2. März 2008, 18.30 Uhr

Adresse:
Albertina
Albertinaplatz 1
1010 Wien
Kontakt:
T +43 (0)1 534 83-0
F +43 (0)1 534 83-430
E info@albertina.at

Ausstellung / Wien: The Porn Identity - Expeditionen in die Dunkelzone

Montag, 9. Februar 2009

Eine Ausstellung vom 13.02.2009 - 01.06.2009 in der Kunsthalle Wien (Halle 2). Eintritt ab 18 Jahren.

Stanley Kubrick, Korova Milkbar, 1971/2007, replica, designed by Liz Moore

Porno, sagt man, ist das, womit und wobei wir uns nicht erwischen lassen wollen. Und doch ist Porno überall. Pornografie erobert den Mainstream und boomt in den Nischen, findet sich im Alltag, im Pop und in der Kunst. Die „Pornetration“ durchflutet die Medien, die in ihrem voyeuristischen Charakter und ihrer Gier nach körperlichen Zeichen von Erregung selbst latent pornographisch agieren – immer auf der Suche nach Tabus, die es auszureizen, zu brechen und zugleich doch zu erhalten gilt.
Im Schatten des trüben Glamours der Porno-Oscars und den objektivierenden, latent gewalttätigen Zugriff auf die (meist weiblichen) Körperöffnungen mobilisieren sich in letzter Zeit „postpornographische“ Gegenbilder zu Sexismus und heteronormativen Nummernrevuen. In den wuchernden Net-, Indie- und Alternative-Porn-Szenen agieren ProduzentInnen, denen es um selbstbestimmte Lüste, störrische Ästhetiken und um eigensinnige Identitätspolitiken geht, während umgekehrt KünstlerInnen Phänomene wie Voyeurismus, Stimulation, Transgression, sexuelle Raumordnungen, Genderkonstruktionen und das Verhältnis von Macht, Blick und Körper untersuchen.

The Porn Identity konfrontiert den Wildwuchs der Pornografie mit Laufbildern, Skulpturen und Installationen, die das sexuelle Begehren reflektieren. Der Transfer der schamlosen Bilder in den kunstinstitutionellen Raum durchbricht nicht nur den pornotypischen Zusammenhang von marktorientierter Veröffentlichung und reprivatisiertem Konsum, sondern stellt durch die einhergehende Verkomplizierung der pornographischen Identität auch die Frage nach Ähnlichkeiten und Unterschieden zwischen Kunst und der visuellen Kultur der Stimulation.
So verzweigt sich der Ausstellungsparcours in einem Bildermischwald, der verschiedenste unterirdische Verbindungen aufweist. Die trickreich dem Laufbild abgetrotzten Körper- und Mimikstudien zum ödipalen, unbewussten Horror im Hollywood-Kino des Avantgardefilmemachers Martin Arnold korrespondieren etwa mit einem Video von Terence Koh über die Maskierung des Gesichts; oder mit dem Verdrängten eines amerikanischen Waschmittelkonzerns, der ausgerechnet die Pornodarstellerin Marilyn Chambers zum Werbe-Model machte. Deren Skandalfilm Behind the Green Door wiederum inspirierte Johannes Wohnseifer zu einer Installation in Form einer grünen Tür, hinter der sich das pornotypische Wechselspiel aus Verheimlichung und Enthüllung, Tabu und Transgression weiter treiben lässt.

Neben der Thematisierung des repressiven Verhältnisses von Macht, Blick und Körper (zum Beispiel durch eine Arbeit John Millers über die Vielheit sexueller Beziehungen, William E. Jones’ neu bearbeiteten Polizeiüberwachungsvideo von 1962 über homosexuellen Toilettensex oder in der lesbisch-feministischen Aneignung des Lolita-Stoffs von Katrina Daschner) steht in einigen konzeptionellen Arbeiten ein bewusst vermittelter Umgang mit der erotischen Aufladung von Materialien und Objekten im Vordergrund. Beispiele dafür sind Tom Burrs schwarze Pferdestall-Skulpturen, die geglättet-minimalistische, „machtlose“ Architektur der Queer Bar von Elmgreen & Dragset oder die beklemmend-feingliedrige Fetischismus-Referenz in der Skulptur Totem von Tatiana Trouvé. Die darin eingelagerte Tendenz zur ästhetischen Abstraktion steht nicht nur im Widerstreit mit dem Wunsch nach einer scheindokumentaristischen, maximalen Sichtbarkeit im handelsüblichen pornographischen Phantasma, sondern auch mit den vielfältigen Fiktionen, die in den mit Punk-, Gothic- und Industrialversatzstücken angereicherten Filmen des Alternative Porn-Filmemachers Eon McKai, den schwarzhumorig grellen Agit-Pornopop-Dramen von Bruce LaBruce, den selbstreflexiven Sadomaso-Szenen von Tobaron Waxman oder den anarchischen Genderverwechslungskomödien mit deftigem Dildoeinsatz von Panik Qulture ausagiert werden. So scheint am Ende, wo der nimmermüde pornographische Wiederholungszwang in Form einer Videoinstallation aus farblich geordneten Pornoszenen vor sich hinruckelt, die allgemein gebräuchliche Definition der Pornografie als Darstellung sexueller Akte zum alleinigen Zweck der Stimulation nicht mehr zu greifen: Es ist nicht immer Kunst, but is it still Porn?

