Archiv für die Kategorie „Kunstszene Berlin“

art forum Berlin - The International Art Show

Montag, 20. Juli 2009

Vom 24. bis 27.09.09 findet die vierzehnte Ausgabe des art forum berlin - die Internationale Kunstmesse statt.

Rund 130 führende Galerien aus den wichtigsten Kunstzentren der Welt präsentieren zu Beginn der Herbstsaison der europäischen Kunstmessen in Berlin ihre Stars und Newcomer.

In diesem Jahr wartet die internationale Kunstmesse mit einigen Neuerungen auf. So wird erstmals im Sektor ‚galleries’, neben den Galerien für zeitgenössische Kunst, eine Anzahl von Galerien zugelassen, die Kunst seit den 60er Jahren präsentieren. Mit dieser Erweiterung des Ausstellungsangebotes - ohne den Hauptfokus auf die zeitgenössische Kunst zu schmälern - wird die internationale Kunstmesse vielfältiger und für die Besucher attraktiver und interessanter.

Der Sektor ‚focus’ erlaubt jungen Galerien, die nicht älter als 5 Jahre sind, einen viel beachteten Auftritt. Weiter initiiert die internationale Kunstmesse den Sektor ‚plein air’ für die Präsentation von Installationen und Skulpturen im attraktiven Sommergarten beim Palais am Funkturm. Die Präsentation von kulturellen Institutionen und internationalen Kunstzeitschriften runden das Ausstellungsprogramm ab. Ergänzend werden Podiumsdiskussionen mit führenden Persönlichkeiten aus der internationalen Kunstwelt veranstaltet.

Während des art forum berlin präsentieren Berlins Museen, Galerien und private Kunstinstitutionen ein vielfältiges Programm hochkarätiger Ausstellungen. So zeigt die Neue Nationalgalerie Bilderträume. Die Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch und Thomas Demand, der Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart die Ausstellung Preis der Nationalgalerie für Junge Kunst 2009: Keren Cytter, Omer Fast, Annette Kelm und Danh Vo.

Ausstellung / Fotokunst / Berlin: Picturing America: Fotorealismus der 70er Jahre

Mittwoch, 11. März 2009

Die Ausstellung im Museum Deutsche Guggenheim Berlin läuft noch bis zum 10. Mai 2009.

Ende der 60er Jahre begannen mehrere junge Künstler in den USA damit, nach Fotografien realistische Bilder zu malen. Sorgfältig bis ins Detail porträtierten sie Dinge, Menschen und Orte, die das städtische wie auch vorstädtische, zeitgenössische amerikanische Leben bestimmten. Es wurden verschiedene Begriffe zur Definition dieser Kunst benutzt, vornehmlich Hyperrealismus und Fotorealismus.

Im Unterschied zu ihren Zeitgenossen, den Popkünstlern, präsentierten die Fotorealisten ihre in vielen Fällen alltäglichen Themen nicht auf ironische Weise. Sie hielten sich stattdessen mehr oder weniger detailgetreu an die mechanischen Reproduktionen, die ihnen als Ausgangspunkt dienten. Mittels vielfältiger Methoden, fotografische Informationen auf die Leinwand zu übertragen, produzierten sie lebendige Bilder von Motiven wie etwa reflektierende Schaufenster, glänzend polierte Autos, Süßigkeiten oder Familienferien, oft in einem weitaus größeren Maßstab als das Ausgangsmaterial.

