Artikel-Schlagworte: „Malerei“

Ausstellung / Malerei / Köln: Christopher Wool - Porto–Köln

Dienstag, 21. April 2009

Die Ausstellung im Museum Ludwig läuft noch bis zum  12. Juli 2009.

Das Museum Ludwig präsentiert in seiner großen Wechselausstellungshalle rund 30 großformatige Arbeiten – Gemälde wie Siebdrucke – von Christopher Wool. Zusätzlich wird die 160-teilige Fotoserie „East Broadway Breakdown“ (1995) gezeigt. Christopher Wool ist der Träger des Hahn-Preises 2009, der zu den höchstdotierten Preisen für internationale Gegenwartskunst in Deutschland zählt.

Die Ausstellung vollzieht die künstlerische Entwicklung von Wool in den letzten Jahren nach. Deutlich zeigt sich sein wachsendes Interesse an Komposition und ihrem Ausdruck in verschiedenen Medien wie Malerei, Zeichnung, Fotografie und Druck. Der Schwerpunkt liegt auf den abstrakten Gemälden und Siebdrucken seit 2006.

Aus Anlass der Verleihung des Wolfgang-Hahn-Preis Köln 2009 an Wool erwirbt die Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig zwei Siebdrucke auf Papier für das Museum. Die Ausstellung, die in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler entstanden ist, feiert auch die Preisverleihung an Christopher Wool. Gemäß den Statuten des Wolfgang-Hahn-Preises Köln wählt die Jury einen Künstler von internationalem Renommee aus, dessen Œuvre sich durch eine konsequente Weiterentwicklung auszeichnet und dessen Werk noch nicht adäquat im Museum Ludwig vertreten, jedoch für die Fortführung der Sammlung essenziell ist.

„Wool“, so Dr. Wolfgang Bornheim, Vorstandsvorsitzender der Gesellschaft für Moderne Kunst und Jury-Mitglied des Wolfgang-Hahn-Preis Köln, „reflektiert in seinen jüngeren Arbeiten zunehmend über den Prozess der Bildfindung und die Wahl des Mediums. Mit dem Wolfgang-Hahn-Preis sein Schaffen zu würdigen und Arbeiten von ihm für das Museum zu erwerben, freut uns außerordentlich.“

Wool führt in seinen Gemälden Figur und Defiguriertes gegeneinander, Zeichnung und Malerei, Durchdachtes und Spontanes. Mit der Sprühpistole zeichnet er Linien auf die Leinwand, die er kurz darauf mit einem in Lösungsmittel getränkten Tuch wieder auswischt. Dadurch entsteht ein neues Bild, in dem sich klare Linien gegen gewischte Flächen behaupten müssen. Auch in seinen Siebdrucken auf Papier begegnen wir dem Interesse des Künstlers an Abstraktion, am Verhältnis von Linie und Fläche wieder. Besonders interessante Stellen der Gemälde setzt Wool hier zu idealen Kompositionen zusammen und stellt sie gleichwertig neben seine Gemälde.

Der 1955 geborene, in New York lebende Christopher Wool wurde vor allem durch seine „Word Paintings“ aus den 1980er/90er Jahren bekannt. Er war auf der documenta IX vertreten sowie bei der Whitney Biennial 1989 und der 51. Carnegie International 1991. Außerdem hatte er zahlreiche Einzelausstellungen in den USA und Europa.

Am 28. April wird die Punkrock-Legende Richard Hell über Christopher Wools Fotografien und Künstlerbücher sprechen. Wool und Hell sind seit langer Zeit befreundet und Hell, der auch als Schriftsteller und Kunstkritiker arbeitet, hat bereits zahlreiche Texte über Wools Werk veröffentlicht.

Die Ausstellung wurde von der Fundacio de Serralves, Museu de Arte Contemporânea, Porto organisiert, koproduziert vom Museum Ludwig, Köln. Kuratoren: Julia Friedrich, Ulrich Loock.

Die Ausstellung wird gefördert von der kunststiftung nrw und der Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig.

Ausstellung / Malerei / Köln: Der Mond

Donnerstag, 2. April 2009

Die Ausstellung im Wallraf-Richartz-Museum in Köln läuft noch bis zum 16. August 2009.

Vierhundert Jahre nachdem Galileo zum ersten Mal sein Teleskop auf den Mond richtete und vierzig Jahre nach Armstrongs Landung auf dem Erdtrabanten zeigt das Wallraf-Richartz-Museum die erste umfassende Kunstausstellung zum Himmelskörper. „Der Mond“ ist ein kunst- und kulturhistorischer Parcours durch die letzten fünf Jahrhunderte. Die rund 150 Exponate erzählen dabei, wie sich die Menschheit in dieser Zeit optisch und künstlerisch dem Mond genähert hat. Die Erfindung des Teleskops und der Fotografie sowie das Aufkommen der bemannten Raumfahrt läuten dabei die wichtigsten Epochen ein.

Die Auswahl der Exponate reicht von mittelalterlichen Tafelbildern und romantischen Gemälden über astronomische Instrumente bis hin zu originalen Raumfahrtfotografien und zeitgenössischer Kunst. Alle Gemälde, Zeichnungen, Druckgraphiken, Modelle und Fotografien spiegeln die große Faszination wider, die der Mond seit je her auf die Menschheit ausübt. Zu den Höhepunkten der Ausstellung gehören zwei Original-Ausgaben von Galileos „Botschaft von neuen Sternen“ und Manets „Mondschein über dem Hafen von Boulogne“, dem ersten impressionistischen Nachtbild überhaupt.