KuratorInnen: Thomas Edlinger, Florian Waldvogel, Angela Stief

KünstlerInnen der Ausstellung: Louisa Achille, Nic Andrews, Joanna Angel, Kenneth Anger, Fernando Arias, Martin Arnold, James Avalon, Belladonna, Andrew Blake, Monica Bonvicini, Bruce LaBruce, Angela Bulloch, Tom Burr, Ellen Cantor, Marilyn Chambers, Brett Corrigan, T. Arthur Cottam, Gerard Damiano, Katrina Daschner, Nathalie Djurberg, Rinse Dream, Marcel Duchamp, Elmgreen & Dragset, Jean Genet, Sachiko Hanai, Marlene Haring, Jenna Jameson, Ron Jeremy, William E. Jones, Richard Kern, Edward & Nancy Kienholz, Terence Koh, Stanley Kubrick, Bruce LaBruce ,Michael Laub & Dean Proctor, Joseph Maida, Dorit Margreiter, Dona Ann McAdams, Eon McKai, Olaf Metzel, John Miller, Jim & Artie Mitchell, Robert Mueller, Panik Qulture, Steve Rocco, Iwata Roku, Doug Sakmann, Carolee Schneemann, Annie Sprinkle, Hito Steyerl, Paul Thomas, Tatiana Trouvé, Tseng Yu-Chin, Tobaron Waxman, Lawrence Weiner, Octavio Winkytiki, Johannes Wohnseifer, Nick Zedd, Jack the Zipper

Ausstellungskatalog: Begleitend zur Ausstellung erscheint im Verlag für moderne Kunst Nürnberg der Reader The Porn Identity. Expeditionen in die Dunkelzone mit werkbezogenen und weiterführenden Texten von Thomas Ballhausen, Thomas Edlinger, Linda Hentschel, Ramón Reichert, Angela Stief, Florian Waldvogel und Katherina Zakrawsky. 216 Seiten, zahlreiche farbige und s/w Abbildungen. ISBN 978-3-941185-10-4, Euro 25,00.

Filmreihe: Das Filmarchiv Austria zeigt im April im Metrokino die Filmreihe „Hauptsache Fleisch. Erotisches und Pornografisches im österreichischen Film“. Kuratoren: Thomas Ballhausen, Thomas Edlinger www.filmarchiv.at

Pressekonferenz: Mittwoch, 11. Februar, 11 Uhr ACHTUNG, geänderter TERMIN!
Eröffnung: Donnerstag, 12. Februar 2009, 19 Uhr

Adresse:
KUNSTHALLE wien
Museumsplatz 1
A-1070 Wien
Kontakt:
Tel. +43-1-52189-0
Fax +43-1-52189-1217
office@kunsthallewien.at

Ausstellung / Zürich: Giacometti, der Ägypter

Freitag, 6. Februar 2009

Eine Ausstellung vom 27.02.2009 - 24.05.2009 im Kunsthaus Zürich.

