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Ausstellung / Werbegrafik / Wien: Hans Neumann. Pionier der Werbeagenturen

Donnerstag, 5. März 2009

Die Ausstellung im MAK - Kunstblättersaal in Wien läuft noch bis zum 10.05.2009.

Hans Neumanns Arbeitsweise ist in vielerlei Hinsicht mit den Praktiken einer Werbeagentur im heutigen Sinne zu vergleichen. In seinem Atelier im „Stock im Eisen Platz“ in Wien schuf er ab 1919 Plakate, Inserate, Prospekte, aber auch eine Reihe von Notentitelblättern. Wiedererkennung seiner Werke im Sinne eines Corporate Designs erzielte er durch einen Atelierstempel (ab 1920). Wie kaum ein anderer prägte Neumann (1888–1960) mit seinen Plakaten das Wiener Stadtbild der 1920er und 1930er Jahre.

Mit fast 100 Plakaten besitzt das MAK eine der umfangreichsten Sammlungen dieses Ateliers, dessen Geschichte in der Ausstellung und die Vielfalt der Arbeiten des Studios dokumentiert werden. Zu sehen sind 35 Plakate und 20 Anzeigen. Für den Film Kleider machen Leute von Hans Steinhoff (1921) gestaltete Neumann nicht nur die Zwischentitel, sondern zeichnete für die gesamte Innenausstattung verantwortlich; im Rahmen der MAK-Ausstellung wird nach fast 90 Jahren eine 10-minütige Sequenz des Filmes erstmals wieder gezeigt.

Durch den Aufschwung der österreichischen Filmindustrie in den 1920er Jahren und durch die Entwicklung zur modernen Konsumgesellschaft wurde das Plakat zum Massenkommunikationsmittel. Im Zuge dessen schuf das Atelier Hans Neumann Plakate mit hohem Wiedererkennungswert. Darüber hinaus wurde für Artikel des täglichen Bedarfs, Feste, Redouten, Messen, Ausstellungen etc. geworben. Sukzessive erweiterte das Atelier seine Produktion auf die Gestaltung von Adressen, Buchschmuck, Drucksachen, Geschäftseinrichtungen, Handelsmappen, Illustrationen, Innendekoration, Inserate, Kalender, Karikaturen, Kataloge, Kino-, Licht-, Sport- und Streckenreklame, Kleingraphik, Packungen, Schaufenster, Schilder, Signets sowie Warenzeichen.

Eines der bekanntesten, in der Ausstellung gezeigten Plakate ist jenes für Meinl-Kaffee (1929): Es stellt eine Frau mit Schiern im Schnee dar, die Kaffee aus einer Thermoskanne trinkt. Sie lehnt lässig, sogar lasziv an ihren Schistöcken. Die Ärmel der roten Bluse sind aufgekrempelt, die obersten beiden Knöpfe offen, die schwarze Hose betont die schlanke Taille und den stromlinienförmigen Hüftschwung. Sie genießt sichtlich den Kaffee – und einen flüchtigen Moment der Freiheit und Unabhängigkeit. Diese Frau ist nur scheinbar allein. Sie weiß, dass sie Betrachter und Betrachterin verführt. Neumanns Werke zeigen nicht nur Stereotype der 1920er oder 1930er Jahre – zu sehen ist, was wir seit Jahrzehnten kennen. Diese Frau könnte auch 2009 in einer Hochglanzanzeige zu sehen sein.

Hans Neumann studierte an der Grafischen Lehr- und Versuchsanstalt und an der Akademie der bildenden Künste bei Christian Griepenkerl und sammelte praktische Erfahrungen als Lithograph. Nach ersten Berufserfahrungen in Berlin, dem damals pulsierenden Zentrum der Künste (freiberuflich und beim Reklameverlag Ernst Marx), gründete er in Wien sein Atelier, das zu einem der größten im deutschsprachigen Raum avancierte. Wer sich als Grafiker einen Namen machen wollte, musste bei Neumann gearbeitet haben. Einen beruflichen Höhepunkt bildete der Gewinn eines international ausgeschriebenen Wettbewerbs für die Messe Leipzig 1925. Das Plakat wurde in mehreren Versionen und Sprachen ausgeführt und über Jahre als Standardplakat in Süd- und Südost-Europa verwendet.