Zu sehen ist „Der Mond“ im Wallraf vom 26. März bis zum 16. August 2009, dem Internationalen Jahr der Astronomie. Fachkundige Unterstützung erhält Museumsdirektor und Ausstellungsmacher Andreas Blühm von Astronomie 2009 e.V. und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Ein reiches Rahmenprogramm wird die Kunstgeschichte zur Astronomie, Literatur und Musik hin öffnen.

Adresse:
Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud
Obenmarspforten (am Kölner Rathaus)
50667 Köln
Kontakt:
Tel.: +49 (0) 221 221-21119
Fax: +49 (0) 221 221-22629
wallraf(at)museenkoeln.de
www.museenkoeln.de/wallraf

Ausstellung / Grafik / Mannheim: Josef Albers - „Interaction of Color“

Freitag, 13. März 2009

Die Ausstellung in der Kunstahalle Mannheim läuft noch bis zum 31. Mai 2009.

„Nur der Schein trügt“, sagte einmal Josef Albers. Denn es sind vor allem die trügerischen Wahrnehmungen, die den einstigen Bauhaus-Künstler und -Lehrer lebenslang interessierten. Viele seiner Werke basieren auf den Grundlagen optischer Täuschung oder spielen mit der subjektiven Wahrnehmung. Albers gilt als Analytiker der Farbe und Begründer der modernen Farbtheorie.

Kurator Thomas Köllhofer hat für die Kunsthalle 80 Arbeiten der Serigrafie „Interaction of Color“ (Wechselbeziehungen der Farbe) ausgewählt, die 1963 entstanden ist und in Deutschland 1973 veröffentlicht wurde. In dem Mappen-Werk exerziert Josef Albers spielerisch die Wirkungskraft von Farbformen und ihre visuelle Wahrnehmung bis hin zur Täuschung durch. Seine innovative Experimentierfreude wird dabei ebenso anschaulich wie die Relativität der eigenen Wahrnehmung.

Mit Josef Albers präsentiert die Kunsthalle Mannheim im „Bauhaus-Jahr“ einen bedeutenden Künstler dieser berühmten Lehrstätte der Moderne, die 2009 ihr 90-jähriges Jubiläum feiert. Als Lehrer hat Albers wichtige Künstler der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts geprägt, unter ihnen Eva Hesse, Robert Rauschenberg, John Cage, Donald Judd und Richard Serra.

Mit „Interaction of Color“ setzt die Kunsthalle nach „Picassos Welt“ die Folge „Schätze der Graphischen Sammlung“ fort.

Adresse:
Kunsthalle Mannheim
Friedrichsplatz 4
D-68165 Mannheim
Kontakt:
T +49 (0)621 293 64-52/30
kunsthalle@mannheim.de

Ausstellung / Grafik / Linz: Michaela Melián - Speicher

Dienstag, 10. März 2009

Die Ausstellung im Lentos Kunstmuseum Linz läuft noch bis zum 02.06.2009.

Michaela Melián ist bildende Künstlerin und Musikerin. Sie drückt sich in unterschiedlichen Medien aus, in Installationen, Objekten, Zeichnungen und Musik. Meliáns Interesse gilt der Politik von Erinnerung und dem Weiterwirken zeitgeschichtlicher Phänomene. Die installativen Arbeiten inszenieren ein komplexes Verweissystem vielschichtiger Erinnerungsfelder.

Im Zentrum der Ausstellung im Lentos steht die neue Arbeit SPEICHER. Thematischer und formaler Ausgangspunkt für SPEICHER ist VariaVision – Unendliche Fahrt, eine 1965 realisierte, heute verschollene intermediale Arbeit von Alexander Kluge (Texte), Edgar Reitz (Filme) und Josef Anton Riedl (Musik) zum Thema des Reisens. VariaVision bot als Rauminstallation mit gleichzeitigem Vorführen und Wiedergeben von Filmen, mehrkanaliger Musik und Sprache eine neue und andere Wahrnehmung von Musik, Film und Text. Reitz und Kluge unterrichteten an der Hochschule für Gestaltung Ulm (HfG), die in der kurzen Zeit ihres Bestehens zwischen 1953 und 1968 maßgeblich die deutsche und internationale Design-, Kunst- und Mediengeschichte geprägt hat.

In der Hochschule stand ab 1963 eines der ersten elektronischen Studios in Westdeutschland, das 1959 in München gegründete Siemens-Studio für elektronische Musik. Das Studio mit seinen neuen, rein elektronisch erzeugten Klängen wurde sehr erfolgreich von internationalen Komponisten und Musikproduzenten genutzt. Heute ist es im Deutschen Museum München ausgestellt.

Für SPEICHER bringt Michaela Melián das Studio im Deutschen Museum München noch einmal zum Klingen. Diese Klänge, Töne, Geräusche werden aufgezeichnet und bilden die Basis für eine neue Komposition. In sie eingebettet ertönt eine vielstimmige Collage, ein Textkonvolut zum Thema Reisen und Bewegung. In SPEICHER wird nicht linear erzählt, sondern Themen, Geschichten und Zeitebenen verschränken sich in tönenden Schleifen und Spiralen mit dem Heute.

Mit SPEICHER realisiert Melián eine Raumsituation, die die Konzeption von VariaVision mittels Projektionen und Wandzeichnungen, Stimme und Musik aufgreift. Die BesucherInnen erleben sich dynamisch als Teil dieser Installation.