Vom 27. Februar bis 24. Mai 2009 zeigt das Kunsthaus Zürich Meisterwerke aus dem Ägyptischen Museum Berlin – Büsten von Echnaton und Nofretete, den Würfelhocker des Senemut, den «Grünen Kopf» u.a.m. – zusammen mit Plastiken, Gemälden und Zeichnungen Alberto Giacomettis, dessen Schaffen zutiefst von der altägyptischen Kunst geprägt war. Die Analogien zwischen dem Werk des bedeutendsten Schweizer Künstlers des 20. Jahrhunderts, Alberto Giacometti (1901-1966), und der altägyptischen Kunst werden zum ersten Mal in einer Ausstellung zur Anschauung gebracht. Dafür wechseln wertvolle Leihgaben aus dem Ägyptischen Museum von Berlin ins Kunsthaus Zürich. Für den Besucher wird überraschend nachvollziehbar, wie Giacometti sich am ägyptischen «Stil» orientiert: in der Konzentration auf das Menschenbild, im Verhältnis von Figur und Raum und der künstlerischen Intention, dem Individuum ewige Gegenwart zu verleihen.

EINFÜHLEN DURCH KOPIEREN
Giacometti war noch Schüler, als Berliner Archäologen Anfang des 20. Jahrhunderts die Kunst des Echnaton in Amarna ausgruben. Von der Überlegenheit der ägyptischen Kultur über alle späteren war der angehende Künstler schon damals überzeugt. Die erste Begegnung mit den ägyptischen Originalen ereignete sich 1920 in Florenz. Dort fand Giacometti verwirklicht, was ihm als Ziel seiner Kunst vorschwebte: die Erfassung der Wirklichkeit, die lebendige Präsenz des Menschen in einer Stilform. Eine lebenslange Auseinandersetzung setzte ein. Zurück aus Italien vollendete Alberto seine Ausbildung beim Vater Giovanni mit einem anspruchsvollen, ganzfigurigen Selbstbildnis, in welchem er seine Züge nach dem hager überlängten Gesicht des Echnaton stilisiert. Eine Büste des Pharaos und dieses Gemälde werden in der Ausstellung nebeneinander stehen. In Paris versuchte Giacometti als Schüler Bourdelles lebende Modelle zu erfassen. Er studierte im Louvre ägyptische Originale und kopierte Abbildungen aus Büchern. In den Überlegungen des Surrealisten-Kreises, in dem sich Giacometti damals bewegt, spielten ägyptische Ideen eine Rolle; und als der Vater 1933 stirbt, traten Vorstellungen über Tod und Jenseits in den Vordergrund. Der «Cube », auf den er ein Selbstbildnis eingravierte, kann als Giacomettis Antwort auf die ägyptischen Würfelfiguren gesehen werden, die ihn schon in Florenz faszinierten und die in der Ausstellung mit dem bedeutendsten Exemplar, der Figur des Architekten Senenmut, vertreten sein werden.
Die intensivste Phase der Auseinandersetzung mit altägyptischer Kunst beginnt 1934, als sich Alberto Giacometti als «Schreiber» zeichnet. In einem Dialog von Selbstbildnis-Zeichnungen und kristallinen Kopien ägyptischer Meisterwerke, wie dem «Grünen Kopf», der in Zürich zu sehen sein wird, entwickelt sich sein sogenannter «phänomenologischer Realismus», der Versuch die erscheinende Wirklichkeit im Vorgang des Sehens zu erfassen.

GRUNDLAGEN DES REIFEN STILS
Um 1942 zeichnete er zahlreiche Kopien nach dem Fresko des Gartens des Ipy, mehr als von irgendeinem anderen Kunstwerk. Blickt man auf seine davon offensichtlich inspirierten Gemälde in der Ausstellung, begreift man, dass ihn die rhythmischen Schwingungen der Bäume und Büsche faszinierten, das vibrierende Netz gespannter Linienstrukturen, in dem sich das bewegte Leben, die Wirkkräfte der Natur erfassen liessen.
Giacometti wurde bewusst: der Inbegriff des Lebens ist die Bewegung. Diese Möglichkeit der Bewegung gestaltet die ägyptische Kunst geradezu paradigmatisch in der Stand-Schreit-Figur: sie wird zum Ausgangspunkt für die schreitenden Männer Giacomettis. Die uralte Typologie bietet das Essentielle, das der modernen subjektiven Nervosität der Wahrnehmung Halt gibt. Die Latenz der Bewegung manifestiert sich in den Sockeln und der durch die übergrossen Füsse evozierten Spannung der Figur zu dem hier vorgegebenen Raum. Beruht die Belebtheit der ägyptischen Skulptur auf dem ihr innewohnenden Ka der Seele, so baut sie sich bei Giacometti in dem rastlosen Blick des Wahrnehmenden, zunächst des Künstlers selbst, dann des Betrachters auf.
Die Orientierung an der Typologie der ägyptischen Werke wird wegweisend für die Arbeiten der Nachkriegszeit. In den Büsten der 1950er und 60er Jahre erhöht Giacometti den Kontrast zwischen dem Chaos der unteren Partien und dem sich im Blick manifestierenden Leben dramatisch. Der Rückgriff auf ägyptische Kniefiguren ermöglicht die letzte Steigerung im «Diego assis» und im «Lotar III». Darin bleibt erlebbar, was viele Zeugen der Arbeitsweise Albertos belegen: das immer wieder neue Ansetzen des schöpferischen Prozesses, in dem er sich der Lebendigkeit versicherte und das der Betrachter in der parallelen Bewegung der Wahrnehmung nachvollzieht. Man erinnert sich der ägyptischen Vorstellung, dass der Sonnengott jeden Morgen die Kosmogenie im Aufstieg aus dem Urwasser neu vollzieht und so den Fortgang des Lebens sichert.

