Archiv für die Kategorie „Kunstszene Hannover“

Ausstellung / Malerei / Hannover: Marc, Macke und Delaunay. Die Schönheit einer zerbrechenden Welt (1910 - 1914)

Mittwoch, 25. März 2009

Die Ausstellung ist vom 29. März 2009 - 19. Juli 2009 im Sprengel Museum in Hannover zu sehen.

Franz Marc, August Macke und Robert Delaunay: In einer einzigartigen Zusammenstellung hochkarätiger Gemälde und Arbeiten auf Papier zeigt die Ausstellung das spannungsvolle Zusammenspiel der drei Künstler aus Deutschland und Frankreich.

Die Ausstellung fokussiert eine kurze, aber intensive Lebensphase dreier Künstler im Vorfeld des Ersten Weltkrieges und zeichnet die verschiedenen Etappen der gegenseitigen künstlerischen Beeinflussung nach. In den vier gemeinsamen Jahren schufen Franz Marc (1880-1916) und August Macke (1887-1914), die im Ersten Weltkrieg ihr Leben ließen, ihre expressionistischen Hauptwerke. Robert Delaunay (1885-1941) skizzierte in dieser Zeit die Grundlinien seines weiteren Schaffens.

Obwohl die persönlichen Beziehungen der drei Künstler unterschiedlich intensiv waren, da sie an wechselnden Orten lebten, Geldnöte die Reisemöglichkeiten beschränkten, Sprachbarrieren bestanden oder auch der Grad der gegenseitigen Sympathie schwankte, blieb das gemeinsame, verbindende Thema ihrer Kunst das Licht, seine Auffächerung und die damit verbundene Steigerung und Entfaltung der Farbenergie. Mit zunehmend differenzierteren, komplementären und simultanen Farbkontrasten erwirkten sie eine Vitalisierung des Bildes und eine Aktivierung des betrachtenden Auges, wobei jeder der drei Künstler trotz großer Sympathie für die Werke des jeweils anderen eine eigene Haltung und Handschrift entwickelte.

Robert Delaunay war für Franz Marc und August Macke der zentrale Impulsgeber. Dabei begegneten sich die drei Künstler erstaunlicherweise nur zweimal persönlich. Das erste Mal in Paris, wo Marc und Macke den Künstlerkollegen in seinem Atelier am 2. Oktober 1912 aufsuchten. Dort stellte ihnen Delaunay die “Fenêtres”, die Fensterbilder, vor, in denen er sich mit dem Phänomen farbiger Facettierungen (Orphismus) beschäftigte. Am Motiv der lichtbrechenden Fensterscheiben erprobte er die Spannung und Entspannung dissonanter und konsonanter, komplementärer und nichtkomplementärer Farben. Marc und Macke waren von den Zersplitterungsformen so begeistert, dass sie diese nach ihrer Rückkehr nach Deutschland sogleich in allen neu entstandenen Werken erprobten.

Die zweite und letzte Begegnung der drei Künstler fand am 20. September 1913 in Berlin anlässlich der Eröffnung des “Ersten Deutschen Herbstsalons” in der Galerie “Der Sturm” statt. In der Ausstellung war Delaunay mit 21 Werken vertreten, darunter 13 “Formes Circulaires”, Arbeiten, in denen in geometrisch-flächigen Strukturen Farbkreise angeordnet waren. Diese komplett abstrakten Kreisformationen waren Aufsehen erregend und inspirierten Marc und Macke ebenfalls zu neuen auf Kreisen basierenden Kompositionsformen.

Der Austausch der drei Protagonisten hätte kaum entstehen und auf solch produktive Weise verlaufen können ohne die Mitwirkung von zahlreichen Freunden, Bekannten, Kritikern und Sammlern - Mediatoren, die zwischen den Kunstrichtungen, aber auch den Nationen und Sprachen vermittelten. Zu nennen ist vor allem Sonia Delaunay, die durch ihre Herkunft die Sprach- und Kulturgrenze überwand, selbst vielfältige Kontakte pflegte und eine anerkannte Künstlerin war. Aber auch Paul Klee, Wassily Kandinsky und die Mitglieder des Blauen Reiters und Sammlerpersönlichkeiten wie Bernhard Koehler. Diesen Vermittlern des Austauschs wird ein Teil der Ausstellung gewidmet sein, aber auch ausgewählten Vorläufern und Vorbildern wie Umberto Boccioni. Flankiert werden diese ausgesuchten Einzelwerke von richtungweisenden Frühwerken der drei Protagonisten aus den Jahren zwischen 1905 und 1910.