Die Installation SPEICHER wird ergänzt durch die Arbeit RÜCKSPIEGEL, eine fünfteilige Videoinstallation, für die Melián die seinerzeitigen Protagonisten aus dem Produktionsumfeld von VariaVision interviewt hat. In den, von Schauspielern wiedergegebenen, Interviewpassagen wird die historische, mittlerweile obsolete Verbindung zwischen künstlerischer Moderne, Technikeuphorie und gesellschaftsverändernden Motivationen reflektiert.
Ein spezifisch für den Ausstellungsraum angefertigtes großformatiges WANDBILD sowie einige – in Meliáns Werk typische – mit der Nähmaschine hergestellte Zeichnungen und andere Arbeiten auf Papier ergänzen die Präsentation.

In Kooperation mit dem Ulmer Museum und der Cubitt Gallery, London.
Zu den Ausstellungen ist im Koenig Books Verlag, London ein zweisprachiger Katalog mit zahlreichen Farbabbildungen und Textbeiträgen von Jan Verwoert, Brigitte Reinhardt, Stella Rollig und Bart van der Heide erschienen.

Öffnungszeiten tägl. 10-18 Uhr; Do 10-21 Uhr
Eintritt € 6,50, ermäßigt € 4,50

Führungen So, 29. März, 16 Uhr; Do, 23. April, 19 Uhr; Do, 28. Mai, 19 Uhr
Ausstellungsgespräch mit Direktorin Stella Rollig: Do, 12. März, 19 Uhr

Pressekonferenz 4. März 2009, 10 Uhr
GesprächspartnerInnen bei der Pressekonferenz:
Stella Rollig, Direktorin des Lentos Kunstmuseum Linz
Michaela Melián, Künstlerin

Adresse:
Lentos Kunstmuseum Linz
Ernst-Koref-Promenade 1
4020 Linz
Kontakt:
Tel.: +43(0)732/7070/3600 bzw. 3614
Fax: +43(0)732/7070/3604
info@lentos.at

Ausstellung / Salzburg: Georg Baselitz. Gemälde und Skulpturen 1960 – 2008

Dienstag, 24. Februar 2009

Eine Ausstellung vom 28.2.2009 – 21.6.2009 im Museum der Moderne (Mönchsberg) in Salzburg.

„Immer wenn die Frage nach dem Verhältnis des Bildes zum Abbild ungeklärt bleibt, … wird etwas wertvoll Neues gewonnen.“
GEORG BASELITZ

In enger Zusammenarbeit mit dem Künstler zeigt das MdM Mönchsberg einen Überblick über das OEuvre von Georg Baselitz (geboren 1938 als Hans-Georg Kern in Deutschbaselitz in der ehem. DDR) aus den Jahren 1960 bis 2008. Beinahe fünfzig Jahre umfassend, zeichnet sich das Schaffen von Georg Baselitz durch eine Vielzahl unterschiedlicher Phasen und Herangehensweisen aus. Er selbst bezeichnet diese als „Methoden“. Die Ausstellung im MdM Mönchsberg ist die erste Museumsretrospektive in Österreich seit 1992.

Schon in den frühen 1960er Jahren zeichnet sich Baselitz’ „Stil“ durch seine unkonventionelle Malweise und die irritierende und provokative Wahl aus. 1957 hat er die DDR und die Kunsthochschule Berlin-Weißensee wegen „staatsbürgerlicher Unreife“ verlassen müssen und begonnen, an der Hochschule der bildenden Künste in West -Berlin zu studieren.

1961 veröffentlicht er gemeinsam mit dem Malerfreund Eugen Schönebeck das „1. Pandämonische Manifest“, in dem er zum ersten Mal seine Haltung gegen das Stimmige und Konventionelle, die sein gesamtes OEuvre durchziehen, proklamiert. Baselitz’ Gemälde entstehen spontan, die Zeichnung existiert als eigene Werkgruppe parallel zur Malerei und Skulptur und fungiert nicht als Vorbereitung eines Gemäldes. Die Bilder sind von Anbeginn von einer groben Malweise und einem unkonventionellen Bildaufbau geprägt und klammern Regelmäßigkeit und festgelegte Kategorien beharrlich aus. Sinnbild für diese Haltung sind zunächst die Werke zum „Pandämonium“ sowie die „Idole“, vor allem aber die so genannten „neuen Typen“ – monumental aufgefasste Hirten, Helden, Künstler, Rebellen, die mit entsprechenden Attributen ausgestattet einen heroischen Kampf zu führen scheinen.

Die „Grüner“-Bilder, die zur gleichen Zeit entstehen, beziehen sich auf Baselitz’ Auseinandersetzung mit russischer Literatur und den darin thematisierten Revolten zwischen Rechten, Weißen, Roten und so genannten Grünen – den Partisanen. Die folgenden „Frakturbilder“ sind logische Folge der Auflösung der Form in den späten 1960er Jahren und reflektierten den Kubismus. Doch im Gegensatz zur Abstrahierung des Kubismus entscheidet sich Baselitz dafür seine Bilder zu zergliedern, aufzulösen. Er fügte die Fragmente jedoch nicht zusammen, sondern belässt deren einzelne Elemente als solche, als Frakturen sichtbar, wodurch er den eigentlichen Bildraum außer Kraft setzt.