DIE PRÄSENTATION IN BERLIN UND ZÜRICH
Noch bis zum 15. Februar 2009 sind im Ägyptischen Museum in Berlin die altägyptischen Werke zusammen mit 12 Plastiken Giacomettis zu sehen. Im Kunsthaus werden umgekehrt 18 ägyptische Skulpturen in präziser Gegenüberstellung mit den zu vergleichenden Werken Albertos und bis zu 80 weiteren Arbeiten des Schweizer Künstlers präsentiert: eine beträchtliche Anzahl meisterhafter Zeichnungen nach ägyptischen Vorlagen, Gemälde und die beiden Bücher, in denen Giacometti die meisten Randzeichnungen anbrachte, Fechheimers «Die Plastik der Ägypter» und Ludwig Curtius’ Band über Ägypten im Handbuch der Kunstwissenschaft. Christian Klemm, Konservator der Alberto Giacometti-Stiftung und der Sammlung am Kunsthaus Zürich, hat die Ausstellung kuratiert. Vertieft wird das Thema in einer Publikation mit Beiträgen von Christian Klemm und dem Kurator in Berlin, Dietrich Wildung. Sie ist im Museumsshop und im Buchhandel erhältlich.

Unterstützt durch die AAM Privatbank, die HANS IMHOLZ-STIFTUNG, die Truus und Gerrit van Riemsdijk Stiftung und die Ars Rhenia Stiftung zur überregionalen Förderung von Kunst und Kultur.

Adresse:
Kunsthaus Zürich
Heimplatz 1
CH–8001 Zürich
Kontakt:
Tel: +41 (0)44 253 84 84
Fax: +41 (0)44 253 84 33
E-Mail: info@kunsthaus.ch

Ausstellung / Bregenz: Markus Schinwald

Freitag, 6. Februar 2009

Eine Ausstellung vom 14.02.2009 - 13.04.2009 im Kunsthaus Bregenz.

Markus Schinwald, Boykott, 2008, Öl auf Leinwand, 94,5 x 79 cm, Privatsammlung, Courtesy Gallery Gió Marconi, Mailand

Tanzende Objekte, objekt- hafte Tänzer, Puppen, Verkleidungen, Fetische, verschlüsselte Handlungen, angesiedelt im Niemands- land von Tanz, Theater, Film, Objekt und Bild – der junge österreichische Künstler Markus Schinwald (*1973 in Salzburg) gibt den Dingen eine Persönlichkeit und verwandelt menschliche Körper in puppenhafte Figuren. Die psychologische Auseinandersetzung mit Raum und Körper, das Unbehagen und die irrationalen Tiefen des individuellen und kollektiven Seins sind Themen seiner Arbeiten. Spielerisch verschmelzen in seinem Werk die verschiedensten Medien – von beklemmenden Filmen zu marionettenhaften Skulpturen, von überarbeiteten historischen Gemälden zu prothetischen Design- und Kleiderentwürfen –, die subtil miteinander choreographiert werden. Mit seinen Filmen und gebauten Räumen erzeugt Markus Schinwald durch Fragmentierung und traumartige Brüche überraschende Lücken im narrativen Grundgerüst seiner Werke, die zu stark ästhetisierten Bildern und verrückten Verschiebungen der Realitätsebenen führen. Mit seiner größten Einzelausstellung in Österreich wird Markus Schinwald mit einer neuen Werkfolge ein surreales Panoptikum unerfüllbarer Wünsche aus Körpern, Objekten, Filmen und gebauten Räumen inszenieren.