Picturing America: Fotorealismus der 70er Jahre, die erste große Fotorealismus-Ausstellung in Deutschland seit fast dreißig Jahren, präsentiert 31 Bilder, viele ikonische Werke jener Periode, von 14 Künstlern: Robert Bechtle, Charles Bell, Tom Blackwell, Chuck Close, Robert Cottingham, Don Eddy, Richard Estes, Audrey Flack, Ralph Goings, Ron Kleeman, Richard McLean, Malcolm Morley, John Salt und Ben Schonzeit. Zugleich tief nostalgisch und unglaublich frisch, bieten die Werke der Ausstellung eine Momentaufnahme dieses wichtigen Kapitels in der Geschichte der Kunst und eines besonderen Augenblicks in der Geschichte Amerikas. Die Ausstellung würdigt das hohe Ansehen, das der amerikanische Fotorealismus im Deutschland der 70er Jahre genoss, indem zahlreiche Werke aus der Sammlung von Peter und Irene Ludwig gezeigt werden, sowie ein Portfolio mit zehn Lithografien, die in Zusammenhang mit der documenta V entstanden sind – dort war eine große Präsentation dieser Kunstbewegung gewidmet.

Aus Anlass der Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog mit einer kunsthistorischen Übersicht von Linda Chase, der führenden Expertin des Fotorealismus, einer Untersuchung der soziokulturellen Landschaft im Amerika der 70er Jahre von David Lubin, Charlotte C. Weber Professor of Art an der Wake Forest University, und einem Essay über die Historiographie des Fotorealismus in Deutschland von der Kuratorin der Guggenheim- Ausstellung, Valerie Hillings.

Adresse:
Deutsche Guggenheim
Unter den Linden 13/15
10117 Berlin
Kontakt:
Fon +49 - (0)30 - 20 20 93-0
Fax +49 - (0)30 - 20 20 93-20
email berlin.guggenheim@db.com

Ausstellung / Malerei / Berlin: Schöne neue Welt

Freitag, 6. März 2009

Eine Ausstellung vom 13.03.2009 - 18.04.2009 im Bongout Showroom in Berlin.

Willkommen in der Schönen neuen Welt. Robin Hood? Das war gestern. Heute nehmen die Reichen von den Armen.

Die Bongout Gallery präsentiert lustige, wilde und absurde Geschichten über gefallene Helden und aufsteigende Antihelden.

Laurent Impeduglias bizarre Ölbilder zeigen groteske Stars. Rambo spricht vom Wunder des Lebens. Badman beteuert, dass er nicht bad ist und Glücksbärchen scheint sich gleich von einem Haus zu stürzen.

Superman trägt in Kottie Palomas handgemachten Büchern noch immer seinen hautengen, sssexy Anzug. Aber Dreitagebart, Bierdose und qualmende Kippe lassen ahnen, dieser Held in Strumpfhosen hat sich verändert.

Auch die Animationsfilme der Künstler Stéphane Blanquet, Yann Jouette, Wojtek Skowron und Sabrina Tibourtine handeln von verschrobenen Typen: Ein gramvoller Jäger legt sich eine neue Haut an. Die Leidenschaft eines Fließbandarbeiters entflammt für eine Kopflose. Eine Welt reduziert sich auf Maschinen. Ein Mädchen begibt sich auf die Suche nach sich selbst.

Sie alle erzählen von einsamen Gestalten, außergewöhnlichen Begegnungen und merkwürdigen Lebenssituationen. Genau das, was die Welt gerade braucht: Versager, die ihr alltägliches Leben heldenhaft meistern.

Videoabend

SUPERCASUALLFRAGILISTIC mit Kottie Paloma und 667 Shotwell.

Samstag, den 21. März um 20 Uhr.

Adresse:
Bongout Showroom
10119 Berlin
Torstraße 110
Fon: 030 - 280 93 758

News: Friedlieb Ferdinand Runge–Preis für unkonventionelle Kunstvermittlung 2009 an Peter Weibel

Freitag, 27. Februar 2009

Der Künstler, Kurator und Medientheoretiker Peter Weibel erhält den „Friedlieb Ferdinand Runge-Preis für unkonventionelle Kunstvermittlung“ der Stiftung Preußische Seehandlung.

Der Preis zeichnet Persönlichkeiten aus, die als Künstler oder als Anstifter die Kunst und Kultur im deutschsprachigen Raum auf außergewöhnliche Weise bereichert und geprägt haben. Das Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro soll neue Aufgaben und Werke des Preisträgers möglich machen.