Gegensatz und Widerspruch stehen seitdem im Zentrum von Georg Baselitz’ Schaffen. Ihm geht es primär um eine Opposition zur Konvention, zur Kunst als Objekt des täglichen Gebrauchs. Aus dieser Ansicht heraus sowie seiner Praxis, die Gemälde auf dem Boden liegend zu malen, entstehen die ersten Leinwände, die gedreht und „kopfüber“ gestellt werden als Widerspruch zu bereits Existierendem und Gewöhnlichem. Baselitz versteht sie als Umsetzung seiner damals aktuellen Denkmethode. Werner Spies spricht von Baselitz’ Bilderkosmos als „Kopfstand der Welt“. In den späten 1960er Jahren mischen sich Motive, die auf dem Kopf stehen mit jenen, die „normal“ positioniert sind, beispielsweise in dem bekannten Gemälde „B. für Larry“, 1967.

Die Werke von Baselitz werden somit gegenständlich und ungegenständlich zugleich. Das simpel anmutende Umkehren des Sujets abstrahiert es auf formale wie inhal tliche Weise.
In den 1970er Jahren beginnt er Werke in Fingermalerei-Technik zu schaffen, deren technische Bezeichnung auch im Titel auftritt. Motive sind Landschaften genauso wie Akte, Selbstbildnisse, Adler u.a. Aus dieser Malweise entsteht ein freierer Umgang mit Farbe und Material, welcher schließlich in den 1980er Jahren zu Werken führt, in denen Farbe und Form im Zentrum seiner „Methode“ stehen, das Sujet allerdings nach wie vor umgekehrt bleibt.

Mit den Bildern der 1990er Jahre verändert Baselitz erneut die Farbigkeit seiner Gemälde und führt eine leichte, pointilistisch inspirierte Maltechnik ein. Teil der seit den 1990er Jahren entstandenen Werke sind u.a. die „Russenbilder“, eigentliche Erinnerungsbilder, in denen er sich mit dem Sozialistischen Realismus, der offiziellen Ästhetik der ehemaligen Sowjetunion und der damit verbundenen Unterdrückung anderer künstlerischer Ausdrucksformen beschäftigt, die er in der DDR selbst zu spüren bekommen hat, und diese interpretiert. Im Gegensatz zum kompositorischen Horror Vacui der „Vorbilder“ haben seine Gemälde bewusst einen skizzenhaften Charakter, verzichten auf die Korrektur der Spuren, welche durch Farbdosen auf der Leinwand entstehen, und lassen Teile der Leinwand frei. Seine jüngste Werkreihe, die Baselitz als Remix-Bilder bezeichnet, bedeutet für ihn kein Kopieren älterer Werke, sondern versteht sich als Reminiszenz auf deren Bedeutung und als Aktualisierung eines Themas/Sujets, welches als solches nicht mehr wiederholbar, nur zeitgenössisch optimierbar ist. Das erste seiner Remix- Bilder bezieht sich auf das seinerzeitige Skandalbild „Die große Nacht im Eimer“ von 1963. „Bilder in Ordnung bringen“ nennt Baselitz die Methode zur Neubearbeitung älterer Sujets, in denen er auf viele Beispiele malerischer Tradition zurückgreift und diese immer wieder neu anordnet.

Exemplarisch für das skulpturale Schaffen, das seit Ende der 1970er Jahre parallel zur Malerei entsteht, werden fünf Plastiken inkludiert, von denen zwei - „Meine neue Mütze“, 2003, und „Frau Ultramarin“, 2004 - als Pendants entstanden sind und in Österreich erstmals gezeigt werden.

Mit der Entwicklung seines OEuvres beweißt Georg Baselitz, dass es auch in der oft todgesagten Malerei immer wieder neue Wege und Methoden gibt. Es straft die Aussage Lüge, dass „schon alles gemacht wurde“.

Publikation: Zur Ausstellung erscheint ein Katalogbuch im DuMont Buchverlag mit einem Vorwort von Toni Stooss, einem kunsthistorischen Essay von Rainer Michael Mason und einer Erzählung von Ingo Schulze. Die Publikation umfasst 208 Seiten inkl. 80 ganzseitiger Farbabbildungen.

Kurator: Toni Stooss
Kuratorische Assistenz: Tina Teufel

Medienrundgang: Fr 27.2.09, 11.00 Uhr
Eröffnung: Sa 28.2.09, 11.00 Uhr

Adresse:
Museum der Moderne Salzburg Mönchberg
Mönchsberg 32
5020 Salzburg
Kontakt:
Tel: +43.662.84.22.20-401
E-mail: www.museumdermoderne.at

Ausstellung / Bremen: Noble Gäste - Meisterwerke der Kunsthalle Bremen

Dienstag, 24. Februar 2009

Eine Ausstellung vom 28.02.2009 - 28-06.2009 in der Weserburg in Bremen.

Hiroyuki Masuyama, Felsental (Das Grab des Arminius) 1813-14, 2007
Jemanden in den eigenen vier Wänden willkommen zu heißen, bedeutet im Sinne echter Gastfreundschaft nicht nur räumliche Unterbringung, also das sprichwörtliche „Einräumen“ eines abgegrenzten Bereiches, sondern auch aktiven Austausch, meint also Dialoge und Korrespondenzen - wie es sich eben für einen aufmerksamen Gastgeber gehört. Die Auswahl an herausragenden Werken, welche die Kunsthalle für etwa zwei Jahre in das Sammlermuseum Weserburg und damit in die ehemaligen Speicherhäuser inmitten der Weser schickt, gerät unter dieser Prämisse wie von selbst in Beziehung zu den hier bereits vorhandenen Arbeiten des 20. und 21. Jahrhunderts aus verschiedenen Privatsammlungen. Ebenso zum Gebäude, einer ehemaligen Kaffeerösterei und seinen verschachtelt- labyrinthisch angelegten Räumen. Es geht also um Gastfreundschaft besonderer Art, nicht um ein Unisono - Nebeneinander, sondern um Fragen und Antworten, Dialoge, Entgegnungen und Abgrenzungen.