Markus Schinwald wird in den oberen drei Stockwerken des Kunsthaus Bregenz jeweils eine Studiosituation wie für die Fernsehproduktion einer Sitcom einrichten. Diese werden jeweils aus einer Publikumstribüne mit übereinander angeordneten Stufenpodesten und Sitzen für ca. 80 Personen bestehen; drei abgehängte Flatscreens, drei Studio- Fernsehkameras und ein Bühnenhintergrund vervollständigen die Szene. In den Tagen vor der Ausstellungseröffnung und innerhalb der ersten Wochen werden nach Schinwalds Regieanweisungen und seinem Drehbuch ca. 20 Minuten lange sitcomartige Szenen mittels dreier Kameras aufgezeichnet, die dann während der Ausstellung über die Flatscreen-Monitore für die Ausstellungsbesucher abgespielt werden. Jedes Stockwerk wird unterschiedlich ausgestattet und von einer anderen ca. fünfköpfigen Protagonistengruppe bespielt. Die Bühnenausstattung, Möblierung, Objekte und Kostüme werden vom Künstler gestaltet. Im ersten Stock kommen auf der guckkastenartigen Bühne, welche großflächig verspiegelt, mit einer begehbaren Trennwand und mit einem doppelten Schrank für Überraschungsauftritte versehen ist, fünf Schauspieler mittels Sprache und Gesten zum Einsatz. Im zweiten Stock wird die Bühnenarchitektur durchlässiger. Begeh- und benutzbare niedere Raumtrennwände sowie eine in zwei Teile zerschnittene Begräbniskutsche aus dem 19. Jahrhundert und fünf Tänzer spielen mittels ihrer Körpersprache die Hauptrolle. Hier wird nicht mehr gesprochen, sondern Musik bildet den Soundtrack. Im dritten Stock verschwindet die Bühnenhintergrundarchitektur fast vollständig und wird durch drehbare Raumelemente ersetzt. Von Markus Schinwald umgebaute Turngeräte – Stufenbarren, Reck, Pferd, Ringe etc. – dienen fünf Turner als Objekte für Spiel- und Bewegung. Sprache und Musik werden nun durch die bei den Aktionen entstehenden Geräusche ersetzt. Die Sitcom (kurz für situational comedy = Situationscomedy, siehe auch: Comedy) ist ein ursprünglich US-amerikanisches Genre im Bereich der Fernsehsendungen und wird meist als Fernsehserie ausgestrahlt. Typisches äußeres Kennzeichen der klassischen Sitcom ist die Aufzeichnung im Studio: Die Darsteller agieren auf einer Guckkasten- Bühne; bei Innenräumen werden die vierte Wand und die Zimmerdecke nie im Bild sichtbar. Für die Handlung folgt daraus eine Beschränkung der Schauplätze auf wenige, stets wiederkehrende Orte. Die Bühnenwirkung wird verstärkt durch das Spiel der Darsteller zur Bühnenrampe und das für das Fernsehpublikum hörbare Gelächter des Studiopublikums, der so genannte “laugh track”, der die Wirkung, einem Live-Ereignis beizuwohnen, verstärkt. Dieses Setting – die Aufzeichnung auf Film vor einem Studiopublikum – behielten vor allem Drei-Kamera-Sitcom- Produktionen bis Mitte/Ende der 1990er Jahre bei. Das Drei-Kameras-Setup: Drei Kameras befinden sich dabei gleichzeitig in einem Graben zwischen Publikum und Bühne. Eine Kamera nimmt das Geschehen in einer Totalen auf, die anderen beiden konzentrieren sich auf die agierenden Figuren. Aus den drei Filmstreifen, die dasselbe Geschehen aus drei unterschiedlichen Perspektiven aufgenommen haben, wird später die Show zusammengeschnitten. Auch diese Technik ist bis heute Standard geblieben. Aufgrund ihrer Ausrichtung auf triviale Situationen des Alltags wurde die Sitcom oft auch „the show about nothing“ genannt. Wegen der häufigen Thematisierung gesellschaftlicher Konventionen und Sitten, neurotischen und obsessiven Verhaltens und der rätselhaften Mechanismen menschlicher Beziehungen könnte die Sitcom als ein Gesellschaftsstück in Serienform kategorisiert werden.

