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Ausstellung / Videokunst / Stuttgart: TERESA HUBBARD, ALEXANDER BIRCHLER No Room to Answer – Projections

Montag, 23. März 2009

Die Ausstellung in des württembergischen Kunstvereins Stuttgart läuft noch bis zum  10. Mai 2009.

Vom 28. Februar bis 10. Mai 2009 zeigt der Württembergische Kunstverein die Ausstellung No Room to Answer – Projections des in Austin lebenden schweizerisch-US-amerikanischen Künstlerduos Teresa Hubbard und Alexander Birchler. Die Ausstellung zeigt mit sieben Videoinstallationen zentrale Aspekte des Werks von Hubbard und Birchler auf, das auf unvergleichliche Weise die Erzählformen der Bühne und des Kinos erweitert. Begleitend dazu ist eine Auswahl an Materialien aus den Entstehungsprozessen der verschiedenen Werke zu sehen.

In ihren filmisch wie architektonisch aufwendig produzierten Videoarbeiten bringen Hubbard und Birchler die Übergänge zwischen Bewusstem und Unbewusstem, An- und Abwesenheit, Innerlichkeiten und Äußerlichkeiten ins Spiel. Sie loten Konflikte um Begehren und Verdrängen, Geschlechterpositionen, Erinnern und Vergessen aus. Das Haus beziehungsweise die Behausung als ein instabiler Raum zwischen Heim und Heimsuchung spielt dabei oftmals eine zentrale Rolle.

Mit ihren offenen Erzählungen, die auf komplexe Weise Handlungen und Handlungsräume miteinander verklammern, heben Hubbard und Birchler die raumzeitliche Ordnung aus den Angeln. Schauplätze sind dabei sowohl reale Orte als auch Kulissen, die sich die KünstlerInnen auf der Basis persönlicher Erlebnisse, historischer Recherchen, literarischer oder filmischer Vorlagen aneignen.

Als europäische Premiere zeigt der Württembergische Kunstverein die Videoinstallation Grand Paris Texas, die 2008 entstand. Protagonist der Arbeit ist »The Grand«, ein seit Jahren leer stehendes Kino in Paris, Texas – jener Ortschaft, die Wim Wenders mit seinem gleichnamigen Film von 1984 berühmt machte, obwohl sie darin gar nicht auftaucht. Grand Paris Texas verschränkt verschiedene Erzählungen und Metaerzählungen miteinander: über einen ausgedienten Ort filmischer Illusionen, über eine Kleinstadt und deren Verschränkungen sowohl mit Wim Wenders Film als auch mit der französischen Hauptstadt und über die Techniken und Produktionsweisen des Filmemachens selbst. Hubbard und Birchler greifen in Grand Paris Texas erstmals Formate des Dokumentarischen auf, um sich gleichermaßen realen wie imaginären Räumen und Situationen anzunähern.

Teresa Hubbard, geboren 1965 in Dublin, Irland, und Alexander Birchler, geboren 1962 in Baden, Schweiz, arbeiten seit 1990 zusammen. Ihre Werke wurden auf zahlreichen Biennalen, darunter die Biennale von Venedig (1999), die Busan Biennale (2008) oder Liverpool Biennale (2008) und in Ausstellungshäusern wie dem Hirshhorn Museum and Sculpture Garden in Washington D.C., dem Museum für Gegenwartskunst, Kunstmuseum Basel, dem Hamburger Bahnhof, Museum für Gegenwart, Berlin, der Pinakothek der Moderne in München, dem Whitney Museum in New York, dem Mori Museum in Tokyo oder der Reina Sofia in Madrid gezeigt.

2008 widmete das Modern Art Museum Fort Worth dem Künstlerduo mit der Ausstellung No Room to Answer eine umfassende Einzelausstellung. Der Württembergische Kunstverein fokussiert mit No Room to Answer – Projections eine umfangreiche Auswahl von Videoinstallationen der KünstlerInnen. Eine weitere Station und Variation der Ausstellung zeigt das Aargauer Kunstmuseum im Herbst 2009.

Katalog
Hubbard/Birchler. No Room To Answer
Hrsg.: Andrea Karnes für das Modern Art Museum of Fort Worth und den Württembergischen Kunstverein Stuttgart
Deutsch-Englisch, mit Texten von: Sara Arrhenius, Iris Dressler, Andrea Karnes
Hatje Cantz, 2008, ISBN 978-3-7757-2267-4
Preis: 29,80 Euro / Mitglieder des WKV 25 Euro

Adresse:
Württembergischer Kunstverein Stuttgart
Schlossplatz
70173 Stuttgar
Kontakt:
Fon: +49 (0)711-22 33 70
Fax: +49 (0)711-29 36 17

Ausstellung / Glarus: Nina Fischer & Maroan el Sani - The Beauty of the Imperfect, Impermanent and Incomplete

Mittwoch, 18. Februar 2009

Die Ausstellung im Kunsthaus Glarus läuft noch bis zum 03.05.2009.