Ein Teil der Kunsthallen Werke stammt aus dem 19. Jahrhundert, wie zum Beispiel die beiden berühmten Skulpturen von Auguste Rodin, Das Eherne Zeitalter, 1875/76 und Johannes der Täufer, 1878/80. Letzterer gerät gleich beim Betreten der Etage in auffälligen Gegensatz – oder ist es doch ein tiefer Dialog und damit auch eine Gemeinsamkeit - mit der flächendeckend mit Graphit  bezeichneten Wand Lowdown, 2007 von Frank Gerritz und dem fotografierten Sternenhimmel von Thomas Ruff, Sterne (01 h 55m / -35 °),1989. Ein Landschaftsbild von Caspar David Friedrich Das Grab des Arminius, um 1813 korrespondiert – wie schon in der Kunsthalle zuvor – mit seiner perfekten fotografischen Umsetzung aus dem Jahr 2007 in einem LED Leuchtkasten von Hiroyuki Masuyama. Es scheint, als sei der Künstler mit seiner Kamera im Rahmen einer Zeitreise an Ort und Stelle gewesen, um das geschichtsträchtige Motiv auf die Festplatte zu bannen.

Fotoarbeiten von Hiroshi Sugimoto nehmen den Naturbezug noch einmal auf und führen in den nächsten Raum, wo bereits weitere Werke verschiedener Künstler auf einen Dialog warten. Darunter auch Die Große Galerie, 1995/97 von Boris Becker, eine Fotoarbeit, die eindrucksvoll noch einmal den alten Skulpturensaal der Kunsthalle ins Gedächtnis ruft. Natürlich nicht zu vergessen Maurizio Cattelans herausragende und gleichermaßen skurrile Fassung der Bremer Stadtmusikanten Love Saves Life, 1995 und Love Lasts Forever,1999, welche hier als lebensecht ausgestopfte Tierpräparate neben ihrer komplett skelettierten Version hochgestapelt vor uns stehen. Hintersinniger Kommentar, augenzwinkernder Bezug auch auf die Hansestadt Bremen, in der die Weserburg und die Kunsthalle zu Hause sind.

Adresse:
Weserburg - Museum für moderne Kunst
Teerhof 20
28199 Bremen
Kontakt:
Telefon 0049-(0)421-59839-0
Fax 0049-(0)421-505247
E-Mail mail(at)weserburg.de

Ausstellung / Stuttgart: Wiener Aktionismus

Dienstag, 17. Februar 2009

07.03. - 05.07.2009, Staatsgalerie Stuttgart

Der Wiener Aktionismus wird ab März mit Arbeiten aus allen Bestandsbereichen der Staatsgalerie und insbesondere dem Archiv Sohm den Auftakt einer neuen Ausstellungsreihe in der Stirling-Halle unter dem Titel “Offenes Depot” bilden.

Ausgangspunkte der Ausstellungsreihe sind Arbeiten und Sammlungsbereiche, die sich in den Depots und Archiven des Museums befinden. Dabei wird es auch um die Auseinandersetzung mit dem Depot als Ort der Verwahrung und Kategorisierung gehen.
Der Wiener Aktionismus erweiterte in den 1960er Jahren den Kunstbegriff und suchte mit provokativen Aktionen nach neuen Ausdrucksformen. Künstler wie Hermann Nitsch, Günter Brus, Otto Mühl und Rudolf Schwarzkogler wandten sich radikal gegen bürgerlich-akademische Kunstkonzepte. Mit ihren Aktionen, die von der Öffentlichkeit oft als provokativ empfunden wurden, verfolgten sie eine Verbindung von Kunst und Leben und strebten eine schonungslose Auseinandersetzung mit verdrängten Ängsten, Aggressionen, Trieben und sexuellen Tabus an. Die Präsentation von Malerei, Graphik, Objekten, Aktionsphotographien und Dokumentationsmaterial aus allen Bestandsbereichen des Museums bildet das mediale Spektrum des Wiener Aktionismus ab.

Adresse:
Staatsgalerie Stuttgart
Konrad-Adenauer-Str. 30 - 32
70173 Stuttgart
Kontakt:
tel. 0711  470 40 0
info@staatsgalerie.de

Ausstellung / Wien: Das Zeitalter Rembrandts

Sonntag, 15. Februar 2009

EIne Ausstellung vom 04.03.2009 – 21.06.2009 in der Albertina (Basteihalle) in Wien.

Rembrandt Harmensz. van Rijn, Selbstbildnis mit Barett, um 1660, Albertina, Wien

Die Ausstellung „Das Zeitalter Rembrandts“ in der Albertina zeigt 150 überragende Werke von rund 60 Künstlern aus dem Albertina-Bestand des niederländischen 17. Jahrhunderts, darunter Hendrick Goltzius, Rembrandt van Rijn, Aert van der Neer, Aelbert Cuyp, Adriaen van Ostade und viele andere. Dabei präsentiert sich Rembrandt in seiner technischen und thematischen Vielseitigkeit sowie in seiner absoluten Sonderstellung als herausragender Kristallisationspunkt. Diese einmalige Auswahl wird von rund 30 kongenialen Ölbildern aus verschiedenen internationalen Sammlungen ergänzt. Thematisch erstreckt sich das Spektrum der Ausstellung von der Landschaft, der Topographie, der Marineszene und der italianisierenden Ansicht bis zum Porträt, zur Genreszene und zum Stillleben.

