Artikel-Schlagworte: „Videokunst“

Ausstellung / Fotokunst / Frankfurt: Doris Lasch, Ursula Ponn: „If you don’t create your own history someone else will“

Montag, 23. März 2009

Die Ausstellung in den Räumen des Frankfurter Kunstverein läuft vom 27.03,2009 – 31.05.2009.

Die beiden Künstlerinnen Doris Lasch (*1972, Landsberg/Lech) und Ursula Ponn (*1965, Bad Aibling) zeigen im Frankfurter Kunstverein eine neue raumbezogene Installation, die sich mit Fragen nach der Konstruktion und Wahrnehmung von Geschichte im Kontext von Kunst und Kultur beschäftigt. Für die Ausstellung und den begleitenden Katalog wurden die beiden Künstlerinnen mit dem Förderpreis „Kataloge für junge Künstler“ der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung ausgezeichnet.

Wie sich die Vergangenheit darstellt ist immer eine Frage der Blickrichtung und gleichzeitig entscheidend für die Manifestation von Geschichte sowie die daraus folgende Entwicklung politischer oder kultureller Entscheidungen. Vor diesem Hintergrund und mit einem besonderen Interesse für das komplexe Geflecht zwischen Wahrnehmung, Repräsentation und Wahrheit, entwickeln Doris Lasch und Ursula Ponn ihre Arbeiten unter Verwendung verschiedener Medien wie Fotografie, Film und Rauminstallationen.

Doris Lasch und Ursula Ponn haben seit ihrem Studium an der Kunstakademie in München eine gemeinsame künstlerische Sprache entwickelt und diese bei einem anschließenden Aufenthalt in Maastricht an der Jan van Eyk Akademie (2003 – 2005) in gemeinsamen Projekten fortgesetzt und inhaltlich verdichtet. Die Ausstellung im Frankfurter Kunstverein ist ihre erste umfangreiche institutionelle Ausstellung in Deutschland. Thematisch umkreisen Lasch/Ponn darin den kunstspezifischen Begriff der „Retrospektive“. Dabei werden drei Aspekte angesprochen, die in der Arbeit der beiden Künstlerinnen eine wesentliche Rolle spielen: die Reflektion von Vergangenem, der Blick bzw. die Wahrnehmung sowie die Repräsentation.

„Das Reale muss zur Dichtung werden, damit es gedacht werden kann“ behauptet der französische Philosoph Jacques Rancière in seinen Schriften zur (dokumentarischen) Fiktion. In diesem Sinne und mit Bezug auf die Arbeit von Lasch/Ponn kann Geschichte also immer auch als Fiktion von Realität verstanden werden, da sie immer auf einer Form von Erzählung oder Repräsentation beruht, die nie neutral sein kann.

Doris Lasch und Ursula Ponn werden im Frankfurter Kunstverein raumbezogen eine neue Installation aus unterschiedlichen Medien schaffen, die an ihre gemeinsame Zusammenarbeit der vergangenen zehn Jahre anknüpft und unterschiedliche Arbeiten daraus aufgreift. Wie in einer Zeitcollage werden Zeitkapseln mit unterschiedlichen reproduzierten Arbeiten geöffnet, die sich gleich einer Ausstellung in der Ausstellung und einem Bild im Bild überlagern. Fiktion und Realität gehen dabei ein wechselseitiges Verhältnis ein. In der Ausstellung wird so ein Rückblick entstehen, der die künstlerische Produktion im Spannungsfeld ständig wechselnder Kontexte befragt.

Vor allem der Ort kultureller Produktion und Repräsentation ist immer wieder Thema in den Arbeiten der beiden Künstlerinnen. Dabei untersuchen sie sowohl die Parameter der Architektur, als auch der sozialen und historischen Bedingungen des Ortes.