Viele Plakate wurden auch international gezeigt, wie etwa Elector Piccolo, worauf ein kleiner Hotelpage mit stolzgeschwellter Brust den beworbenen Staubsauger bedient. Dieses Plakat wurde 1924 in der vom Londoner Verlag The Studio veröffentlichten Publikation Posters & Their Designers, einer Replique der besten internationalen Plakate, publiziert. Neumann konnte mit seinen humoristischen, stilisierten Figurenplakaten selbst im anglikanischen Sprachraum reüssieren.

In den 1930er Jahren entwickelte Neumann aus seinem Naturalismus heraus einen fast fotorealistischen Stil. Zu den Kunden der Agentur zählten u.a. Mercedes-Benz, Persil und Krupnik-Moden.

Im Jahr 1938 musste Hans Neumann vor den Nationalsozialisten fliehen, zuvor veranlasste er noch die Löschung seiner Firma im Handelsregister. Über London wanderte er nach Sydney, Australien, aus, wo er als Hans Newmann wieder als Grafiker Fuß fasste. 1957 kehrte er nach Wien zurück und starb am 19. November 1960.

Adresse:
1 MAK Österreichisches Museum für
angewandte Kunst / Gegenwartskunst

Stubenring 5, A-1010 Wien
Kontakt:
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Auskünfte zu Führungen, Veranstaltungen
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Ausstellung / Wien: Alfons Mucha

Mittwoch, 4. Februar 2009

Eine Ausstellung vom 12.02.2009 - 01.06.2009 in den Ausstellungsräumen des Unteren Belvedere in Wien.

Das Belvedere präsentiert im Frühjahr 2009 die erste große Alfons Mucha-Ausstellung in Österreich. Großformatige Gemälde, Pastelle, Zeichnungen, Fotografien und Interieurs zeugen von der beeindruckenden künstlerischen Bandbreite Muchas (1860–1939), der als Werbegrafiker und Dekormaler bekannt geworden ist. Von ersten illustratorischen Werken über den Pavillon de l’Homme und seine Ausstattung des Pavillons für Bosnien und Herzegowina für die Weltausstellung in Paris 1900 bis zu seinem großen Zyklus Slawisches Epos verfolgte der tschechische Künstler, der sein Handwerk in Wien, Paris und München erlernt hatte, die Übermittlung einer universellen Botschaft: seiner Vision von einer Versöhnung der Nationen und der Religionen.
Im Unteren Belvedere werden in thematisch gegliederten Sektionen etwa 250 Werke aus öffentlichen und privaten Sammlungen zu sehen sein.

Biografie | Fotografie | Frühwerk
Im ersten Raum der Ausstellung wird auf die Biografie und das fotografische sowie das frühe Werk des Künstlers eingegangen, das vor allem durch einen mehrere Jahre andauernden Aufenthalt in Wien geprägt ist. Ab 1877 war Mucha hier als ausgebildeter Kulissenmaler für Theater tätig. 1881 führte ein Großbrand im Ringtheater zu einem neuen Brandschutzgesetz und damit zur Schließung von nahezu sämtlichen Theatern der Stadt - der nunmehr arbeitslose Künstler übersiedelte nach Mähren. Dort entstanden erste Illustrationen für Bücher und Magazine sowie historisierende Gemälde und Aquarelle, darunter ein in der Ausstellung präsentierter Paravent, der Hans Makarts Fünf Sinne zum Vorbild hat.
Ein Mäzen ermöglichte Mucha zwischen 1885 und 1887 ein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München, wo er in der Historienmalerei geschult wurde.