Pressekonferenz 2. März 2009, 10 Uhr
Eröffnung 2. März 2008, 18.30 Uhr

Adresse:
Albertina
Albertinaplatz 1
1010 Wien
Kontakt:
T +43 (0)1 534 83-0
F +43 (0)1 534 83-430
E info@albertina.at

Ausstellung / Baden-Baden: Frida Kahlo “Ein Band um eine Bombe”

Donnerstag, 12. Februar 2009

Eröffnung am 28. Februar 2009

Die umfangreichste Frida Kahlo Sammlung aller Zeiten

Die Künstlerin Frida Kahlo. Frida Kahlo hatte eine besondere Beziehung zu Deutschland. Ihr Vater Wilhelm wurde 1871 in Pforzheim geboren und ist in Baden-Baden aufgewachsen. Frida Kahlo erlitt mit 18 Jahren einen schweren Busunfall, dessen Folgen sie ein Leben lang körperlich beeinträchtigten. Jahre später wird Frida Kahlo sagen: ”Ich habe zwei große Unfälle in meinem Leben gehabt. Den einen mit 18 und der zweite ist meine Verbindung mit Diego Rivera gewesen.”

Diego Rivera wurde Frida Kahlos größter Förderer. Rivera war bereits anerkannter Künstler in Mexiko als er Frida Kahlo kennerlernte. Er war Schöpfer monumentaler Wandbilder und hatte den Ruf eines Frauenliebhabers. Im Alter von 22 Jahren heiratete Frida Kahlo den 21 Jahre älteren Diego Rivera. Zehn Jahre später trennte sie sich von ihm. Sie wollte fortan unabhängig leben. Ihre produktivste Schaffenszeit begann. Sie heiratete Diego Rivera allerdings ein Jahr nach der Scheidung wieder.

Frida Kahlos innere Zerrissenheit, die Zerstörungskraft ihrer Ehe mit Diego Rivera und mehrere Fehlgeburten spiegeln sich in ihren Selbstbildnissen wieder. Sie leidet körperlich und seelisch. Im Verlauf ihrer Ehe mit Rivera flüchtet sie sich in Liebschaften, Alkohol, Drogen und in ihre Malerei.

Frida Kahlo – schon zu Lebzeiten eine Legende - ist heute die bekannteste Malerin weltweit. Frida Kahlos Leben war exzentrisch und geprägt von Leidenschaft, Leid und Schmerz. Obwohl ihr Leben kurz und turbulent war, hat sie uns eine einzigartige Kunstsammlung hinterlassen. Ihre Werke bilden ein gemaltes Tagebuch. Jedes Gemälde, ob Selbstbildnis oder Stilleben, hält einen Moment ihrer Gefühle und ihrer körperlichen Leiden auf eindrucksvollste Weise fest. Sie repräsentiert mit ihren Werken die Herausforderungen des Lebens, die Leidenschaft, die Liebe und die Widerstände, die uns auch in der heutigen Zeit berühren.

André Breton beschrieb ihre Kunst treffend als “ein Band um eine Bombe”. Frida Kahlo hatte den Mut sich selbst und ihr Leben in schonungsloser Offenheit vor uns auszubreiten und uns auch ihre Leiden und ihre Verluste zu offenbaren - sehr realistisch und dennoch poetisch.

Pablo Picasso schrieb: “Weder Rivera, noch Derain, noch ich verstehen es, solche Gesichter zu malen wie Frida Kahlo”. Sie war die Meisterin der Selbstbildnisse. In der Ausstellung werden nun erstmalig alle Selbstportraits von Frida Kahlo an einem Ort gemeinsam gezeigt.

Die Gemälde

Ausstellungen von Werken Frida Kahlos sind selten und schwer zu organisieren. Dies hat vor allem zwei Gründe: Einerseits umfasst das Gesamtwerk von Frida Kahlo, die 47 Jahre alt wurde und oft unter schwierigsten Bedingungen arbeiten musste, nur 144 Ölgemälde. Andererseits verfügte Diego Rivera, dass die Werke, die sich im Frida-Kahlo-Museum der Casa Azul in Coyacán befinden, Mexiko niemals verlassen dürfen. Nur die Sammlung Dolores Olmendo mit rund 25 Bildern und die Sammlung Gelmann mit 17 Bildern umfassen einen Bestand ihrer Werke, der in den vergangenen Jahren auch außerhalb von Mexiko zu sehen war.

Unser Ziel für diese Ausstellung war eine möglichst vollständige Sammlung ihrer Gemälde zu zeigen, um so von ihrem Leben und ihrem Schaffen einen Gesamteindruck zu vermitteln.

Da die Werke Frida Kahlos in der ganzen Welt verstreut sind, einige auch Mexiko nicht verlassen dürfen, von Privatsammlern nicht oder nur bedingt veröffentlicht werden, sind die Gemälde von Frida Kahlo in der Ausstellung vom Kunstmuseum Gehrke-Remund lizenzierte Repliken von © Banco de México Diego Rivera & Frida Kahlo Museums Trust / VG Bild-Kunst, Bonn 2008. Diese einzigartigen Repliken wurden von ausgebildeten Meisterkünstlern in mehreren tausend Stunden gemalt. Die Gemälde wurden in den Originalgrößen, mit Original-Material (Öl auf Leinwand, Öl auf Holz- bzw. Metallplatte) und im Originalstil gemalt.

Die Frida Kahlo Ausstellung im Kunstmuseum Gehrke-Remund umfasst mehr als 100 Gemälde und ist damit die umfangreichste Frida Kahlo Sammlung aller Zeiten.