Peter Weibel, 1944 in Odessa geboren, studierte Literatur, Medizin, Logik, Philosophie sowie Filmästhetik in Paris und Wien und promovierte über mathematische Logik. Gastprofessuren führten ihn u.a. nach Halifax und New York, er war künstlerischer Leiter der Ars Electronica, des Landesmuseums in Graz und 2008 der Biennale von Sevilla, Direktor des Instituts für Neue Medien an der Städelschule und Professor für visuelle Mediengestaltung in Wien, außerdem sechs Jahre lang Österreichs Kommissär der Biennale von Venedig. Seit 1999 leitet er das Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe.

Die Entscheidung über die Preisvergabe 2009 geht auf den Preisjuror Ulrich Eckhardt zurück, der seine Wahl u.a. so begründet:
Peter Weibel ist Anstifter und Pionier neuer Erscheinungsformen der bildenden Kunst – im kreativen Sinne ein Querdenker – nicht nur als Theoretiker und Organisator, sondern auch als eigenständiger Künstler. Mit seinen zahllosen Vorträgen und Publikationen zur Theorie und Geschichte der Medien und mit seiner weltweiten Tätigkeit als Kurator vertritt er die interdisziplinäre Erweiterung der Künste und die Integration wissenschaftlicher Arbeit (Technik und Natur) in die Kunstvermittlung. Sein künstlerischer Weg führte ihn von der Wiener Aktionskunst über das amerikanische Expanded Cinema zur Videoinstallation, seine Werkliste umfasst Arbeiten aus den Bereichen Concept Art, Performance, Experimentalfilm, Video und Computerkunst. Seine starke, weit über den deutschsprachigen Raum hinaus reichende Reputation als Künstler wie als Kunstvermittler basiert auf einer universellen Perspektive zu allen Künsten, auf seiner unermüdlichen Präsenz, seiner Lust am Experiment, seiner forschenden Neugier und einer ausgeprägten Fähigkeit zur Animation.

Der Preis wird am 27. Februar 2009 in der Berlinischen Galerie. Landesmuseum für Moderne Kunst, Photographie und Architektur verliehen.

Walter Rasch, Senator a. D.
Vorsitzender des Vorstandes
Stiftung Preußische Seehandlung

News / Malerei: Pia Fries erhält den Fred Thieler Preis für Malerei 2009

Freitag, 27. Februar 2009

Den mit 10.000 Euro dotierten Fred Thieler Preis für Malerei vergibt die Fred-Thieler- Stiftung in der Berlinischen Galerie in diesem Jahr an Pia Fries.

Die Jury – bestehend aus Frank Badur, Karin Sander, Angela Schneider und Trak Wendisch unter dem Vorsitz von Jörn Merkert – ehrt damit eine eigenständige malerische Position, die Pia Fries ausgehend von der konzeptuellen Malerei ihres Düsseldorfer Lehrers Gerhard Richter entwickelt hat. Die ausgebildete Bildhauerin verwendet Farbe als plastisches Material. Ihre Werke – insbesondere die jüngst entstandenen – bewegen sich prononciert auf der Grenze zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit.

Mit dem von dem Maler Fred Thieler gestifteten Preis werden seit 1992 alle zwei Jahre herausragende zeitgenössische Positionen der Malerei ausgezeichnet. Der Preisträger 2007 war Gerwald Rockenschaub.

Pia Fries (Jahrgang 1955) stammt aus der Schweiz und lebt seit 1980 in Düsseldorf. Seit 2007 ist die Gastprofessorin an der Universität der Künste (UDK) Berlin.

Der Fred Thieler Preis für Malerei 2009 wird am 17. März um 19:00 Uhr in der Berlinischen Galerie verliehen. Mit dem Preis ist eine Ausstellung (18.3. – 11.5.2009) verbunden, zu der eine Festschrift mit Laudatio von Stephan Berg, Direktor des Kunstmuseums Bonn, erscheint.