Eröffnung: Freitag, 13. Februar 2009, 20 Uhr

Adresse:
Kunsthaus Bregenz
Karl Tizian Platz
Postfach 371
A-6900 Bregenz
Kontakt:
T +43 5574 48594-0
F +43 5574 48594-408
kub@kunsthaus-bregenz.at

Ausstellung / Wien: Alfons Mucha

Mittwoch, 4. Februar 2009

Eine Ausstellung vom 12.02.2009 - 01.06.2009 in den Ausstellungsräumen des Unteren Belvedere in Wien.

Das Belvedere präsentiert im Frühjahr 2009 die erste große Alfons Mucha-Ausstellung in Österreich. Großformatige Gemälde, Pastelle, Zeichnungen, Fotografien und Interieurs zeugen von der beeindruckenden künstlerischen Bandbreite Muchas (1860–1939), der als Werbegrafiker und Dekormaler bekannt geworden ist. Von ersten illustratorischen Werken über den Pavillon de l’Homme und seine Ausstattung des Pavillons für Bosnien und Herzegowina für die Weltausstellung in Paris 1900 bis zu seinem großen Zyklus Slawisches Epos verfolgte der tschechische Künstler, der sein Handwerk in Wien, Paris und München erlernt hatte, die Übermittlung einer universellen Botschaft: seiner Vision von einer Versöhnung der Nationen und der Religionen.
Im Unteren Belvedere werden in thematisch gegliederten Sektionen etwa 250 Werke aus öffentlichen und privaten Sammlungen zu sehen sein.

Biografie | Fotografie | Frühwerk
Im ersten Raum der Ausstellung wird auf die Biografie und das fotografische sowie das frühe Werk des Künstlers eingegangen, das vor allem durch einen mehrere Jahre andauernden Aufenthalt in Wien geprägt ist. Ab 1877 war Mucha hier als ausgebildeter Kulissenmaler für Theater tätig. 1881 führte ein Großbrand im Ringtheater zu einem neuen Brandschutzgesetz und damit zur Schließung von nahezu sämtlichen Theatern der Stadt - der nunmehr arbeitslose Künstler übersiedelte nach Mähren. Dort entstanden erste Illustrationen für Bücher und Magazine sowie historisierende Gemälde und Aquarelle, darunter ein in der Ausstellung präsentierter Paravent, der Hans Makarts Fünf Sinne zum Vorbild hat.
Ein Mäzen ermöglichte Mucha zwischen 1885 und 1887 ein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München, wo er in der Historienmalerei geschult wurde.

Plakate
Für ein Studium an der Académie Julian übersiedelte Alfons Mucha 1887 nach Paris. Seinen Aufenthalt finanzierte er weiterhin mit der Herstellung von Illustrationen für Bücher und Magazine, darunter auch ein Journal für Theater. 1894 gelang ihm mit seinem Plakat der Schauspielerin Sarah Bernhardt in ihrer Rolle für das Bühnenstück Gismonda der künstlerische Durchbruch. Innerhalb weniger Jahre wurde Mucha zu einem der begehrtesten Plakatmaler des Jugendstils. Der Künstler befreite sein Werk vom historistischen Pathos und kreierte eine eigene, auf Fernwirkung ausgelegte Handschrift, die vor allem in der Form von Gebrauchsgrafik als „Mucha Stil“ in die Kunstgeschichte einging. Dies wird anhand ausgewählter großformatiger Plakate und Vorstudien veranschaulicht.

Le Pater und Ilsée Princesse de Tripoli
Ebenfalls in seiner frühen Pariser Zeit entstanden Muchas wohl bedeutendstes druckgrafisches Illustrationswerk Le Pater, eine Interpretation des Vater Unser in Wort und Bild, sowie die Illustrationen für die Erzählung Ilsée Princesse de Tripoli. In jeweils einem eigenen Raum werden die Entstehung und künstlerische Entwicklung dieser Arbeiten von der ersten Skizze bis zum vollendeten, gedruckten Werk für den Betrachter nachvollziehbar gemacht.

Pastelle
Wie kaum ein anderer Künstler arbeitete Mucha zeitgleich in verschiedenen Genres. Um die Jahrhundertwende entstanden neben kunstgewerblichen Arbeiten auch zahlreiche Serien virtuoser Pastelle und Zeichnungen, mit kurvilinearen Umrissen und verhaltener Farbigkeit visualisierte er oftmals düstere Kapitel der Menschheitsgeschichte oder religiöse Themen. In dem in der Ausstellung präsentierten Werk Vor dem Feuer sitzende Frau etwa wird erkennbar, wie weit sich Mucha in diesen Arbeiten von rein dekorativen Intentionen entfernte.

