Artikel-Schlagworte: „Design“

Ausstellung / Möbeldesign / München: DEMOCRATIC DESIGN – IKEA

Dienstag, 21. April 2009

Die Ausstellung in der Pinakothek der Moderne läuft noch bis zum 12.07.2009.

»Die schöne Form ist für alle da. Und nicht nur fürs Museum!«
Dieses Zitat aus dem IKEA-Katalog von 1979 steht programmatisch für die Designpolitik jenes Unternehmens aus Südschweden, das seit 1948 vom Einmannbetrieb zum größten Einrichtungskonzern der Welt wurde und die Vorstellung eines »demokratischen Designs« prägte wie kaum ein anderes. Die Neue Sammlung widmet diesem Thema die erste Museumsausstellung.

Design gehört für IKEA zu den zentralen Faktoren bei der Realisierung der Idee, funktionale, gut gestaltete Möbel für möglichst viele Menschen preislich erreichbar zu machen. Dahinter stehen unter anderem Konzepte wie »Schönheit für alle« (Ellen Key 1899), die ihre Wurzeln in Reformbewegungen des 19. Jahrhunderts besitzen, oder das »Schwedische Modell« einer modernen, offenen, familien- und sozialorientierten Gesellschaft.

Ein entscheidender Aspekt dabei ist die Entwicklung einer spezifischen Formensprache und Produktpalette, die verschiedene gestalterische Richtungen verbindet: zum einen die skandinavische Moderne mit ihrer Vorliebe für das Material Holz, naturbelassene Oberflächen und organische Formen, zum anderen internationale Strömungen wie etwa der von Flower Power und »Demokratie von unten« geprägte Stil der Sixites oder die Postmoderne. Dazu kommt das Bekenntnis zur »Swedishness«, das sich gestalterisch in einem Landhausstil manifestiert, der von heimischen Traditionen – man denke an die Aquarelle von Carl Larsson im 19. Jahrhundert – inspiriert ist, aber auch experimentelle Entwürfe junger schwedischer Entwerfer umfasst.

Die Ausstellung zeigt Themenbereiche wie Die Anfänge, IKEA-Prinzip Do-it-yourself, System Billy, Design-Prozess, Material Change, Nachhaltigkeit und Ökologie, Kinder- Land, PS Kollektion u. a.

Eine Ausstellung der Neuen Sammlung – The International Design Museum Munich – in Kooperation mit IKEA.

Adresse:
Pinakothek der Moderne
Kunstareal München
Barer Straße 40
80333 München
Kontakt:
Telefon: ++49(0)89.23805-360
info@pinakothek.de

Ausstellung / Werbegrafik / Wien: Hans Neumann. Pionier der Werbeagenturen

Donnerstag, 5. März 2009

Die Ausstellung im MAK - Kunstblättersaal in Wien läuft noch bis zum 10.05.2009.

Hans Neumanns Arbeitsweise ist in vielerlei Hinsicht mit den Praktiken einer Werbeagentur im heutigen Sinne zu vergleichen. In seinem Atelier im „Stock im Eisen Platz“ in Wien schuf er ab 1919 Plakate, Inserate, Prospekte, aber auch eine Reihe von Notentitelblättern. Wiedererkennung seiner Werke im Sinne eines Corporate Designs erzielte er durch einen Atelierstempel (ab 1920). Wie kaum ein anderer prägte Neumann (1888–1960) mit seinen Plakaten das Wiener Stadtbild der 1920er und 1930er Jahre.

Mit fast 100 Plakaten besitzt das MAK eine der umfangreichsten Sammlungen dieses Ateliers, dessen Geschichte in der Ausstellung und die Vielfalt der Arbeiten des Studios dokumentiert werden. Zu sehen sind 35 Plakate und 20 Anzeigen. Für den Film Kleider machen Leute von Hans Steinhoff (1921) gestaltete Neumann nicht nur die Zwischentitel, sondern zeichnete für die gesamte Innenausstattung verantwortlich; im Rahmen der MAK-Ausstellung wird nach fast 90 Jahren eine 10-minütige Sequenz des Filmes erstmals wieder gezeigt.