Pressegespräch: 17.03.2009, 11:00 Uhr
Preisverleihung und Eröffnung: 17.03.2009, 19:00 Uhr
Ausstellung: 18. März bis 11. Mai 2009

Adresse:

Berlinische Galerie
Landesmuseum für Moderne
Kunst, Fotografie und Architektur
Stiftung Öffentlichen Rechts
Alte Jakobstraße 124-128
10969 Berlin
Kontakt:
Fon +49 (0) 30 – 789 02 – 600
Fax +49 (0) 30 – 789 02 – 700
www.berlinischegalerie.de

Ausstellung / Fotokunst / Berlin: Erwin Blumenfeld - Dada-Montagen 1916 – 1933

Freitag, 27. Februar 2009

Die Ausstellung in der Berlinischen Galerie läuft noch bis zum 1. Juni 2009.

„In Wahrheit war ich nur Berliner“
Die von Helen Adkins kuratierte Ausstellung widmet sich erstmals umfassend dem Montagewerk Erwin Blumenfelds. Die Auswahl von rund 50 Montagen und 30 Fotografien stammt mehrheitlich aus dem Nachlass des Künstlers in Paris und Cambridge (GB), aus der Sammlung der Berlinischen Galerie und aus Privatbesitz. Die Ausstellung ist thematisch gegliedert: Selbstporträts, Schönheit und Vergänglichkeit, echtes und falsches Heldentum, die politischen Machtverhältnisse in Deutschland, utopische Großstadtvisionen. Zentrale Figuren sind, Charlie Chaplin, der Boxer und erste schwarze Weltmeister im Schwergewicht Jack Johnson, Wilhelm II. und Hitler.
Die Ausstellung basiert auf Helen Adkins Blumenfeld-Monografie von 2008.

Eine universale Persönlichkeit – Erwin Blumenfeld (1897-1969)

Erwin Blumenfeld hat für die Nachwelt sein Selbstbild festgeschrieben: im autobiografischen „Einbildungsroman“ sein bewegtes Leben und im Auswahlband „Meine 100 besten Fotos“ sein fotografisches Werk. Zwischen dem rebellischen Anarchisten und dem berühmten Porträt- und Modefotografen ist jedoch der Dada-Monteur für lange Zeit in einer Grauzone verschwunden. Blumenfeld hat kaum jemals an Ausstellungen teilgenommen, und seine Abwehrhaltung gegenüber dem Kunstbetrieb blieb lebenslang konstant. Die jetzige Entdeckung des frühen Montagewerks und dessen Verknüpfung mit dem umfangreichen Briefwechsel, den literarischen Skizzen und den fotografischen Arbeiten ergeben nun die eindrucksvolle Kontur eines modernen Uomo universale, der Kunst, Wissenschaft und Leben zwanglos miteinander verbunden hat.

Ein bewegtes Leben
Die Jugendjahre des 1897 in Berlin geborenen Erwin Blumenfeld sind dramatisch. Der Tod des Vaters 1913 an Syphilis, der finanzielle und gesellschaftliche Bankrott der Familie, der Verrat seiner gescheiterten Fahnenflucht im Ersten Weltkrieg durch die Mutter und der Verlust des Bruders bei Verdun erschüttern unwiderruflich Blumenfelds Auffassung von der Welt. Bereits 1918 zieht er nach Amsterdam zu seiner zukünftigen Ehefrau, Lena Citroen, der Kusine seines Jugendfreundes Paul Citroen. 1923 eröffnet er dort einen Handtaschen- Laden, dessen Bankrott 1933 mit Hitlers Wahlsieg einhergeht. Blumenfeld, der seit seinem zehnten Lebensjahr mit der Kamera experimentiert, versucht sich nun als Berufsfotograf zu etablieren. 1935 zieht er nach Paris und schafft es, auch durch die Unterstützung des Fotografen Cecil Beaton, in der Modewelt Fuß zu fassen. Nach einer zweijährigen Odyssee durch französische Internierungslager emigriert Blumenfeld 1941 nach New York. Rasch avanciert er zum hoch angesehenen und bestbezahlten Modefotografen. Er gestaltet zahlreiche Titelseiten für die Magazine Harper’s Bazaar, Vogue und Cosmopolitan. 1955 macht er sich in seinem Studio am Central Park selbständig. Er stirbt 1969 in Rom und ist dort begraben.

