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Marc Chagall - Der Maler am Fenster

Mittwoch, 26. November 2008

Marc Chagall, Tisch vor dem Dorf, 1968, Öl auf Leinwand

In Kooperation mit dem Musée national Marc Chagall in Nizza zeigt das Graphikmuseum Pablo Picasso Münster rund einhundert Gemälde, Zeichnungen und Grafiken, die das Fenstermotiv im Œuvre des großen Malers umkreisen. Das Fenster ist bei ihm nicht nur beiläufiges Motiv, sondern zentrales Thema. In der Bildwelt Chagalls, den man zu Recht als den „Erzpoeten“ in der Kunst des 20. Jahrhunderts bezeichnet hat, scheinen die Gesetze der Schwerkraft aufgehoben. In seinen Werken finden sich vielfach Raumschwellen und Begrenzungen, die von seinen Protagonisten scheinbar mühelos durchflogen werden. Chagalls Kunst ist eine Kunst der Überwindung von Grenzen, in der auch das Fenster seine übliche Rolle als Raumschwelle verloren hat.

Die Ausstellung spannt mit ihrer exemplarischen Werkauswahl einen zeitlichen Bogen von nahezu siebzig Schaffensjahren des Künstlers. Leihgaben aus der Tretjakow-Galerie in Moskau, dem Atheneum Taidemuseum in Helsinki sowie dem Centre Georges Pompidou in Paris zeichnen Chagalls künstlerische Metamorphose des Fenstermotivs beispielhaft nach.

Im heimatlichen Witebsk greift Chagall Anfang des letzten Jahrhunderts die Tradition des romantischen Fensterbildes auf. Hier ist das Fenster noch markante Schwelle zwischen bürgerlicher Privatheit und Außenwelt. Seit der Renaissance wurde das Kunstwerk als gemaltes Fenster zur Welt betrachtet. Erst die Moderne sollte mit dieser Konvention brechen und den tiefenräumlichen Illusionismus vergangener Jahrhunderte als historisches Auslaufmodell deklassieren. Vor allem in den fünfziger und sechziger Jahren erhält der zu internationalem Ruhm aufgestiegene und mit Preisen geradezu überhäufte Marc Chagall zunehmend öffentliche Aufträge. Aus dieser Zeit datieren auch maßgeblich seine Entwürfe für Glasfenster prominenter kirchlicher und profaner Gebäude. Mit einer exemplarischen Auswahl von Fensterentwürfen und Skizzen umkreist die Ausstellung auch diesen Aspekt seines Œuvres.

Die Fensterbilder Chagalls illustrieren mustergültig die Sonderstellung des Künstlers, in dessen poetischer Bildwelt Traum und Wirklichkeit, Biografie und Mythos eine unvergleichliche Verbindung eingehen. Zahlreiche Exponate aus Privatbesitz verleihen der Münsteraner Ausstellung museale Einmaligkeit.

Die Ausstellung wurde organisiert von der Réunion des musées nationaux, Paris, dem Musée national Marc Chagall, Nizza, und dem Graphikmuseum Pablo Picasso Münster.

Ausstellungszeitraum:

14. November 2008 bis 4. März 2009

Graphikmuseum Pablo Picasso Münster
Königsstraße 5
48143 Münster
Telefon: 0251/ 4144 7-10
Fax: 0251/ 41447-77
info@graphikmuseum.de

Informationen und Anmeldungen
Telefon: 0251/41447-10

Öffnungszeiten:

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