Weltausstellung Paris 1900 | Pavillon von Bosnien und Herzegowina
Zu den wichtigsten Aufträgen Muchas zählen seine für verschiedene Pavillons geschaffenen Beiträge für die Weltausstellung in Paris im Jahr 1900. Nachdem Muchas Pläne für einen eigenen Pavillon de l‘Homme für unrealisierbar befunden und abgelehnt worden waren - einzelne Entwürfe für dieses Projekt sind in der Ausstellung zu sehen - wurde er 1899 von der österreichischungarischen Regierung mit der Gestaltung des Pavillons von Bosnien und Herzegowina beauftragt, für den er einen monumentalen allegorischen Fries fertigte. Auf mehr als 250 m2 Leinwand malte er die Geschichte der beiden osmanischen Provinzen Bosnien und Herzegowina, die 1878 als Folge des Berliner Kongress unter die Verwaltung Österreich-Ungarns gestellt wurden. Der Großteil dieser Wandbilder blieb erhalten und wird erstmals innerhalb der maßstäblich rekonstruierten Zentralhalle des Pavillons im Belvedere gezeigt.

Boutique Fouquet
Nachdem Mucha bereits im Rahmen der Weltausstellung Schmuck für das Juweliergeschäft Georges Fouquet entworfen hatte, gestaltete er 1901 auch die Ausstattung des Pariser Geschäfts - und schuf damit eine Ikone des Jugendstil-Interieurs. Einzelne der damals gefertigten Schmuckstücke sowie zahlreiche Entwürfe, auch für die Ausstattung des Juweliergeschäftes, werden neben einzigartigen Möbeln zu sehen sein.

Documents décoratifs und Figures décoratives
1902 gab Mucha mit seinem Mappenwerk Documents décoratifs ein außergewöhnliches Ornament- Handbuch für Künstler heraus, drei Jahre später folgte mit Figures décoratives ein weiterer Band, in dem sich Mucha insbesondere mit dem Einsatz des menschlichen Körpers als dekoratives Element beschäftigte. Einzelne Vorlageblätter dieser Werke werden in der Ausstellung gezeigt.

Obecní dum
Nach mehreren Aufenthalten in Amerika und schwindendem Erfolg in Paris zog sich Mucha um 1910 nach Prag zurück. Er erhielt von der Stadt den Auftrag, die Innenausstattung des Primatorensalons (Obecní dum) im Prager Repräsentationshaus zu übernehmen. Das in zahlreichen Entwürfen und Vorstudien in der Ausstellung vorgestellte Werk gilt als letztes großes Kunstwerk des Jugendstils in Prag.

Slawisches Epos
Mit der Unterstützung eines amerikanischen Mäzen schuf Mucha von 1910 bis 1928 eines seiner Hauptwerke: einen Zyklus von 20 monumentalen Gemälden mit Darstellungen zur Geschichte der slawischen Völker. Teile des Slawischen Epos werden mit einer Anzahl von bisher unveröffentlichten Skizzen, Studien und Übertragungszeichnungen im Belvedere zu sehen sein.

Nach Ende des ersten Weltkriegs entwarf Mucha etwa Briefmarken, Banknoten und Orden für den jungen tschechoslowakischen Staat sowie die beeindruckenden Glasfenster des Veitsdom, welche anhand von Skizzen und Reproduktionen in der Ausstellung präsentiert werden.

Die Ausstellung wird von einer Publikation begleitet und entsteht in Kooperation mit der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, München und dem Musée Fabre, Montpellier und wird in leicht abgewandelter Form von Juni bis September 2009 in Montpellier und von September 2009 bis Januar 2010 in München gezeigt.

Exponate: ca. 250 Werke
Kurator: Jean Louis Gaillemin

Ausstellungsort: Unteres Belvedere, Rennweg 6, A-1030 Wien
Öffnungszeiten: täglich 10-18 Uhr, Mittwoch 10-21 Uhr
Pressekonferenz: Mittwoch, 11.02.2009, 10 Uhr, Unteres Belvedere
Eröffnung: Mittwoch, 11.02.2009, 19 Uhr, Unteres Belvedere Belvedere