Berliner Bohème und Dada
Im spätwilhelminischen Berlin bewegt sich der junge Blumenfeld zwischen dem Untergang Preußens und den Verlockungen der Avantgarde. Er ist mit Paul Citroen und Walter Mehring, die als Maler und Dichter Anerkennung finden, eng befreundet. So verkehrt er in Herwarth Waldens Galerie „Der Sturm“ und im „Café Größenwahn“, wo er die Dichterin Else Lasker-Schüler kennen lernt. Mit George Grosz verbindet ihn eine lebenslange Freundschaft.

Die unbekannten Dada-Montagen
Die zwischen 1916 und 1933 entstandenen Montagen haben den widersprüchlichen Charakter intimer Tagebuchaufzeichnungen und populärer Filmexposés. Relikte aus den Bereichen Theater, Kino, Kunst, Literatur werden mit Fragmenten des Alltags durchsetzt. Ihren Dada-Charakter gewinnen die Montagen durch die spöttische bis zynische Grundhaltung eines anarchistischen Individualisten. Von struktureller Bedeutung ist überdies eine durch Meyers Konversationslexikon und Büchmanns „Geflügelte Worte“ geweckte Neugier auf die Welt und die Neigung, diese Welt in Aphorismen und Zitate zu zergliedern. Otto Weiningers Theorien prägen Blumenfelds Montagen ebenso wie Strindbergs Verteufelung des „Weibes“, doch die leidenschaftliche Anbetung des anderen Geschlechts ist unübersehbar. Ein zentraler Wesenszug der Montagen ist ihr großer Ich-Anteil und dessen Leitmotiv – das im gesamten Werk auftretende geteilte Gesicht. Seine Komposition folgt Weiningers These der menschlichen Androgynität, dem Doppelgängermotiv der Romantik und dem Verlangen, die engen Grenzen des eigenen Ich zu sprengen.

Ein einzigartiger Fotokünstler
Technisch geht das manuelle Montageprinzip 1933 in die chemischen Prozesse der fotografischen Entwicklung über. Blumenfelds Montagedenken aber bleibt: Ausschneiden, Übereinanderlegen, Versetzen, Hinzufügen und neu Kombinieren sind auch die Wesenszüge seiner Fotografie. In New York wird Blumenfeld zum gefeierten Starfotografen, der die wesenhafte Ausstrahlung und vergängliche Schönheit seiner Modelle mit der Kamera festhält.

Adresse:

Berlinische Galerie
Landesmuseum für Moderne
Kunst, Fotografie und Architektur
Stiftung Öffentlichen Rechts
Alte Jakobstraße 124-128
10969 Berlin
Kontakt:
Fon +49 (0) 30 – 789 02 – 600
Fax +49 (0) 30 – 789 02 – 700
www.berlinischegalerie.de

Austellung / Berlin: ROTHKO / GIOTTO - Die Berührbarkeit des Bildes

Dienstag, 10. Februar 2009

Die Ausstellung in der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin läuft noch bis zum 03.03.2009.

Diese Ausstellung wird veranstaltet von der Gemäldegalerie, SMB und der Nationalgalerie, SMB in Zusammenarbeit mit dem Kunsthistorischen Institut in Florenz (Max-Planck-Institut), dem Italienischen Kulturinstitut in Berlin und Daimler Contemporary Berlin.