Die Ausstellung umfasst rund 90 Gemälde und rund 100 Aquarelle und Zeichnungen, ein umfangreicher und reich bebilderter Katalog erscheint im Dumont Verlag.

Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Horst Köhler.

Pressetermin: Donnerstag, 26. März 2009, 11.00 Uhr
Eröffnung: Sonntag, 29. März 2009, 11.15 Uhr
Kuratorin der Ausstellung:
Dr. Susanne Meyer-Büser
Leiterin der Abteilung Malerei und Skulptur am Sprengel Museum Hannover

Adresse:
Sprengel Museum Hannover
Kurt-Schwitters-Platz
30169 Hannover
Kontakt:
T (0511) 168 – 4 38 75
F (0511) 168 – 4 50 93

Ausstellung / Hannover: Fotografie trifft Malerei – Die Sammlung Wilde im Sprengel Museum Hannover

Freitag, 6. Februar 2009

Eine Ausstellung vom 15.02.2009 – 30.08.2009 im Sprengel Museum Hannover.

Florence Henri, (Ohne Titel) Selbstporträt 1938/1984, Silbergelatine Baryt, 36,5 x 27,1 (Darstellung), 38,5 x 28,7 (Blatt), Sammlung Ann und Jürgen Wilde, Sprengel Museum Hannover

Ende der 1960er Jahre entdeckten Ann und Jürgen Wilde ihre Leidenschaft für die Fotografie. Über Jahrzehnte hinweg erwuchsen aus ihrer engagierten, kenntnisreichen und spürsinnigen Tätigkeit, die Anfang der 1970er Jahre in der Kölner Galerie Wilde erstmals öffentlich sichtbar wurde, ein Archiv, eine Stiftung und eine Sammlung, die ca. 1.500 Originalfotografien umfasst. Schwerpunkte bildet die Fotografie der Klassischen Moderne.

Seit 1992 befindet sich die Sammlung als Dauerleihgabe im Sprengel Museum Hannover (bis voraussichtlich Anfang 2010). Vielfältige Ausstellungen von Albert Renger-Patzsch und Karl Blossfeldt sowie Sammlungspräsentationen mit August Sander, Florence Henri, Friedrich Seidenstücker, Duane Michals, David Hockney, Germaine Krull, Aenne Biermann und anderen sind bislang ausgerichtet worden. Seit 2005 werden immer wieder Künstler eingeladen, in der Sammlung Wilde Präsentationen zu entwickeln. Beispiele stellen die 2005 von Heidi Specker geschaffene Arbeit „Bangkok“ dar, die in Korrespondenz zu Fotografien von Germaine Krull aus den 1940er und 1950er Jahren entstand, und die am 25. Januar 2009 endende Ausstellung „Jochen Lempert in der Sammlung Ann und Jürgen Wilde“.

10 Jahre nach der umfangreichen Übersichtsausstellung „Mechanismus und Ausdruck“ entfaltet sich die Sammlung Wilde nun in die Untere Sammlung des Sprengel Museum Hannover hinein. Es begegnen sich Fernand Léger und Germaine Krull, Max Ernst und Man Ray, Umberto Boccioni und Albert Renger-Patzsch, Hans Arp und Aenne Biermann und viele andere.

Eröffnung der Ausstellung: Sonntag, 15. Februar 2009, 11.15 Uhr

Adresse:
Sprengel Museum Hannover
Kurt-Schwitters-Platz
30169 Hannover
Kontakt:
Telefon: (0511) 168 - 4 38 75
Fax: (0511) 168 - 4 50 93
Sprengel-Museum@Hannover-Stadt.de

Ausstellung / Hannover: China in Transition - George Legrady, Zhang Xiaogang, Yue Minjun… -

Freitag, 16. Januar 2009

Die Ausstellung der Stiftung Ahlers Pro Art / Kestner Pro Art läuft noch bis zum 15.02.2009.