Die Fotografie dient ihnen als Medium des Ausdrucks und kann gleichzeitig als Metapher einer kulturhistorischen Untersuchung gelesen werden. Die analoge Fotografie – ein heute fast schon anachronistisches Medium – bewegt sich immer zwischen den Polen ihres Wirklichkeitsanspruchs und ihrer immanenten Eigenschaft der Vergänglichkeit. Dieses Spannungsverhältnis greifen Lasch/Ponn auf. Durch großformatige schwarz-weiß Aufnahmen entwickeln sie Fiktionen möglicher Szenarien, die vor unserem Auge unweigerlich zu Geschichte werden, ohne dass sie in der Realität tatsächlich eine Entsprechung finden. Aus eigenen inszenierten Bildern, gefundenem Material sowie Beiträgen befreundeter Künstler erzeugen sie so ein dichtes Gefüge kultureller Referenzen, Anknüpfungspunkte und Erzählstränge, die aktuelle Fragen der Wahrnehmung und Entstehung kultureller Wahrheiten thematisieren.

Im Kontext der Ausstellung erscheint eine Publikation mit Texten der Künstlerinnen sowie Texten von Dominiek Hoens und Katja Schroeder.

Kuratorin der Ausstellung: Katja Schroeder

Die Publikation und das Projekt werden von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach- Stiftung im Programm „Kataloge für junge Künstler“ gefördert.

Pressevorbesichtigung: 26. März 2009, 11 Uhr

Eröffnung: 26. März 2009, 19 Uhr

Adresse:
Frankfurter Kunstverein
Steinernes Haus am Römerberg
Markt 44
60311 Frankfurt am Main
Kontakt:
Fon +49 (0)69 219314-0
Fax +49 (0)69 219314-11

Ausstellung / Videokunst / Stuttgart: TERESA HUBBARD, ALEXANDER BIRCHLER No Room to Answer – Projections

Montag, 23. März 2009

Die Ausstellung in des württembergischen Kunstvereins Stuttgart läuft noch bis zum  10. Mai 2009.

Vom 28. Februar bis 10. Mai 2009 zeigt der Württembergische Kunstverein die Ausstellung No Room to Answer – Projections des in Austin lebenden schweizerisch-US-amerikanischen Künstlerduos Teresa Hubbard und Alexander Birchler. Die Ausstellung zeigt mit sieben Videoinstallationen zentrale Aspekte des Werks von Hubbard und Birchler auf, das auf unvergleichliche Weise die Erzählformen der Bühne und des Kinos erweitert. Begleitend dazu ist eine Auswahl an Materialien aus den Entstehungsprozessen der verschiedenen Werke zu sehen.

In ihren filmisch wie architektonisch aufwendig produzierten Videoarbeiten bringen Hubbard und Birchler die Übergänge zwischen Bewusstem und Unbewusstem, An- und Abwesenheit, Innerlichkeiten und Äußerlichkeiten ins Spiel. Sie loten Konflikte um Begehren und Verdrängen, Geschlechterpositionen, Erinnern und Vergessen aus. Das Haus beziehungsweise die Behausung als ein instabiler Raum zwischen Heim und Heimsuchung spielt dabei oftmals eine zentrale Rolle.

Mit ihren offenen Erzählungen, die auf komplexe Weise Handlungen und Handlungsräume miteinander verklammern, heben Hubbard und Birchler die raumzeitliche Ordnung aus den Angeln. Schauplätze sind dabei sowohl reale Orte als auch Kulissen, die sich die KünstlerInnen auf der Basis persönlicher Erlebnisse, historischer Recherchen, literarischer oder filmischer Vorlagen aneignen.

Als europäische Premiere zeigt der Württembergische Kunstverein die Videoinstallation Grand Paris Texas, die 2008 entstand. Protagonist der Arbeit ist »The Grand«, ein seit Jahren leer stehendes Kino in Paris, Texas – jener Ortschaft, die Wim Wenders mit seinem gleichnamigen Film von 1984 berühmt machte, obwohl sie darin gar nicht auftaucht. Grand Paris Texas verschränkt verschiedene Erzählungen und Metaerzählungen miteinander: über einen ausgedienten Ort filmischer Illusionen, über eine Kleinstadt und deren Verschränkungen sowohl mit Wim Wenders Film als auch mit der französischen Hauptstadt und über die Techniken und Produktionsweisen des Filmemachens selbst. Hubbard und Birchler greifen in Grand Paris Texas erstmals Formate des Dokumentarischen auf, um sich gleichermaßen realen wie imaginären Räumen und Situationen anzunähern.