Mark Rothko (1903-1970), Reds no. 5, 1961, Staatliche Museen zu Berlin, Neue Nationalgalerie

Mark Rothkos Leinwand Reds no. 5 ein Werk aus der Sammlung der Neuen Nationalgalerie ist in der Gemäldegalerie zu Gast. Eine Ausstellung, die sich dank der reichen Sammlungsbestände der Staatlichen Museen zu Berlin in wohl einmaliger Weise realisieren lässt, präsentiert das Gemälde Rothkos gemeinsam mit zwei Werken der spätmittelalterlichen Goldgrundmalerei, der Kreuzigung und der Dormitio Virginis des toskanischen Malers Giotto di Bondone. Ziel der Ausstellung ist die Eröffnung neuer Perspektiven auf der Suche nach den künstlerischen Konzepten, die dem Werk Rothkos (1903- 1970), einem Protagonisten der New York School of Painting und Hauptvertreter des abstrakten Expressionismus, zugrunde liegen.

Das Konzept der Ausstellung geht auf Gedanken Mark Rothkos zur Malerei zurück, die dieser in den späten 1930er Jahren unter dem Titel The Artist’s Reality handschriftlich fixierte. In dem postum durch seinen Sohn Christopher Rothko edierten Text setzt sich der Künstler intensiv mit der frühen italienischen Malerei auseinander, die er erst später, anlässlich dreier Europareisen in den Jahren 1950, 1959, 1966 in situ kennenlernen sollte. Während die erste Reise Rothko und seine zweite Frau Mell Beistle nach Venedig, Florenz, Arezzo, Siena und Rom führte, stand am Anfang der zweiten, gegenläufigen Reise (1959) der italienische Süden: Auf Neapel, Pompeji, Paestum, Rom und Tarquinia folgten Venedig und Florenz. In Florenz sah Rothko die Malereien Fra Angelicos im Kloster San Marco. Die Reise erfolgte mit der expliziten Absicht, zur Vorbereitung auf die zum damaligen Zeitpunkt geplanten Gemälde für das von Philip Johnson eingerichtete Restaurant Four Seasons im ersten Stock des Seagram Building Mies van der Rohes in New York die großen Zyklen der italienischen Wandmalerei kennen zu lernen. Die dritte Reise im Jahr 1966 begann in Rom und führte Rothko erstmals nach Spoleto und nach Assisi, zu den monumentalen Wandbildern Cimabues und Giottos. Während seines römischen Aufenthalts lebten er und seine Familie bei der Galeristin Carla Panicali und ihrem Mann Carlo Battaglia. Aus dieser Zeit sind zahlreiche abendliche Diskussionen überliefert, in denen sich die beiden Künstler als Anhänger Piero della Francescas (Battaglia) und Fra Angelicos einen spielerischen Schlagabtausch lieferten1.

Giotto di Bondone (1264-1337), Kreuzigung Christi, ca. 1315, Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie

Mit dem Werk Giottos hatte sich Rothko, der nach einer surrealistischen Phase in den späten 30er und frühen 40er Jahren und der Desillusionierung angesichts der Realität des Zweiten Weltkrieges nach neuen Ausdrucksformen suchte, bereits zuvor, anhand der kunsthistorischen Literatur, auseinandergesetzt, und die beiden für sein eigenes Werk grundlegenden Konzepte „tactiliy“ („Berührbarkeit“) und „space“ (Raum) formuliert. Von besonderer Bedeutung für die aktuelle Ausstellung ist die intellektuelle Nähe der ineinander verschwimmenden monochromen Farbschleier, die auf die Multiforms der späten 1940er und frühen 1950er Jahre folgten, zur Malerei Giottos: Rothko zeigte sich fasziniert von dessen sowohl in den Wandmalereien wie auch in den Tafelbildern zum Ausdruck kommender Fähigkeit, Bildraum und Handlung allein anhand des Kolorits Tiefe und Spannung zu verleihen. Diese Fähigkeit entsprach Rothkos Definition von malerischer Plastizität in besonderer Weise: „In painting, plasticity is achieved by a sensation of a movement both into the canvas and out from the space anterior to the surface of the canvas”. Auf Giotto bezogen heißt dies: “…in the case of Giotto we perceive the feeling of weight and massive movement from the tactility of the form”. Und: “It is Giotto’s color however, that produced the great effect of his tactility”2. In der Tat besitzt Giottos kleinformatige Kreuzigung aufgrund ihrer intensiven Farbgebung Monumentalität und Plastizität. Und auch im Fall des Marientods sind es die changierenden Gewandfarben der Apostel, die in ihrer Staffelung in helle und dunkle Farbflächen dem Gemälde Tiefe verleihen.