Nina Fischer & Maroan el Sani (*1965, 1966, leben in Berlin und Sapporo) arbeiten seit Beginn ihrer Zusammenarbeit 1993 mit den Medien Video und Film. Die Schauplätze der Videos und Filme des Berliner Künstlerpaares sind Orte, die von einer architektonischen Utopie oder einer städtebaulichen Vision geprägt sind. Einst Symbole gesellschaftlichen Aufbruchs, sind sie heute oft verlassene, teils verwitterte Ruinen oder ungenutzte Leerräume zwischen Vergangenheit und Zukunft. Fischer & el Sani lassen fiktive Akteure von diesen Kulissen Besitz nehmen. Sie füllen die leeren Utopien mit neuen Aktivitäten und Geschichten. Es entstehen filmische Neuinterpretationen der zugrunde liegenden Funktions- und Gesellschaftskonzepte mit vielfältigen Überlagerungen und Referenzen aus Film- oder Kunstgeschichte. Unsichtbares, Unheimliches und die Frage der Materialisierung von Gedanken, Erinnerung und Ängsten sind zentrale Motive in ihrer Arbeit. In der Ausstellung im Kunsthaus Glarus werden zwei Videoarbeiten, Fotografien und Paper Cuts gezeigt.

In der neuesten Arbeit Spelling Dystopia (2008), einer 2-Kanal-Videoinstallation, beschäftigen sich Fischer & el Sani mit der japanischen Insel Hashima, die aufgrund ihrer Geschichte - einem raschen Aufstieg und jähen Niedergang - eine globale Symbolkraft hat. Ursprünglich nur ein Fels im Meer vor Nagasaki, wurde ab 1887 auf der Insel Kohle abgebaut. 1916 wurde dort das erste Stahlbetonhochhaus Japans errichtet. Während des 2. Weltkriegs war sie Arbeitslager für Kriegsgefangene aus China und Korea. Nach dem Krieg hatte die kleinflächige Insel die höchste Bevölkerungsdichte der Welt, bevor sie 1974 aufgrund ihrer Ausbeutung entvölkert wurde. Seither ist die Insel unbewohnt und dem Verfall preisgegeben. Einer jüngeren Film- und Video- Generation ist der Ort bekannt als Geisterinsel und düsterer Drehort für dystopische Science-Fiction- Szenarios, etwa für den Film Battle Royale (Kinji Fukasaku, 2000) oder aus Manga, Anime und Videospielen. Die Videoarbeit verbindet auf einer gesprochenen Textebene Erinnerungen eines ehemaligen Bewohners der Insel mit Nacherzählungen von Schülerinnen zum Film Battle Royale. Für den Betrachter der Videos vermischen sich Realität und Fiktion zu komplexen Überlagerungen von Erinnerung. Die verwilderte Insel wird zum Projektionsfeld für vielerlei Geschichten. Ihre historische Geschichte verschwimmt zunehmend.

In der Arbeit The Rise (2007) setzten sich Nina Fischer & Maroan El Sani während eines Aufenthaltes in Amsterdam mit dem neuen Hochhausviertel Zuidas (Südachse) auseinander, das entlang der Ringautobahn im Süden Amsterdams nach klassischen Visionen der modernen Metropole entsteht. Auf einer Fluchttreppe am Büroturm des Architekten Rafael Viñoly, die als Einschnitt in der Fassade gestaltet ist und spiralartig das Gebäude umrundet, erklimmt ein Mann das Gebäude. Der Protagonist vereint alle Merkmale des erfolgreichen Büroangestellten in sich. Er irrt endlos die Treppen hinauf. Angetrieben von einem ziellosen Ehrgeiz und der Einsamkeit entfliehend, begegnet er mehreren Hindernissen, Angstvorstellungen, einem Doppelgänger und einem imaginären Kind. Oben angekommen, entdeckt er im gegenüberliegenden Gebäude erneut einen Doppelgänger und wird an den Anfang der Treppe zurückgeworfen, um die Flucht nach oben, die Endlosschleife seines Aufstiegs, erneut anzutreten. Die Arbeit nimmt Referenzen zu Hitchcocks Vertigo (1958) und Piranesis Architekturfantasien in den Druckgrafiken der Carceri d’invenzione (1750-1761) auf. Beides sind Sinnbilder albtraumhafter Angstzustände und labyrinthischer Schreckensvisionen. Auch im Video werden Schwindel, Kontrollverlust und das Gefühl von Einsamkeit in einer überwältigenden Monumentalität als Schattenseiten des Erfolgstrebens spürbar. So wird die Arbeit als gesellschafts- und architekturkritischer Kommentar zu Amsterdams ehrgeizigen Städtebauentwicklungen lesbar. Eine Fotografie, die Viñoly Stairways (2007) und zwei Papierarbeiten, die de Quincey Cut Outs (2007), nehmen die Piranesi-Fantasien, u.a. aus ihrer literarischen Verarbeitung bei Thomas de Quincey’s „Bekenntnisse eines englischen Opium-Essers“ auf. Dort wird beschrieben, wie Piranesi in der Architektur seiner eigenen Carceri-Stiche gefangen erscheint. Auch für den jungen Mann scheint es kein Entkommen aus der Endlosschleife des Aufstiegs und seiner Beobachtung zu geben.