Unsere Besucher können Frida Kahlos Gemälde und ihr Umfeld intensiv erleben. Neben ihren Gemälden zeigen wir auch Kleider und Schmuck. Außerdem lassen wir den Lebensmittelpunkt von Frida Kahlo und ihrer Familie, die Casa Azul (das Blaue Haus), und ihren Garten mit der aztekischen Pyramide neu entstehen.

Adresse:
Kunstmuseum Gehrke-Remund
Industriestraße 9a,
76532 Baden-Baden  (Stadtteil Baden-Oos)

Öffnungszeiten:
Montag - Sonntag: 11-18 Uhr

Austellung / Berlin: ROTHKO / GIOTTO - Die Berührbarkeit des Bildes

Dienstag, 10. Februar 2009

Die Ausstellung in der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin läuft noch bis zum 03.03.2009.

Diese Ausstellung wird veranstaltet von der Gemäldegalerie, SMB und der Nationalgalerie, SMB in Zusammenarbeit mit dem Kunsthistorischen Institut in Florenz (Max-Planck-Institut), dem Italienischen Kulturinstitut in Berlin und Daimler Contemporary Berlin.

Mark Rothko (1903-1970), Reds no. 5, 1961, Staatliche Museen zu Berlin, Neue Nationalgalerie

Mark Rothkos Leinwand Reds no. 5 ein Werk aus der Sammlung der Neuen Nationalgalerie ist in der Gemäldegalerie zu Gast. Eine Ausstellung, die sich dank der reichen Sammlungsbestände der Staatlichen Museen zu Berlin in wohl einmaliger Weise realisieren lässt, präsentiert das Gemälde Rothkos gemeinsam mit zwei Werken der spätmittelalterlichen Goldgrundmalerei, der Kreuzigung und der Dormitio Virginis des toskanischen Malers Giotto di Bondone. Ziel der Ausstellung ist die Eröffnung neuer Perspektiven auf der Suche nach den künstlerischen Konzepten, die dem Werk Rothkos (1903- 1970), einem Protagonisten der New York School of Painting und Hauptvertreter des abstrakten Expressionismus, zugrunde liegen.

Das Konzept der Ausstellung geht auf Gedanken Mark Rothkos zur Malerei zurück, die dieser in den späten 1930er Jahren unter dem Titel The Artist’s Reality handschriftlich fixierte. In dem postum durch seinen Sohn Christopher Rothko edierten Text setzt sich der Künstler intensiv mit der frühen italienischen Malerei auseinander, die er erst später, anlässlich dreier Europareisen in den Jahren 1950, 1959, 1966 in situ kennenlernen sollte. Während die erste Reise Rothko und seine zweite Frau Mell Beistle nach Venedig, Florenz, Arezzo, Siena und Rom führte, stand am Anfang der zweiten, gegenläufigen Reise (1959) der italienische Süden: Auf Neapel, Pompeji, Paestum, Rom und Tarquinia folgten Venedig und Florenz. In Florenz sah Rothko die Malereien Fra Angelicos im Kloster San Marco. Die Reise erfolgte mit der expliziten Absicht, zur Vorbereitung auf die zum damaligen Zeitpunkt geplanten Gemälde für das von Philip Johnson eingerichtete Restaurant Four Seasons im ersten Stock des Seagram Building Mies van der Rohes in New York die großen Zyklen der italienischen Wandmalerei kennen zu lernen. Die dritte Reise im Jahr 1966 begann in Rom und führte Rothko erstmals nach Spoleto und nach Assisi, zu den monumentalen Wandbildern Cimabues und Giottos. Während seines römischen Aufenthalts lebten er und seine Familie bei der Galeristin Carla Panicali und ihrem Mann Carlo Battaglia. Aus dieser Zeit sind zahlreiche abendliche Diskussionen überliefert, in denen sich die beiden Künstler als Anhänger Piero della Francescas (Battaglia) und Fra Angelicos einen spielerischen Schlagabtausch lieferten1.

Giotto di Bondone (1264-1337), Kreuzigung Christi, ca. 1315, Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie

Mit dem Werk Giottos hatte sich Rothko, der nach einer surrealistischen Phase in den späten 30er und frühen 40er Jahren und der Desillusionierung angesichts der Realität des Zweiten Weltkrieges nach neuen Ausdrucksformen suchte, bereits zuvor, anhand der kunsthistorischen Literatur, auseinandergesetzt, und die beiden für sein eigenes Werk grundlegenden Konzepte „tactiliy“ („Berührbarkeit“) und „space“ (Raum) formuliert. Von besonderer Bedeutung für die aktuelle Ausstellung ist die intellektuelle Nähe der ineinander verschwimmenden monochromen Farbschleier, die auf die Multiforms der späten 1940er und frühen 1950er Jahre folgten, zur Malerei Giottos: Rothko zeigte sich fasziniert von dessen sowohl in den Wandmalereien wie auch in den Tafelbildern zum Ausdruck kommender Fähigkeit, Bildraum und Handlung allein anhand des Kolorits Tiefe und Spannung zu verleihen. Diese Fähigkeit entsprach Rothkos Definition von malerischer Plastizität in besonderer Weise: „In painting, plasticity is achieved by a sensation of a movement both into the canvas and out from the space anterior to the surface of the canvas”. Auf Giotto bezogen heißt dies: “…in the case of Giotto we perceive the feeling of weight and massive movement from the tactility of the form”. Und: “It is Giotto’s color however, that produced the great effect of his tactility”2. In der Tat besitzt Giottos kleinformatige Kreuzigung aufgrund ihrer intensiven Farbgebung Monumentalität und Plastizität. Und auch im Fall des Marientods sind es die changierenden Gewandfarben der Apostel, die in ihrer Staffelung in helle und dunkle Farbflächen dem Gemälde Tiefe verleihen.