Vergleichbare Entsprechungen finden sich auch auf inhaltlicher Ebene. Der Wiedergabe menschlicher Emotionen, denen im Werk Giottos besondere Bedeutung zukommt, stehen auf Seiten Rothkos Tragik, Ekstase und Untergang als immer wiederkehrende Bildthemen gegenüber: „The noble, the sublime are hollowed unless they hold, to the bursting paint a core of the wild. [...] And for the wild (the Dionysian) it represented the cry, the anguish, the ecstasy itself…“.3 Die Farbe stellte für Rothko in diesem Zusammenhang eine kommunikative Notwendigkeit dar, keinen Selbstzweck: „not color, but measures’ were of greatest importance“4. Die Faszination für die „mystische Intensität“ der Werke Fra Angelicos in der Abgeschlossenheit des Klosters San Marco dagegen erklärt sich durch die Auffassung Rothkos bezüglich der Relation zwischen Bild und Betrachter: „I believe that a painting can only communicate directly to a rare individual who happens to be in tune with it and the artist“5.

1 Giovanni Carandente, ,I tre viaggi italiani di Mark Rothko, in: Rothko, hg. v. Oliver Wick, Ausstellungskatalog Rom 2007 / 2008, S. 33-39.
2 Mark Rothko, The Artist’s Reality. Philosophies of Art, hg. v. Christopher Rothko, New Haven-London 2004, S. 47, 52, 59.
3 Oliver Wick, „Do they negate each other, modern and classical?” Mark Rothko und die Sehnsucht nach Tradition, in: Mark Rothko. Retrospektive, hg. v. Hubertus Gaßner u.a., Ausstellungskatalog München / Hamburg 2008, München 2008, Anm. 50, S. 27.
4 John Gage, Rothko: Color as Subject, in: Mark Rothko, Ausstellungskatalog Washington 1998, Washington D.C. 1998, S. 248.
5 Carandente 2007, S. 38. Zitat nach John Fischer, „The Easy Chair: Mark Rothko, Portrait of the Artist as an Angry Man, 1970, in: Mark Rothko, Writings on Art, hg. v. Miguel López- Remiro, New Haven-London 2006, S. 133.

Die Ausstellung versteht sich als Kontrapunkt zur bisherigen kunsthistorischen Diskussion, die das Werk Rothkos in eine Entwicklungslinie mit der deutschen Romantik, dem französischen Impressionismus oder dem Surrealismus stellte. In der Tat beeindruckten die Ausstellungen der Surrealisten in New York (Fantastic Art, Dada and Surrealism, The Metropolitan Museum of Art, 1936/37) und die Werkausstellungen Pierre Bonnards (1946 und 1948) Mark Rothko nachhaltig. Mit dem Roten Studio von Henri Matisse, das er unmittelbar nach dessen Erwerbung 1949 im Museum of Modern Art sah, befaßte er sich nach eigenen Angaben monatelang (Mark Rothko, Hommage a Matisse, 1954, Öl auf Leinwand, The Edward R. Broida Trust). Und doch gilt es weitere Aspekte der Auseinandersetzung dieses vielseitigen, oftmals rätselhaften Künstlers mit der Kunstgeschichte zu berücksichtigen. Zu diesen Aspekten zählen die Kenntnis und die Wertschätzung der spätmittelalterlichen Malerei Italiens, die erst seit der Publikation des Textes The Artist’s Reality in ihrer vollen Tragweite für das Werk Rothkos erfassbar sind. Für diesen neuen Forschungsansatz steht die Ausstellung „Die Berührbarkeit des Bildes“ in paradigmatischer Weise.