Plakate
Für ein Studium an der Académie Julian übersiedelte Alfons Mucha 1887 nach Paris. Seinen Aufenthalt finanzierte er weiterhin mit der Herstellung von Illustrationen für Bücher und Magazine, darunter auch ein Journal für Theater. 1894 gelang ihm mit seinem Plakat der Schauspielerin Sarah Bernhardt in ihrer Rolle für das Bühnenstück Gismonda der künstlerische Durchbruch. Innerhalb weniger Jahre wurde Mucha zu einem der begehrtesten Plakatmaler des Jugendstils. Der Künstler befreite sein Werk vom historistischen Pathos und kreierte eine eigene, auf Fernwirkung ausgelegte Handschrift, die vor allem in der Form von Gebrauchsgrafik als „Mucha Stil“ in die Kunstgeschichte einging. Dies wird anhand ausgewählter großformatiger Plakate und Vorstudien veranschaulicht.

Le Pater und Ilsée Princesse de Tripoli
Ebenfalls in seiner frühen Pariser Zeit entstanden Muchas wohl bedeutendstes druckgrafisches Illustrationswerk Le Pater, eine Interpretation des Vater Unser in Wort und Bild, sowie die Illustrationen für die Erzählung Ilsée Princesse de Tripoli. In jeweils einem eigenen Raum werden die Entstehung und künstlerische Entwicklung dieser Arbeiten von der ersten Skizze bis zum vollendeten, gedruckten Werk für den Betrachter nachvollziehbar gemacht.

Pastelle
Wie kaum ein anderer Künstler arbeitete Mucha zeitgleich in verschiedenen Genres. Um die Jahrhundertwende entstanden neben kunstgewerblichen Arbeiten auch zahlreiche Serien virtuoser Pastelle und Zeichnungen, mit kurvilinearen Umrissen und verhaltener Farbigkeit visualisierte er oftmals düstere Kapitel der Menschheitsgeschichte oder religiöse Themen. In dem in der Ausstellung präsentierten Werk Vor dem Feuer sitzende Frau etwa wird erkennbar, wie weit sich Mucha in diesen Arbeiten von rein dekorativen Intentionen entfernte.

Weltausstellung Paris 1900 | Pavillon von Bosnien und Herzegowina
Zu den wichtigsten Aufträgen Muchas zählen seine für verschiedene Pavillons geschaffenen Beiträge für die Weltausstellung in Paris im Jahr 1900. Nachdem Muchas Pläne für einen eigenen Pavillon de l‘Homme für unrealisierbar befunden und abgelehnt worden waren - einzelne Entwürfe für dieses Projekt sind in der Ausstellung zu sehen - wurde er 1899 von der österreichischungarischen Regierung mit der Gestaltung des Pavillons von Bosnien und Herzegowina beauftragt, für den er einen monumentalen allegorischen Fries fertigte. Auf mehr als 250 m2 Leinwand malte er die Geschichte der beiden osmanischen Provinzen Bosnien und Herzegowina, die 1878 als Folge des Berliner Kongress unter die Verwaltung Österreich-Ungarns gestellt wurden. Der Großteil dieser Wandbilder blieb erhalten und wird erstmals innerhalb der maßstäblich rekonstruierten Zentralhalle des Pavillons im Belvedere gezeigt.

Boutique Fouquet
Nachdem Mucha bereits im Rahmen der Weltausstellung Schmuck für das Juweliergeschäft Georges Fouquet entworfen hatte, gestaltete er 1901 auch die Ausstattung des Pariser Geschäfts - und schuf damit eine Ikone des Jugendstil-Interieurs. Einzelne der damals gefertigten Schmuckstücke sowie zahlreiche Entwürfe, auch für die Ausstattung des Juweliergeschäftes, werden neben einzigartigen Möbeln zu sehen sein.

Documents décoratifs und Figures décoratives
1902 gab Mucha mit seinem Mappenwerk Documents décoratifs ein außergewöhnliches Ornament- Handbuch für Künstler heraus, drei Jahre später folgte mit Figures décoratives ein weiterer Band, in dem sich Mucha insbesondere mit dem Einsatz des menschlichen Körpers als dekoratives Element beschäftigte. Einzelne Vorlageblätter dieser Werke werden in der Ausstellung gezeigt.