Kurzbiografie
Nina Fischer & Maroan el Sani zeigten ihre Arbeit bereits in zahlreichen Gruppenausstellungen und Biennalen, etwa der Gwangju Biennale (1995/2002/2008), der Istanbul Biennale (2007), der Sydney Biennale (2002), der Manifesta 4 in Frankfurt (2002), der Liverpool Biennal of Contemporary Art (1999), der Gruppenausstellung “Tokyo-Berlin” im Mori Art Museum, Tokyo/ Neue Nationalgalerie, Berlin (2006) sowie Einzelausstellungen im Yamaguchi Center for Arts and Media (2005) und im Stedelijk Museum Bureau in Amsterdam (2007). Seit 2007 besetzen sie eine ausserordentliche Professur an der Sapporo City University.
Das Kunsthaus Glarus zeigt erstmals Arbeiten von Nina Fischer & Maroan el Sani in einer Einzelausstellung in der Schweiz.

Adresse:
Kunsthaus Glarus
Im Volksgarten
Postfach 665
CH-8750 Glarus
E-mail:
www.kunsthausglarus.ch

Ausstellung / Leipzig: Ronald Gerber - Spiegelpyramide / Diplomausstellung

Donnerstag, 22. Januar 2009

Eine Ausstellung vom 29.01.09 - 01.02.2009 in der Galerie ARTAe in Leipzig.

Spiegelpyramide - Videoinstallation

Ronald Gerber öffnet sich. In drei ca. 15-minütigen Videos stellt er uns drei Personen vor, die sich den engen Platz in ihm teilen müssen, obwohl sie kaum unterschiedlicher sein könnten.
Henning, Yves und Jens stehen für Biografien, Weltbilder und Lebensstrategien, die zwar schrullig und verschroben sind, für sich genommen aber plausibel und authentisch wirken. Aufeinander losgelassen geraten diese inneren Anteile aber in harte Konkurrenz um Sinn und Unsinn und richtig oder falsch.

Ronald Gerber verschließt sich. Dreimal inszeniert er sich als Prototyp einer Künstlerpersönlichkeit wohlwissend, dass er nicht überzeugen kann, solange er sich nicht für eine davon entscheidet sondern alle drei parallel anbietet. Er macht keinen Hehl daraus, dass kaum ein Mythos ohne Inszenierung auskommt und dass dieses Wissen uns den Spaß am Mythos verdirbt, weil es uns ahnen lässt, dass die Realität oft profaner ist als uns lieb wäre.

Ronald Gerber sucht sich selbst. Wie beim Schiffe versenken lotet er aus, was er alles nicht ist. Als trauere er um verschenktes Potential, rekonstruiert er, was aus ihm hätte werden können, wenn er an diesem oder jenem Punkt in seinem Leben anders abgebogen wäre. Und wie bei einer Rasterfahndung nach sich selbst, versucht er das einzukreisen was er wirklich ist. Natürlich stolpert er über das Wort Wirklichkeit und inszeniert seinen darauffolgenden Sturz ironisch, poetisch und ohne Angst davor, in seiner Eitelkeit eine schlechte Figur zu machen.

Und erneut befragt Ronald Gerber den Kunstmarkt. Alle drei vorgeführten Künstler leiten aus ihrer Weltsicht nämlich ein Kunstwerk her, das sich nahtlos in ihr Denken und bisheriges Schaffen einfügt. Er verblüfft, weil er drei Künstler das exakt gleiche Werk erfinden lässt: Eine verspiegelte Pyramide mit dreiseitiger Grundfläche, die der Arbeit ihren Namen gab: Spiegelpyramide.

Gerber führt vor, dass jedes Kunstwerk erst durch den Kontext in dem es präsentiert wird seine Bedeutung erlangt, ebenso wie jeder Mensch erst durch das was ihm in seinem Umfeld widerfährt seine vermeintlich immanente Persönlichkeit entwickelt. ist. Natürlich stolpert er über das Wort Wirklichkeit und inszeniert seinen darauffolgenden Sturz ironisch, poetisch und ohne Angst davor, in seiner Eitelkeit eine schlechte Figur zu machen.

Neben Gerbers schauspielerischer Leistung, beeindruckt diese Arbeit durch ihre Balance von Ernsthaftigkeit und Witz. Die Realitätskonstruktionen der drei Protagonisten sind wohlüberlegt, pointiert formuliert, reflektieren die Kunst und wie man darüber denken könnte.

Die Wahrheit – wenn es sie überhaupt gibt - liegt wie immer irgendwo dazwischen. Ronald Gerber regt wie immer an, unterhält, irritiert, ist ernst, provokant und dabei stets poetisch.

Donerstag 29.01.2009, 9 Uhr, Galerie der HGB Leipzig

Freitag 30.01. bis einschl. So 1.02.2009, Galerie ARTAe Leipzig
täglich geöffnet von 11 - 19 Uhr

Adresse:
Galerie ARTAe
Gohliser Straße 3, im 1.OG
04105 Leipzig
Kontakt:
Fon: 0341 355 20 466