In ihrer neuen Ausstellung zeigt die Stiftung Ahlers Pro Arte-Kestner Pro Arte die Begegnung von zeitgenössischer chinesischer Malerei und westlicher Fotografie. Dabei ist das gemeinsame Thema beider Medien China. Ein China im Übergang, wie der ungarisch-amerikanische Medienkünstler George Legrady seine im Jahre 1985 entstandene Fotoserie betitelte. Sie wird in der Stiftung in der hannoverschen Warmbüchenstrasse zum ersten Mal öffentlich gezeigt und bildet eine Art Echoraum für die Malerei, in der sich - nicht anders als in den Fotowerken Legradys - die Brüche und Verwerfungen der chinesischen Gesellschaft in der Gegenwart abbilden.

Als George Legrady 1985 China bereist, hatte das Land gerade begonnen, sich für den Westen zu öffnen. Die dunklen Jahre der chinesischen „Kulturrevolution“ (1966-76) lagen glücklich hinter ihm, und die so genannte „Viererbande“ war entmachtet. Diese Öffnung ließ sich vorzüglich in der Werbung studieren, die nun wieder in den Straßen der großen Metropolen auftauchte. Eine Werbung, die zu dieser Zeit noch von Hand gemacht war, das heißt von Plakatmalern. Legrady ist fasziniert von diesen Bildern, in denen sich ganz unterschiedliche Malstile spiegeln, die sich zu einer Art Syntax der Bildverfertigung zusammen schließen.

Legrady verbindet die Aufnahmen, die er von den großen Werbetafeln macht, zu Mehrfachbildern. Zu Sequenzen von jeweils vier gleich großen Abbildungen, in denen er im Prinzip das Billboard-Format wiederholt. Die Kriterien der Bildverknüpfung sind unterschiedlich, entweder formal oder inhaltlich. Auf einer Bildtafel sieht man Werbung für Industrieprodukte, auf einer anderen für Spielfilme, auf einer dritten für korrektes soziales und politisches Verhalten. Dann wieder geht es darum, wie auf den Plakaten mit dem Motiv der Hand, des Blickes oder der Drei-Personen-Konstellation für ganz unterschiedliche Zwecke geworben wird.

Die gesellschaftliche Veränderung Chinas ist auch Thema der zeitgenössischen chinesischen Malerei der letzten Jahre. Unter den Künstlern, die in der Stiftung vorgestellt werden, sind prominente Namen wie Fang Lijun, Zhang Xiaogang, Feng Zhengije, Wang Guangyi oder Yue Minjun. Spätestens mit ihrer Vorstellung durch Harald Szeemann auf der Biennale in Venedig 1999 sind einige von ihnen auch in Europa bekannt geworden. Seitdem ist ihre Popularität ungebrochen.

Das mag damit zusammenhängen, dass die chinesischen Künstler in ihrer gegenständlichen Erzählweise beim westlichen Publikum einen „Hunger nach Bildern“ und nach Erzählung befriedigen, wie das die „Jungen Wilden“ in Deutschland Anfang der achtziger Jahre schon einmal taten. Dabei liegt der Reiz der chinesischen Malerei in der soliden handwerklichen Ausbildung ihrer Künstler. Ihre Kompetenz stellt sich aber nicht in den Dienst eines akademisch altbackenen Naturalismus, sondern untergräbt die Wirklichkeit in subversiver Weise. Ein chinesischer Kritiker hat in diesem Zusammenhang von „zynischem Realismus“ gesprochen.

Bedeutender Protagonist dieser Kunst ist Yue Minjun mit seinem lachenden Mann, der als Klon seiner selbst immer wieder in seinen Bildern auftaucht. Er parodiert als Einmannunternehmen die kollektive Gesellschaft ebenso wie den ihr von ihren Machthabern verordneten Optimismus. Subversiver Witz bestimmt auch die Bilder von Fang Lijun, in denen die Welt eine soap opera ist, deren in einen blauen Hoffnungshimmel steigenden Seifenblasen der Mensch dabei hinterher lächelt. Oder die Vermischung aller Werte in der Malerei von Wang Guangyi, der die chinesische Arbeiterklasse vor den Nobelmarken des westlichen Konsumismus paradieren lässt.

Adresse:
Stiftung Ahlers Pro Art / Kestner Pro Art
Warmbüchenstr. 16
30159 Hannover
Kontakt:
Fon: 0511-51 94 97-41 od. -43