Teresa Hubbard, geboren 1965 in Dublin, Irland, und Alexander Birchler, geboren 1962 in Baden, Schweiz, arbeiten seit 1990 zusammen. Ihre Werke wurden auf zahlreichen Biennalen, darunter die Biennale von Venedig (1999), die Busan Biennale (2008) oder Liverpool Biennale (2008) und in Ausstellungshäusern wie dem Hirshhorn Museum and Sculpture Garden in Washington D.C., dem Museum für Gegenwartskunst, Kunstmuseum Basel, dem Hamburger Bahnhof, Museum für Gegenwart, Berlin, der Pinakothek der Moderne in München, dem Whitney Museum in New York, dem Mori Museum in Tokyo oder der Reina Sofia in Madrid gezeigt.

2008 widmete das Modern Art Museum Fort Worth dem Künstlerduo mit der Ausstellung No Room to Answer eine umfassende Einzelausstellung. Der Württembergische Kunstverein fokussiert mit No Room to Answer – Projections eine umfangreiche Auswahl von Videoinstallationen der KünstlerInnen. Eine weitere Station und Variation der Ausstellung zeigt das Aargauer Kunstmuseum im Herbst 2009.

Katalog
Hubbard/Birchler. No Room To Answer
Hrsg.: Andrea Karnes für das Modern Art Museum of Fort Worth und den Württembergischen Kunstverein Stuttgart
Deutsch-Englisch, mit Texten von: Sara Arrhenius, Iris Dressler, Andrea Karnes
Hatje Cantz, 2008, ISBN 978-3-7757-2267-4
Preis: 29,80 Euro / Mitglieder des WKV 25 Euro

Adresse:
Württembergischer Kunstverein Stuttgart
Schlossplatz
70173 Stuttgar
Kontakt:
Fon: +49 (0)711-22 33 70
Fax: +49 (0)711-29 36 17

Ausstellung / München: Apichatpong Weerasethakul - Primitive

Donnerstag, 26. Februar 2009

Die Ausstellung im Haus der Kunst in München läuft noch bis zum 17.05. 2009.

Auf die Filmprojekte von Herbert Achternbusch, Agnés Varda, Christoph Schlingensief, Alexander Kluge, Garin Nugroho und Amar Kanwar, die das Haus der Kunst seit 2003 gezeigt hat, folgt nun Apichatpong Weerasethakul mit der Weltpremiere von “Primitive”. Die Reihe wird fortgesetzt mit Edgar Reitz (Variavision, 2010).

“Primitive” ist eine neue Arbeit des thailändischen Künstlers und Filmemachers Apichatpong Weerasethakul. Das Kernstück des facettenreichen Projekts, das in verschiedenen Zusammenhängen präsentiert wird, bildet die Installation auf mehreren Leinwänden, die im Haus der Kunst Premiere hat. Das Haus der Kunst hat “Primitive” gemeinsam mit FACT (Foundation for Art and Creative Technology) in Liverpool und Animate Projects in London in Auftrag gegeben.

Als er im vorigen Jahr für einen Spielfilm über Onkel Boonmee recherchierte, einen Mann, der sich an seine früheren Leben erinnern kann, bereiste Apichatpong Weerasethakul den Nordosten Thailands nahe der laotischen Grenze. Unter anderem besuchte er das verschlafene Dorf Nabua, einen der Orte, den die thailändische Armee von den 1960er- bis in die frühen 1980er-Jahre besetzt hatte, um vermeintliche Kommunisten in Schach zu halten. 1965 wurde Nabua landesweit bekannt, weil sich dort kommunistische Bauern und totalitäre Regierung das erste Feuergefecht lieferten. Zwanzig Jahre lang unter strikter Besatzung und militärischer Kontrolle, war Nabua Schauplatz von grausamer Unterdrückung, Kampf und Gewalt. Viele Menschen flohen in die Wälder. Zurück blieben fast nur Frauen und Kinder.