Durch den Aufschwung der österreichischen Filmindustrie in den 1920er Jahren und durch die Entwicklung zur modernen Konsumgesellschaft wurde das Plakat zum Massenkommunikationsmittel. Im Zuge dessen schuf das Atelier Hans Neumann Plakate mit hohem Wiedererkennungswert. Darüber hinaus wurde für Artikel des täglichen Bedarfs, Feste, Redouten, Messen, Ausstellungen etc. geworben. Sukzessive erweiterte das Atelier seine Produktion auf die Gestaltung von Adressen, Buchschmuck, Drucksachen, Geschäftseinrichtungen, Handelsmappen, Illustrationen, Innendekoration, Inserate, Kalender, Karikaturen, Kataloge, Kino-, Licht-, Sport- und Streckenreklame, Kleingraphik, Packungen, Schaufenster, Schilder, Signets sowie Warenzeichen.

Eines der bekanntesten, in der Ausstellung gezeigten Plakate ist jenes für Meinl-Kaffee (1929): Es stellt eine Frau mit Schiern im Schnee dar, die Kaffee aus einer Thermoskanne trinkt. Sie lehnt lässig, sogar lasziv an ihren Schistöcken. Die Ärmel der roten Bluse sind aufgekrempelt, die obersten beiden Knöpfe offen, die schwarze Hose betont die schlanke Taille und den stromlinienförmigen Hüftschwung. Sie genießt sichtlich den Kaffee – und einen flüchtigen Moment der Freiheit und Unabhängigkeit. Diese Frau ist nur scheinbar allein. Sie weiß, dass sie Betrachter und Betrachterin verführt. Neumanns Werke zeigen nicht nur Stereotype der 1920er oder 1930er Jahre – zu sehen ist, was wir seit Jahrzehnten kennen. Diese Frau könnte auch 2009 in einer Hochglanzanzeige zu sehen sein.

Hans Neumann studierte an der Grafischen Lehr- und Versuchsanstalt und an der Akademie der bildenden Künste bei Christian Griepenkerl und sammelte praktische Erfahrungen als Lithograph. Nach ersten Berufserfahrungen in Berlin, dem damals pulsierenden Zentrum der Künste (freiberuflich und beim Reklameverlag Ernst Marx), gründete er in Wien sein Atelier, das zu einem der größten im deutschsprachigen Raum avancierte. Wer sich als Grafiker einen Namen machen wollte, musste bei Neumann gearbeitet haben. Einen beruflichen Höhepunkt bildete der Gewinn eines international ausgeschriebenen Wettbewerbs für die Messe Leipzig 1925. Das Plakat wurde in mehreren Versionen und Sprachen ausgeführt und über Jahre als Standardplakat in Süd- und Südost-Europa verwendet.

Viele Plakate wurden auch international gezeigt, wie etwa Elector Piccolo, worauf ein kleiner Hotelpage mit stolzgeschwellter Brust den beworbenen Staubsauger bedient. Dieses Plakat wurde 1924 in der vom Londoner Verlag The Studio veröffentlichten Publikation Posters & Their Designers, einer Replique der besten internationalen Plakate, publiziert. Neumann konnte mit seinen humoristischen, stilisierten Figurenplakaten selbst im anglikanischen Sprachraum reüssieren.

In den 1930er Jahren entwickelte Neumann aus seinem Naturalismus heraus einen fast fotorealistischen Stil. Zu den Kunden der Agentur zählten u.a. Mercedes-Benz, Persil und Krupnik-Moden.

Im Jahr 1938 musste Hans Neumann vor den Nationalsozialisten fliehen, zuvor veranlasste er noch die Löschung seiner Firma im Handelsregister. Über London wanderte er nach Sydney, Australien, aus, wo er als Hans Newmann wieder als Grafiker Fuß fasste. 1957 kehrte er nach Wien zurück und starb am 19. November 1960.

Adresse:
1 MAK Österreichisches Museum für
angewandte Kunst / Gegenwartskunst

Stubenring 5, A-1010 Wien
Kontakt:
Tel. (+43-1) 711 36-0
Auskünfte zu Führungen, Veranstaltungen
Tel. (+43-1) 711 36-248
Pressebüro Tel. (+43-1) 711 36-229
Fax (+43-1) 713 10 26
Hotline (+43-1) 712 80 00
E-Mail [office@MAK.at]


Ausstellung / Bremen: Max Bill - Aspekte seines Werkes - Architektur, Design, Typografie

