Die Ausstellung im MAK - Kunstblättersaal in Wien läuft noch bis zum 10.05.2009.
Hans Neumanns Arbeitsweise ist in vielerlei Hinsicht mit den Praktiken einer Werbeagentur im heutigen Sinne zu vergleichen. In seinem Atelier im „Stock im Eisen Platz“ in Wien schuf er ab 1919 Plakate, Inserate, Prospekte, aber auch eine Reihe von Notentitelblättern. Wiedererkennung seiner Werke im Sinne eines Corporate Designs erzielte er durch einen Atelierstempel (ab 1920). Wie kaum ein anderer prägte Neumann (1888–1960) mit seinen Plakaten das Wiener Stadtbild der 1920er und 1930er Jahre.
Mit fast 100 Plakaten besitzt das MAK eine der umfangreichsten Sammlungen dieses Ateliers, dessen Geschichte in der Ausstellung und die Vielfalt der Arbeiten des Studios dokumentiert werden. Zu sehen sind 35 Plakate und 20 Anzeigen. Für den Film Kleider machen Leute von Hans Steinhoff (1921) gestaltete Neumann nicht nur die Zwischentitel, sondern zeichnete für die gesamte Innenausstattung verantwortlich; im Rahmen der MAK-Ausstellung wird nach fast 90 Jahren eine 10-minütige Sequenz des Filmes erstmals wieder gezeigt.
Durch den Aufschwung der österreichischen Filmindustrie in den 1920er Jahren und durch die Entwicklung zur modernen Konsumgesellschaft wurde das Plakat zum Massenkommunikationsmittel. Im Zuge dessen schuf das Atelier Hans Neumann Plakate mit hohem Wiedererkennungswert. Darüber hinaus wurde für Artikel des täglichen Bedarfs, Feste, Redouten, Messen, Ausstellungen etc. geworben. Sukzessive erweiterte das Atelier seine Produktion auf die Gestaltung von Adressen, Buchschmuck, Drucksachen, Geschäftseinrichtungen, Handelsmappen, Illustrationen, Innendekoration, Inserate, Kalender, Karikaturen, Kataloge, Kino-, Licht-, Sport- und Streckenreklame, Kleingraphik, Packungen, Schaufenster, Schilder, Signets sowie Warenzeichen.
Eines der bekanntesten, in der Ausstellung gezeigten Plakate ist jenes für Meinl-Kaffee (1929): Es stellt eine Frau mit Schiern im Schnee dar, die Kaffee aus einer Thermoskanne trinkt. Sie lehnt lässig, sogar lasziv an ihren Schistöcken. Die Ärmel der roten Bluse sind aufgekrempelt, die obersten beiden Knöpfe offen, die schwarze Hose betont die schlanke Taille und den stromlinienförmigen Hüftschwung. Sie genießt sichtlich den Kaffee – und einen flüchtigen Moment der Freiheit und Unabhängigkeit. Diese Frau ist nur scheinbar allein. Sie weiß, dass sie Betrachter und Betrachterin verführt. Neumanns Werke zeigen nicht nur Stereotype der 1920er oder 1930er Jahre – zu sehen ist, was wir seit Jahrzehnten kennen. Diese Frau könnte auch 2009 in einer Hochglanzanzeige zu sehen sein.
Hans Neumann studierte an der Grafischen Lehr- und Versuchsanstalt und an der Akademie der bildenden Künste bei Christian Griepenkerl und sammelte praktische Erfahrungen als Lithograph. Nach ersten Berufserfahrungen in Berlin, dem damals pulsierenden Zentrum der Künste (freiberuflich und beim Reklameverlag Ernst Marx), gründete er in Wien sein Atelier, das zu einem der größten im deutschsprachigen Raum avancierte. Wer sich als Grafiker einen Namen machen wollte, musste bei Neumann gearbeitet haben. Einen beruflichen Höhepunkt bildete der Gewinn eines international ausgeschriebenen Wettbewerbs für die Messe Leipzig 1925. Das Plakat wurde in mehreren Versionen und Sprachen ausgeführt und über Jahre als Standardplakat in Süd- und Südost-Europa verwendet.
Viele Plakate wurden auch international gezeigt, wie etwa Elector Piccolo, worauf ein kleiner Hotelpage mit stolzgeschwellter Brust den beworbenen Staubsauger bedient. Dieses Plakat wurde 1924 in der vom Londoner Verlag The Studio veröffentlichten Publikation Posters & Their Designers, einer Replique der besten internationalen Plakate, publiziert. Neumann konnte mit seinen humoristischen, stilisierten Figurenplakaten selbst im anglikanischen Sprachraum reüssieren.
In den 1930er Jahren entwickelte Neumann aus seinem Naturalismus heraus einen fast fotorealistischen Stil. Zu den Kunden der Agentur zählten u.a. Mercedes-Benz, Persil und Krupnik-Moden.
Im Jahr 1938 musste Hans Neumann vor den Nationalsozialisten fliehen, zuvor veranlasste er noch die Löschung seiner Firma im Handelsregister. Über London wanderte er nach Sydney, Australien, aus, wo er als Hans Newmann wieder als Grafiker Fuß fasste. 1957 kehrte er nach Wien zurück und starb am 19. November 1960.
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