In einer Sage aus dieser Gegend klingen die historischen Tatsachen nach: Sie erzählt von einem “Witwengespenst”, das jeden Mann entführt, der sein Reich betritt. Es verschleppt sie zu seinen anderen Ehemännern in ein unsichtbares Land. Deshalb, so die Sage, sei die Gegend männerlos. “Witwenstadt” wurde der Spitzname von Nabua. Als der kalte Krieg endete, wurden Einigungen erzielt und die kommunistische Partei von Thailand verkümmerte. Die Regierung spielte die Gewalt herunter. Die Öffentlichkeit vergaß. Auch die Toten sind vergessen. Die junge Generation kennt das Nabua von gestern nicht mehr.

Apichatpong Weerasethakuls Projekt will Nabua neu erfinden, einen Ort, wo Erinnerungen und Ideologien ausgestorben sind. Die Installation porträtiert die halbwüchsigen männlichen Nachkommen der kommunistischen Bauern, befreit aus dem Reich des Witwengespensts.

Weerasethakul verbrachte Ende 2008 zwei Monate in Nabua und dokumentierte das Leben der Teenager. Das Projekt verzweigte sich und nahm verschiedene Formen an: Manifestationen eines Künstlers, der verschiedene ausgedachte Szenarien schafft, um einem Ort eine Erinnerung einzupflanzen. Wie bei seinen bisherigen Arbeiten mischen sich Fiktion und Dokumentation. Immer schon wollte Weerasethakul einen Film mit einem Raumschiff drehen; Nabua schien ihm der perfekte Landeplatz für dieses Raumschiff und für die Idee einer Reise. Er bat die Teenager des Dorfes, das Raumschiff mit ihm zu bauen. Es bildet ein Kernmotiv der Installation.

Wie Weerasethakuls Filme ist auch “Primitive” eine Impression von Licht und Erinnerung. Das Licht ist natürlich: Sonnenlicht, Feuerschein. Lichter sickern durch Türen und Fenster, Lichter verbrennen die Reisfelder. Künstliche Blitzschläge zerstören die friedliche Landschaft und locken die Geister aus der Erde. “Primitive” handelt von Wiedergeburt und Transformation. Es feiert die zerstörerische Kraft der Natur und in uns, eine Kraft, die brennen muss, um geboren zu werden und sich zu wandeln.

Die Primitive-Installation im Haus der Kunst besteht aus verschiedenen Elementen, die gleichzeitig auf mehreren Leinwänden vorgeführt werden. Die Hauptleinwände zeigen verschiedene Arten von Tageslicht, vom Abend bis zur Nacht. Die Teenager sind in einem Reisfeld, in der Ferne sieht man das Raumschiff, ein Gespenst steht im Sonnenuntergang und in der Nacht träumen die Teenager im Raumschiff. Eine andere Leinwand zeigt Aufnahmen von Nabua und seinen nächtlichen Feldern, Blitze schlagen krachend in die Erde ein. Der Bau des Raumschiffs ist dokumentiert und es gibt zwei Musikvideos, in denen die Halbwüchsigen auftreten.

Apichatpong Weerasethakul ist letztes Jahr bei der 55. Carnegie International für seine Installation “Unknown Forces” als herausragender neuer Künstler mit dem Fine Prize ausgezeichnet worden. Seine Spielfilme, unter anderem “Tropical Malady” (2004) und “Syndromes and a Century” (2006) wurden von der Kritik hoch gelobt und gewannen mehrere Preise. Er ist anerkannt als “eine der Schlüsselfiguren der Filmkunst dieses Jahrzehnts” (Frieze).

Zusätzlich zu der Installation, die im Haus der Kunst gezeigt wird, hat das Primitive-Projekt drei Komponenten: Zwei selbstständige Kurzfilme und ein Künstlerbuch, das ebenfalls “Primitive” heißt.