Text: Katharina Christa Schüppel

Die Ausstellung wird von Dr. Stefan Weppelmann kuratiert. Sie ist eine Kooperation der Gemäldegalerie mit dem Kunsthistorischen Institut in Florenz (Max-Planck-Institut) und der Sammlung Daimler Contemporary, Berlin. Die Ausstellung eröffnet am 5. Februar 2009 mit dem Studientag „Die Realität des Künstlers / The Artist’s Reality“ in Zusammenarbeit mit dem Kunsthistorischen Institut in Florenz, dem Italienischen Kulturinstitut in Berlin und Daimler Contemporary. Es sprechen Beat Wyss (Karlsruhe), David Anfam (London), Riccardo Venturi (Rom) und Christopher Rothko (New York).

Katalog
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Hirmer Verlag, der jedoch zur Eröffnung erst auszugsweise vorliegt. Die Publikation erforscht Mark Rothkos (1903–1970) faszinierende Beziehungen zur Kunst Giottos (1264–1334) und legt diese in einer facettenreichen Gegenüberstellung von Hauptwerken beider Meister dar. Herausgegeben von Stefan Weppelmann, Gerhard Wolf, ca. 192 Seiten, ca. 80 Abbildungen in Farbe, 1 Klapptafel, 27,5 x 28 cm. Gebunden, ca. € 34,90[D] /€ 35,90[A] /SFr 59,–. ISBN 978-3-7774-8025-1

Eintritt in die Gemäldegalerie: 8,–/4,– €; ab 18 Uhr freier Eintritt.

Adresse:
Staatliche Museen zu Berlin
Genthiner Str. 38
10785 Berlin
Kontakt:
Telefon: 030 / 266 2695, Fax: 030 / 266 2161
E-Mail: akademie@smb.spk-berlin.de

Ausstellung / Berlin: Jan Poppenhagen - Back in Black

Mittwoch, 21. Januar 2009

Eine Ausstellung vom 27.02.2009 - 13.03.2009 in der Galerie Junge Kunst Berlin.

Der Berliner Fotograf Jan Poppenhagen zeigt neue Arbeiten in einer einmaliger Einzelausstellung in der Friedrichstr. 17, dem neuen temporären Ort für Ausstellungsprojekte von Junge Kunst Berlin.
Die Vernissage findet am 27.02.2009 um 19 Uhr statt. Sie und ihre Freunde sind herzlich eingeladen.

Adresse:
Junge Kunst Berlin
Friedrichstr. 17
10969 Berlin
Kontakt:
Fon: 030-34763524

Ausstellung / Berlin: Italians do it 2 - Domino,Taravella,Feo,Baragli,…

Montag, 19. Januar 2009

Eine Ausstellung vom 22.01.2009 - 12.02.2009 in der Infantellina Contemporary Kunst-Galerie der Stein Art GmbH in Berlin.

Infantellina Contemporary ist die erste und einzige berliner Kunst-Galerie die 100% zeitgenössiche italienische Kunst präsentiert. Am Gendarmenmarkt  I-C werden bis zum 12.02.2009 über 400 Kunstwerke (Gemälde und Fotografien) von bekannten italienischen Künstlerinnen ausgestellt. Alle 7 Tagen werden die Kunstwerke gewechselt.

Andresse:
Infantellina Contemporary (Stein Art GmbH)
10117 Berlin
Taubenstrasse 20-22
Kontakt:
Fon: +49(0)30-92210407

Ausstellung / Berlin: Christoph Korn - NON MACHINE SERIES

Freitag, 16. Januar 2009

Eine Ausstellung vom 27.01.09 - 07.02.09 in der Galerie [Dam]Berlin.

Interaktive Installation. In Kooperation mit der transmediale 2009. Eröffnung, Montag 26. Januar 2009, 17-19 Uhr.

Adresse:
Galerie [Dam]Berlin
10117 Berlin
Tucholskystr. 37
Kontakt:
Fon: +49 30 28098135