Donnerstag, 15. Januar 2009

Die Ausstellung im Wilhelm Wagenfeld Haus in Bremen läuft bis zum 15.03.2009

Ulmer Hocker in drei Positionen, Max Bill, 1954

Max Bill zum 100. Geburtstag

Unter dem Titel „Max Bill: Aspekte seines Werkes“ präsentiert das Wilhelm Wagenfeld Haus – Design im Zentrum vom 26. September 2008 bis zum 15. März 2009 den 1908 in der Schweiz geborenen Gestalter, Künstler und Theoretiker Max Bill in einer Retrospektive. Zu sehen ist eine repräsentative Auswahl seiner Arbeiten aus den Bereichen Produktdesign, Gebrauchsgrafik und Architektur.

Der Bauhausschüler Max Bill (1908-1994) vereint in seiner Person die gesamte Band­breite gestalterischer Begabungen: sein schöpferisches Potential erstreckt sich auf eine international erfolgreiche Tätigkeit als Maler, Grafiker, Typograf, Bildhauer, Designer, Werbeberater, Bühnenbildner, Ausstellungsgestalter, Architekt und Pädagoge.

Nach 1945 spielt Max Bill in Deutschland eine bedeutende Rolle bei der Re-Etablierung der Moderne, vor allem als Erbauer und Gründungsdirektor der renommierten Hochschule für Gestaltung Ulm (1951-1957), aber auch als Gestalter von Produkten verschiedener deutscher Firmen und als Professor für Umweltgestaltung an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg (1967-1974). Der „Ulmer Hocker“ oder seine Uhren für Junghans sind längst in den Rang von Design-Klassikern aufgestiegen und werden bis heute erfolgreich produziert. Berühmt ist auch sein Buch „Form“, eine Bilanz der Formentwicklung in der Mitte des 20. Jahrhunderts.

Max Bills umfassender, gesellschaftlich verantwortlicher Designansatz, der alle Dinge der gestalteten Umwelt mit einbezieht, verbindet ihn mit seinem Zeitgenossen Wilhelm Wagenfeld und macht ihn zu einem einflussreichen Vertreter der kreativen Disziplinen.

Das Wilhelm Wagenfeld Haus ehrt Max Bill mit einer Ausstellung, die ihm das Gewerbemuseum seiner Heimatstadt Winterthur Anfang des Jahres anlässlich seines 100. Geburtstages ausgerichtet hat. Insgesamt 18 Leihgeber beteiligen sich an dieser Retrospektive, in der Werke aus öffentlichen und privaten Sammlungen mit Werken aus dem Nachlass zusammentreffen. Die Ausstellung zeichnet mit Arbeiten aus sechs Jahrzehnten den Weg dieses innovativen Architekten, Gestalters und Theoretikers sehr anschaulich nach. Dabei umfasst sie nicht nur Objekte aus der Alltagskultur wie Möbel, Uhren oder Gefäße, sondern auch Architekturzeichnungen und -modelle sowie Plakatentwürfe, Bücher und vieles mehr.

Ergänzt um einen spannenden Briefwechsel zwischen Max Bill und Wilhelm Wagenfeld über grundlegende Fragen und Aufgaben der Gestaltung, liegen die Schwerpunkte auf den Bereichen Architektur, Design und Typografie.

Zur Ausstellung ist die Publikation „Max Bill: Aspekte seines Werkes“ erschienen. Sie zeigt die Vielfältigkeit von Bills Tätigkeit auf und bezieht auch sein künstlerisches Werk ein. Die 14 Autorinnen und Autoren gehen Bills Überlegungen zur „konkreten kunst“ und zur „guten form“ nach, thematisieren seine Zeit als Schüler am Bauhaus und als Lehrer an der weltbekannten Ulmer Hochschule für Gestaltung und widmen sich seinen malerischen Anfängen ebenso wie Fragen der Ausstellungs-, Buch- und Denkmalgestaltung. Eine ausführliche Biografie rundet die Beiträge ab (240 Seiten, 65 Farbabbildungen, 125 Textabbildungen, EUR 29,90).

Öffnungszeiten:
Di 15 – 21 Uhr, Mi – So 10 – 18 Uhr
Führungen:
sonntags 13 Uhr und nach Voranmeldung
Adresse:
Wilhelm Wagenfeld Haus - Design im Zentrum
28195 Bremen
Am Wall 209
Kontakt:
Fon: +49(0)421 33 99 933