Der Kurzfilm “Primitive: A Letter to Uncle Boonmee” wird am 20. Februar im Filmmuseum München uraufgeführt. Ein Halbwüchsiger, der den Regisseur spielt, trägt einen Brief vor: Er beschreibt das Innere abendlicher Häuser in Nabua.

Der Kurzfilm “Phantoms of Nabua” wurde eigens für die Website “Animate Projects” geschaffen und wird unter www.animateprojects.org online gestellt. “Phantoms of Nabua” porträtiert Lichter: Die Lichter des Zuhauses, aber auch das Licht der Zerstörung - Teenager spielen mit einem brennenden Fuflball.

Das Künstlerbuch “Primitive” enthält Interviews und Tagebucheinträge, die während Apichatpong Weerasethakuls Recherche-Reisen entstanden sind, sowie Fotos. Es erscheint im Laufe des Jahres bei Edizioni Zero, Mailand in der Cujo-Serie.

Retrospektiven von Weerasethakuls Filmen werden im Österreichischen Filmmuseum in Wien (26. März - 2. April), dem Arsenal-Kino Berlin (1. - 15. April) und im Filmmuseum München (3. - 15. April) gezeigt. Im März veröffentlicht das Österreichische Filmmuseum die erste umfassende englischsprachige Monografie.

Adresse:
Haus der Kunst
Prinzregentenstrasse 1
d 80538 München

Kontakt:
t +49 (0)89 21127-113
f +49 (0)89 21127-157
mail@hausderkunst.de

Ausstellung / Leipzig: Ronald Gerber - Spiegelpyramide / Diplomausstellung

Donnerstag, 22. Januar 2009

Eine Ausstellung vom 29.01.09 - 01.02.2009 in der Galerie ARTAe in Leipzig.

Spiegelpyramide - Videoinstallation

Ronald Gerber öffnet sich. In drei ca. 15-minütigen Videos stellt er uns drei Personen vor, die sich den engen Platz in ihm teilen müssen, obwohl sie kaum unterschiedlicher sein könnten.
Henning, Yves und Jens stehen für Biografien, Weltbilder und Lebensstrategien, die zwar schrullig und verschroben sind, für sich genommen aber plausibel und authentisch wirken. Aufeinander losgelassen geraten diese inneren Anteile aber in harte Konkurrenz um Sinn und Unsinn und richtig oder falsch.

Ronald Gerber verschließt sich. Dreimal inszeniert er sich als Prototyp einer Künstlerpersönlichkeit wohlwissend, dass er nicht überzeugen kann, solange er sich nicht für eine davon entscheidet sondern alle drei parallel anbietet. Er macht keinen Hehl daraus, dass kaum ein Mythos ohne Inszenierung auskommt und dass dieses Wissen uns den Spaß am Mythos verdirbt, weil es uns ahnen lässt, dass die Realität oft profaner ist als uns lieb wäre.

Ronald Gerber sucht sich selbst. Wie beim Schiffe versenken lotet er aus, was er alles nicht ist. Als trauere er um verschenktes Potential, rekonstruiert er, was aus ihm hätte werden können, wenn er an diesem oder jenem Punkt in seinem Leben anders abgebogen wäre. Und wie bei einer Rasterfahndung nach sich selbst, versucht er das einzukreisen was er wirklich ist. Natürlich stolpert er über das Wort Wirklichkeit und inszeniert seinen darauffolgenden Sturz ironisch, poetisch und ohne Angst davor, in seiner Eitelkeit eine schlechte Figur zu machen.

Und erneut befragt Ronald Gerber den Kunstmarkt. Alle drei vorgeführten Künstler leiten aus ihrer Weltsicht nämlich ein Kunstwerk her, das sich nahtlos in ihr Denken und bisheriges Schaffen einfügt. Er verblüfft, weil er drei Künstler das exakt gleiche Werk erfinden lässt: Eine verspiegelte Pyramide mit dreiseitiger Grundfläche, die der Arbeit ihren Namen gab: Spiegelpyramide.