Vergleichbare Entsprechungen finden sich auch auf inhaltlicher Ebene. Der Wiedergabe menschlicher Emotionen, denen im Werk Giottos besondere Bedeutung zukommt, stehen auf Seiten Rothkos Tragik, Ekstase und Untergang als immer wiederkehrende Bildthemen gegenüber: „The noble, the sublime are hollowed unless they hold, to the bursting paint a core of the wild. [...] And for the wild (the Dionysian) it represented the cry, the anguish, the ecstasy itself…“.3 Die Farbe stellte für Rothko in diesem Zusammenhang eine kommunikative Notwendigkeit dar, keinen Selbstzweck: „not color, but measures’ were of greatest importance“4. Die Faszination für die „mystische Intensität“ der Werke Fra Angelicos in der Abgeschlossenheit des Klosters San Marco dagegen erklärt sich durch die Auffassung Rothkos bezüglich der Relation zwischen Bild und Betrachter: „I believe that a painting can only communicate directly to a rare individual who happens to be in tune with it and the artist“5.

1 Giovanni Carandente, ,I tre viaggi italiani di Mark Rothko, in: Rothko, hg. v. Oliver Wick, Ausstellungskatalog Rom 2007 / 2008, S. 33-39.
2 Mark Rothko, The Artist’s Reality. Philosophies of Art, hg. v. Christopher Rothko, New Haven-London 2004, S. 47, 52, 59.
3 Oliver Wick, „Do they negate each other, modern and classical?” Mark Rothko und die Sehnsucht nach Tradition, in: Mark Rothko. Retrospektive, hg. v. Hubertus Gaßner u.a., Ausstellungskatalog München / Hamburg 2008, München 2008, Anm. 50, S. 27.
4 John Gage, Rothko: Color as Subject, in: Mark Rothko, Ausstellungskatalog Washington 1998, Washington D.C. 1998, S. 248.
5 Carandente 2007, S. 38. Zitat nach John Fischer, „The Easy Chair: Mark Rothko, Portrait of the Artist as an Angry Man, 1970, in: Mark Rothko, Writings on Art, hg. v. Miguel López- Remiro, New Haven-London 2006, S. 133.

Die Ausstellung versteht sich als Kontrapunkt zur bisherigen kunsthistorischen Diskussion, die das Werk Rothkos in eine Entwicklungslinie mit der deutschen Romantik, dem französischen Impressionismus oder dem Surrealismus stellte. In der Tat beeindruckten die Ausstellungen der Surrealisten in New York (Fantastic Art, Dada and Surrealism, The Metropolitan Museum of Art, 1936/37) und die Werkausstellungen Pierre Bonnards (1946 und 1948) Mark Rothko nachhaltig. Mit dem Roten Studio von Henri Matisse, das er unmittelbar nach dessen Erwerbung 1949 im Museum of Modern Art sah, befaßte er sich nach eigenen Angaben monatelang (Mark Rothko, Hommage a Matisse, 1954, Öl auf Leinwand, The Edward R. Broida Trust). Und doch gilt es weitere Aspekte der Auseinandersetzung dieses vielseitigen, oftmals rätselhaften Künstlers mit der Kunstgeschichte zu berücksichtigen. Zu diesen Aspekten zählen die Kenntnis und die Wertschätzung der spätmittelalterlichen Malerei Italiens, die erst seit der Publikation des Textes The Artist’s Reality in ihrer vollen Tragweite für das Werk Rothkos erfassbar sind. Für diesen neuen Forschungsansatz steht die Ausstellung „Die Berührbarkeit des Bildes“ in paradigmatischer Weise.

Text: Katharina Christa Schüppel

Die Ausstellung wird von Dr. Stefan Weppelmann kuratiert. Sie ist eine Kooperation der Gemäldegalerie mit dem Kunsthistorischen Institut in Florenz (Max-Planck-Institut) und der Sammlung Daimler Contemporary, Berlin. Die Ausstellung eröffnet am 5. Februar 2009 mit dem Studientag „Die Realität des Künstlers / The Artist’s Reality“ in Zusammenarbeit mit dem Kunsthistorischen Institut in Florenz, dem Italienischen Kulturinstitut in Berlin und Daimler Contemporary. Es sprechen Beat Wyss (Karlsruhe), David Anfam (London), Riccardo Venturi (Rom) und Christopher Rothko (New York).

Katalog
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Hirmer Verlag, der jedoch zur Eröffnung erst auszugsweise vorliegt. Die Publikation erforscht Mark Rothkos (1903–1970) faszinierende Beziehungen zur Kunst Giottos (1264–1334) und legt diese in einer facettenreichen Gegenüberstellung von Hauptwerken beider Meister dar. Herausgegeben von Stefan Weppelmann, Gerhard Wolf, ca. 192 Seiten, ca. 80 Abbildungen in Farbe, 1 Klapptafel, 27,5 x 28 cm. Gebunden, ca. € 34,90[D] /€ 35,90[A] /SFr 59,–. ISBN 978-3-7774-8025-1

Eintritt in die Gemäldegalerie: 8,–/4,– €; ab 18 Uhr freier Eintritt.

Adresse:
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Genthiner Str. 38
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