Obecní dum
Nach mehreren Aufenthalten in Amerika und schwindendem Erfolg in Paris zog sich Mucha um 1910 nach Prag zurück. Er erhielt von der Stadt den Auftrag, die Innenausstattung des Primatorensalons (Obecní dum) im Prager Repräsentationshaus zu übernehmen. Das in zahlreichen Entwürfen und Vorstudien in der Ausstellung vorgestellte Werk gilt als letztes großes Kunstwerk des Jugendstils in Prag.

Slawisches Epos
Mit der Unterstützung eines amerikanischen Mäzen schuf Mucha von 1910 bis 1928 eines seiner Hauptwerke: einen Zyklus von 20 monumentalen Gemälden mit Darstellungen zur Geschichte der slawischen Völker. Teile des Slawischen Epos werden mit einer Anzahl von bisher unveröffentlichten Skizzen, Studien und Übertragungszeichnungen im Belvedere zu sehen sein.

Nach Ende des ersten Weltkriegs entwarf Mucha etwa Briefmarken, Banknoten und Orden für den jungen tschechoslowakischen Staat sowie die beeindruckenden Glasfenster des Veitsdom, welche anhand von Skizzen und Reproduktionen in der Ausstellung präsentiert werden.

Die Ausstellung wird von einer Publikation begleitet und entsteht in Kooperation mit der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, München und dem Musée Fabre, Montpellier und wird in leicht abgewandelter Form von Juni bis September 2009 in Montpellier und von September 2009 bis Januar 2010 in München gezeigt.

Exponate: ca. 250 Werke
Kurator: Jean Louis Gaillemin

Ausstellungsort: Unteres Belvedere, Rennweg 6, A-1030 Wien
Öffnungszeiten: täglich 10-18 Uhr, Mittwoch 10-21 Uhr
Pressekonferenz: Mittwoch, 11.02.2009, 10 Uhr, Unteres Belvedere
Eröffnung: Mittwoch, 11.02.2009, 19 Uhr, Unteres Belvedere Belvedere

Ausstellung / Hamburg: Roy Lichtenstein – Plakate

Mittwoch, 28. Januar 2009

Die Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg läuft noch bis zum 01.03.2009.

Zum ersten Mal zusammengestellt: Ca. 70 Exponate aus der Zeit von 1962 – 1997

Comicbilder, Sprechblasen, Zeitungsanzeigen, Punktraster und klare satte Farbtöne zeichnen den unverwechselbaren Stil von Roy Lichtenstein (1923 – 1997) aus. Er entwarf rund vierzig Plakate, hinzu kommen weitere dreißig, für die er die Motive auswählte. Dem Museum für Kunst und Gewerbe ist es gelungen, erstmalig alle Plakate des amerikanischen Pop Art Künstlers zusammenzustellen. Die 70 Blätter – angefangen von seiner ersten Ausstellung 1962 in der Leo Castelli Galerie in New York bis zu seinem letzten 1997 – geben einen Überblick über die reiche Motivwelt des Künstlers, der mit seinem Markenzeichen, den flächig gesetzten Rasterpunkten, zum Inbegriff der amerikanischen Pop Art wurde. Wir treffen auf seine „Girls“, auf die Kriegsbilder nach Comic- Szenen, auf die „Brushstrokes“ – die großen Pinselstriche –, auf die Stillleben und Interieurs der späteren Jahre oder auf die Atelier-Bilder und die „Imperfect Paintings“.Hinzu kommen viele unabhängige Plakatentwürfe, in denen Lichtenstein sich zu den verschiedensten Themen äußerte, vom New Yorker Filmfest über das Pariser Herbstfestival bis hin zu Amnesty international. Ergänzt durch verwandte Arbeiten Lichtensteins, etwa für Buchumschläge oder Zeitschriftentitel, sowie durch ausführliches Hintergrundmaterial.

Zur Ausstellung schenkt der Sammler Claus von der Osten dem Museum seine fast vollständige Sammlung von Lichtenstein-Plakaten dem Museum.

Es erscheint ein Katalog im Prestel-Verlag (Großformat, 152 Seiten, über 200 farbige Abbildungen, 29,95€).