Gerber führt vor, dass jedes Kunstwerk erst durch den Kontext in dem es präsentiert wird seine Bedeutung erlangt, ebenso wie jeder Mensch erst durch das was ihm in seinem Umfeld widerfährt seine vermeintlich immanente Persönlichkeit entwickelt. ist. Natürlich stolpert er über das Wort Wirklichkeit und inszeniert seinen darauffolgenden Sturz ironisch, poetisch und ohne Angst davor, in seiner Eitelkeit eine schlechte Figur zu machen.

Neben Gerbers schauspielerischer Leistung, beeindruckt diese Arbeit durch ihre Balance von Ernsthaftigkeit und Witz. Die Realitätskonstruktionen der drei Protagonisten sind wohlüberlegt, pointiert formuliert, reflektieren die Kunst und wie man darüber denken könnte.

Die Wahrheit – wenn es sie überhaupt gibt - liegt wie immer irgendwo dazwischen. Ronald Gerber regt wie immer an, unterhält, irritiert, ist ernst, provokant und dabei stets poetisch.

Donerstag 29.01.2009, 9 Uhr, Galerie der HGB Leipzig

Freitag 30.01. bis einschl. So 1.02.2009, Galerie ARTAe Leipzig
täglich geöffnet von 11 - 19 Uhr

Adresse:
Galerie ARTAe
Gohliser Straße 3, im 1.OG
04105 Leipzig
Kontakt:
Fon: 0341 355 20 466

Ausstellung / Berlin: Barbara Breitenfellner, Carolin Löbbert und Eileen Wunderlich - Autopoiesis

Freitag, 16. Januar 2009

Eine Ausstellung vom 29.01.2009 - 07.03.2009 im Bongout Showroom in Berlin.

Wir gehen Verbindungen ein, mit Artgenossen, mit anderen Lebewesen. Wir bilden Systeme, werden Teil von Systemen, brechen mit ihnen, um uns Neuen anzuschließen. In einem engen Kreis aus Zeit inmitten des zeitlosen Chaos kreieren wir unsere Wirklichkeit. Immer bemüht, die Realität nach eigenem Gutdünken zu formen, immer die Kontrolle zu behalten. Doch manchmal werden wir erfasst, einer Fliege gleich, die vom süßen Duft der Venusfliegenfalle angelockt, ihrem Verderben entgegenfliegt. Dann schlägt uns die Wirklichkeit hart ins Gesicht, erwischt uns mit ihrer eiskalten Hand.

In Barbara Breitenfellners Installation wird die harte Fliegen-Wirklichkeit neben Spuren der inszenierten Wirklichkeit des Films gesetzt. Im Gewächshaus verspeisen fleischfressende Pflanzen so manches Insekt, dazwischen fliegen die Utensilien eines Filmschneidelabors herum. Ein Gleichnis für die Vergänglichkeit und Suggestivität der Bilder, die uns alltäglich begegnen. Die Künstlerin legt mit ihrer Arbeit die Schattenseiten und Anomalien einer vermeintlich vertrauten und bekannten Welt bloß, deren erlebte Wirklichkeit auf mediale Bilder aufbaut.

„Chemo Babe“. Seit Jahren fotografiert Eileen Wunderlich tote Tiere. Bevor ein Bild entsteht, bandagiert, näht und drapiert die Künstlerin. Jedes Tier erhält einen neuen Charakter. Dieses Jahr schlüpfte Eileen Wunderlich selbst in unterschiedliche Rollen, um für kurze Zeit der Realität ihrer Krankheit zu entkommen. Sie persiflierte ihre eigene Wirklichkeit und gleichzeitig die Welt dort draußen. Auf Carolin Löbberts onirischen Bildern tummeln sich bunte Vögel. Sie sitzen auf dicken Ästen und singen. Doch nach dem ersten Eindruck von harmonischer Natur entdeckt man den Tod im Gebüsch und seine maskierte Gefolgschaft lauert im Tümpel. Dicke Tropfen durchziehen die Bilder. Die Vögel singen nicht nur. Sie schlagen Alarm. Sie bluten, scheißen und sterben in der unwirtlichen Welt um sie herum.

All diese Arbeiten haben zugleich etwas Düsteres und Heiteres durch die alles durchdringende, spürbare Kraft des Lebens.

Adresse:
Bongout Showroom
Torstraße 110
10119 Berlin
Kontakt:
Fon: 030 - 280 93 758

Dortmunder Kunstverein - Eyes Wide Shut - Martin Brand / neue Videoarbeiten

Dienstag, 2. Dezember 2008

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Hartware MedienKunstVerein.

Martin Brand wurde 1975 in Bochum geboren und studierte bis 2002 Kunst und Germanistik in Bochum und Dortmund. Er lebt und arbeitet als Künstler und Filmemacher in Köln.

In den vergangen Jahren realisierte er eine Reihe von Projekten, bei denen er von Beobachtungen und Überlegungen zu gesellschaftlich-sozialen wie auch politischen Vorgängen und Zuständen ausging. Seine Arbeiten bewegen sich dabei oftmals zwischen Dokumentation und Fiktion, zufälliger Beobachtung und Inszenierung.
Das Besondere an Brands Arbeitsweise ist, dass er das Video als Mittel zur Konfrontation und Verunsicherung einsetzt, indem er das Auge der Kamera zum Auge des Betrachters macht. Das Charakteristische seiner künstlerischen Arbeit ist die konsequente Auseinandersetzung mit Jugendlichen, Cliquenbildung und Gruppenhierarchie.

Die Arbeit Eyes Wide Shut stellt den Besucher in einen nonverbalen “Dialog“ mit den Portraitierten. Fünf Jugendliche im Alter zwischen 16 und 18 Jahren stehen dem Betrachter überlebensgroß gegenüber. Die Jugendlichen tragen Jeans und T-Shirt, blicken ohne eine Gestik und ohne ein Wort geradeaus.
Die Distanz zwischen Bild und Raum, Betrachter und Porträtierten ist soweit reduziert, dass der Sehende beginnt, sich beobachtet zu fühlen.
Die Veränderung von Verhaltensmustern beim Betrachter und eine mögliche gegenseitige Einflussnahme von Kunstobjekt und Beobachter reizt Brand mit den Möglichkeiten seines Genres bis an die Grenze zum unbewegten Video aus. Im Sujet des Porträts bewegt sich Martin Brand mit seiner Videoarbeit an der medialen Grenze von Fotografie, Dokumentation und Fiktion.
Themen der Jugendkultur, Identitätssuche, Orientierung an Vorbildern, Beeinflussung durch Medien und Werbung, Cliquen- und Szenebildung, Gewalt, Gruppenhierarchien und -mechanismen spielen in Brands Videoarbeiten eine zentrale Rolle. In diesem Zusammenhang entstanden Arbeiten wie Breakdance (2003/04), Pit Bull Germany (2004), Match (2005), Turku Portraits (2006), Remote (2007) und Eyes Wide Shut (2008).
Seine Videos und Installationen wurden auf zahlreichen Ausstellungen und Festivals gezeigt und mehrfach ausgezeichnet. Er erhielt Stipendien und Künstlerresidenzen und wurde 2006 mit dem Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen für junge Künstlerinnen und Künstler ausgezeichnet.

Der Dortmunder Kunstverein zeigt einen Überblick seiner in den Jahren 2007/08 entstandenen Videoarbeiten. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog (dt./engl.) im Kerber Verlag, Reihe: edition young art’.

Die Arbeit entstand durch ein Arbeitsstipendium der Kunststiftung NRW.

Veranstaltungen:

Donnerstag, 4. Dezember 2008, 19.00 Uhr
Vernissage EYES WIDE SHUT Martin Brand

Samstag,17. Januar 2009, 17.00 Uhr
Diskussionsrunde und Künstlergespräch, in Kooperation mit dem Hartware MedienKunstVerein

Dortmunder Kunstverein e.V.
Hansastr. 2-4
44137 Dortmund
Fon: 02 31 – 57 87 36

Künstlerische und geschäftliche Leiterin: Verena Titze

Öffnungszeiten: Di - Fr 15.00 - 18.00 h / So 11.00 - 16.00 h / an Feiertagen geschlossen